Ein Begriff mit doppelter Bedeutung
Die Glubberler

Die beiden Dialektkenner Dr. Ludwig Schießl und Alois Gillitzer sind sich einig. "So wird's geschrieben: Glubberler" - nicht Klupperler oder Glupperla, denn der Oberpfälzer spricht das "P" weich aus. Irgendwie erinnert die Schreibweise an Clubberer, aber mit dem FC Nürnberg hat der Begriff rein gar nichts zu tun. Glubberler, das sind die Wäscheklammern und die Finger.

Die ursprüngliche Form der Wäscheklammer war ein gespaltenes oder mit einem keilförmigen Schlitz versehenes Stück Holz, das auf die mit einem Überschlag über die Leine gelegte Wäsche gesteckt wurde. Die Wäsche wurde so zum Trocknen fixiert. Das heute gängige Modell besteht aus zwei gleich langen Schenkeln, die in der Mitte eine Feder aus Metall zusammenhält. Diese Feder dient als Gelenk. Kunststoff hat Holz als Material verdrängt. Obwohl der Begriff Glubberl laut Kleinem Bayerischen Sprachatlas eindeutig auf das ältere Modell zurückgeht, wurde er problemlos auf die neuen Formen übertragen.

Die Herkunft des Wortes Glubberl hängt mit klieben zusammen, eine frühere Bezeichnung von spalten. Die althochdeutsche Vorstufe dazu ist das Substantiv "kluba" (Zange). Die Motivation für die Benennung ist offensichtlich. Es wird etwas eingeklemmt - die Wäsche. Kluppen und Kloben waren einst Ergebnisse des Spaltens.

Irgendwann wurde als Glubberler auch die Finger bezeichnet - vielleicht wegen Ähnlichkeiten mit den Urformen der Wäscheklammer, oder auch weil man mit den Fingern ebenfalls etwas festhalten und zwischen den Fingern auch Gegenstände einklemmen kann. "Friert's de in deine Glubbeler", fällt Gillitzer als üblicher Ausdruck ein. "Dou deine Glubberler weg", ist auch recht gängig. Der Duden führt das Wort als scherzhafte Bezeichnung für Finger auf,

Glubberler oder auch Klupperln oder Kluppen geschrieben sind in Bayern weit verbreitet. Das Nord-, das Mittel- und Südbairische kennen den Begriff. Lediglich im Fränkischen, in Teilen Schwabens und im Dreiländereck bei Passau sind andere Dialektausdrücke gebräuchlich. Die Renaissance der Holzglubberln begann vor einigen Jahren, nicht an der Wäscheleine sondern als Accessoire. Als Anstecker werden sie mit Namen beschriftet, aber auch mit Kosenamen wie Spatzl oder Schnucki, und damit sie schön aussehen noch mit Herzchen oder Schleiferln verziert. Sie gelten als Alternative zum Lebkuchenherz. (ihl)
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