Ein Brunnen auf schiefer Bahn

An der Baustelle bei Erzhäuser erläutert Frank Hermann (links), Geschäftsführer der Firma Ochs, den Verbandsräten der Nord-Ost-Gruppe das Projekt. Im Hintergrund ist die 800 000 Euro teuere Bohranlage zu sehen. Bild: Mardanow

Diese Baustelle hat es in sich: "Eine Sanierung ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie was man kriegt", bringt es Geologin Evl Anders auf den Punkt. Der fast 60 Jahre alte Brunnen 1 der Nord-Ost-Gruppe macht in 50 Metern Tiefe die Biege.

"Ich würde ihnen gerne eine weniger spannende Geschichte erzählen", räumte Anders, Mitarbeiterin im Sachverständigenbüro Dr. Prösl, vor den Mitgliedern des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Nord-Ost-Gruppe ein. Verbandsräte und Behördenvertreter informierten sich am Donnerstag über den Verlauf der Arbeiten bei der Sanierung des ältesten Brunnens - erbaut 1959/1960 - bei Erzhäuser.

Die Sachverständige erläuterte zunächst die ursprüngliche Planung bei der Erneuerung des 91 Meter tiefen Brunnens. Dieser ist seit Oktober 2014 wegen des Zulaufs von Fremdwasser an zwei Stellen aus dem Betrieb genommen. Doch die eigentlichen Pläne wurden über den Haufen geworden: Mit dem eingangs erwähnten, abgewandelten Filmzitat aus "Forrest Gump" schilderte Evl Anders "die harte Wahrheit": Bei einer Richtungs-Neigungs-Messung mit Sonden offenbarte sich - "der Brunnen ist schief".

Schlenker nach Osten

"Wie eine Banane", beschreibt die Geologin den Verbandsräten, sei der Schacht gebogen. Bei einer Tiefe von 50 Metern mache der Brunnen zunächst einen Schlenker in Richtung Osten, "danach rauscht er 2 Meter nach Westen ab". Der schiefen Bauweise sei es auch geschuldet, dass sich das alte Ausbaurohr nicht mit einem Reißhaken perforieren ließ. In einer Tiefe von etwa 27 Metern verklemmte sich der Haken, das Rohr riss ab. Mittlerweile sei das Bohrloch zur Stabilisierung aufgefüllt, aktuell laufe die Überbohrung des sogenannten Sperrlochs.

Frank Herrmann, Geschäftsführer der bauausführenden Ochs Bohrgesellschaft mbH aus Nürnberg, erläuterte den Bauverlauf. Das Unternehmen sei im Schnitt täglich mit 2 bis 3 Mann vor Ort. Auf der Baustelle setze die Firma Ausrüstung im Wert von rund 1,2 Millionen Euro ein, davon entfielen schon 800 000 Euro auf die Bohranlage. "Bereits eine Bohrstange kostet etwa 6000 Euro", erklärte Herrmann. Genau und exakt müsse gearbeitet werden - "wir haben lediglich einen Spielraum zwischen 5 und 10 Zentimetern".

Zur Zeit laufe der Rückbau der alten Brunnenrohre. Diese sind noch aus Holz gefertigt und werden durch Edelstahlrohre ersetzt. Frank Herrmann zeigte den Verbandsräten ein altes Holzrohr, trotz des Alters seien diese "eigentlich noch in einem recht guten Zustand". Sind die alten Rohre entfernt, wird das Bohrloch erweitert, gesäubert und im Anschluss das Edelstahl eingebaut.

"Ein etwas geraderes Loch werden wir schon hinkriegen", hatte der Firmensprecher den Verbandsräten mit einem Augenzwinkern signalisiert. Außerdem ist vorgesehen, dass der Brunnen eine neue Abdeckung erhält, die bis in eine Tiefe von 18 Metern reichen soll, damit in Zukunft kein Oberflächenwasser mehr eindringen kann. Mit dem Abschluss der Arbeiten rechnet Frank Herrmann im Februar/März 2016.

Ausfall ohne Folgen

Klaus Zeiser, Vorsitzender des Zweckverbandes, hatte zuvor daran erinnert, dass die Brunnen-Sanierung für heuer im Jahresbauprogramm der Nord-Ost-Gruppe vorgesehen ist. Bis Ende Mai des nächsten Jahres soll das Projekt komplett über die Bühne sein. Für die Wasserversorgung sei der Ausfall von Brunnen 1 ohne größere Folgen geblieben, auch weil in den vergangenen Jahren bereits kräftig in die Anlagen investiert worden sei. Aktuell geht der Zweckverband davon aus, dass die Sanierung trotz der lokalisierten Schieflage des Brunnens nicht teuerer wird als geplant.
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