Eigentlich wollte Mesner Werner Rieger nur einige Ausstellungstafeln
Kuhglocke zur alten Bassgeige

Sie freuen sich über den Fund (von links): Mesner Werner Rieger (in der Hand das wohl älteste Messgewand, dessen Stola unten die Form einer Kuhglocke aufweist), Sohn Markus und Ehefrau Manuela sowie Pfarrer Johannes Kiefmann. Bild: ct
wegräumen, damit sie nicht weiter im Weg stehen. Sohn Markus und Frau Manuela halfen dabei, die Stücke die enge Treppe hinauf in einen Raum im Kirchturm zu transportieren. Dabei stolperte Markus über eine Kiste, in der man einen erstaunlichen Fund machte.

(ct) Zwölf alte Messgewänder waren hier fein säuberlich gefaltet und verpackt - wahrscheinlich bei der letzten Renovierung der Schlichter Kirche vor rund 20 Jahren. So sollten sie wohl vor einem Verstauben bei der Baumaßnahme geschützt werden. Dass es sich aber um schätzungsweise mindestens 100 Jahre alte Paramenten handelt, von denen auch die letzten Geistlichen der Pfarrei St. Georg Schlicht nichts wussten, ahnte man nicht - und so blieben sie weiter in ihrem "Turmverlies", bis eben die Familie Rieger sie zufällig entdeckte.

Barocke Stickereien

Bei den Messgewändern handelt es sich um sogenannte Bassgeigen, die vorwiegend bis zum 2. Vatikanischen Konzil getragen wurden, dann aber von den gotischen Kaseln abgelöst wurden. Diese Überwürfe hatten den ganzen Körper bedeckt und waren auch die ursprüngliche Form des Messgewands. Vor allem in den südlichen Ländern wurden sie immer mehr zugeschnitten, um weniger unter der Hitze zu leiden und mehr Bewegungsfreiheit zu haben. So entstand ein Messgewand, das in seiner Form einer Bassgeige ähnelte. Die in Schlicht gefundenen Schätze sind meist mit barocken Stickereien verziert, zum Teil auch mit Bildern im Nazarenerstil. Ältestes und wohl auch wertvollstes Stück ist nach Ansicht des Schlichter Pfarrers Johannes Kiefmann und von Studiendirektor i. R. Lothar Kittelberger ein in der nur zweimal im Jahr verwendeten liturgischen Farbe Rosa gehaltenes und handgesticktes Exemplar mit "Kuhglocken-Stola". Dieses Messgewand ordnen die beiden der Epoche des Barock zu, während die übrigen eher dem Neubarock anzugehören scheinen.

Die beiden Geistlichen zeigten sich sehr erfreut über den Fund und wollen die tadellos erhaltenen Gewänder auch im Gottesdienst tragen - im Wechsel mit den heute üblichen gotischen Kaseln.
Weitere Beiträge zu den Themen: Schlicht (892)Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.