Ein Dauerbrenner
Mitropa-Cup

Erstmals tauchte der Terminus "Mitropapokal" im Jahr 1953 auf, als in Wien ein Turnier für Städtemannschaften stattfand. Wird heute vom Mitropa-Cup gesprochen, ist ein Länder-Vergleichskampf für Vierermannschaften gemeint. Seine Premiere ging 1976 auf Initiative des Österreichischen Schachverbands über die Bühne, als dieser zu einem Turnier nach Innsbruck einlud. Der echte Mitropa-Cup kann somit auf eine 40-jährige Tradition zurückblicken.

Bestand das "klassische" Starterfeld zunächst aus den Mannschaften von Deutschland, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz, starten nach den politischen Umwälzungen zu Beginn der 1990er Jahre regelmäßig die Mannschaften aus Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Österreich, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Tschechien sowie Ungarn.

Schon seit Anbeginn war man sich einig, nicht die A-Nationalmannschaften an den Start zu schicken. Vielmehr sollten junge Nachwuchskräfte internationale Erfahrung sammeln. An dieser Intention hat sich bis heute nichts geändert.

Für Deutschland ging in Mayrhofen (Österreich) mit den GM's Matthias Bluebaum und Dennis Wagner (beide 18), und den IM's Andreas Heimann (23) und der deutschen Ranglistenersten Elisabeth Pähtz (30) eine junge Mannschaft an den Start. Und diese schlug sich wacker. Sie belegte hinter Österreich und der Slowakei Platz 3, wobei IM Andreas Heimann an Brett drei mit 7 aus 9 Topscorer des Turniers wurde.

In unserer dort gespielten Partie zeigt er gegen den kroatischen GM Sasa Martinovic keine Angst vor Doppelbauern. Und der Erfolg gibt ihm Recht.

Weiß: Sasa Martinovic

Schwarz: Andreas Heimann

1.d4 Sf6 2.Lg5 d5 3.e3 c5 4.Lxf6 gxf6 5.dxc5 Sc6 6.Sd2 e5 7.Sb3 Lxc5 8.Sxc5 Da5+ 9.c3 Dxc5 10.Sf3 Tg8 11.g3 Lg4 12.Le2 0-0-0 13.0-0 Kb8 14.a4 f5 15.a5 d4 16.cxd4 exd4 17.Db3 d3 18.Tfc1 Dd5 19.Dxd5 Txd5 20.Ld1 Txa5 21.Sd2 Txa1 22.Txa1 Lxd1 23.Txd1 Kc7 24.Tc1 Kb6 25.Kf1 Td8 26.Ke1 Td5 27.Tc3 Kb5 28.Sf3 Kb4 29.Kd2 a5 30.h4 a4 31.h5 h6 32.Sd4 Sxd4 33.exd4 Txd4 34.Tc7 b5 35.Txf7 Kb3 36.Txf5 b4 37.Ta5 a3 38.bxa3 bxa3 39.f4 a2 40.f5 Ta4 0-1

Tagesnotizen: Auch die Taktikaufgabe Nr. 103a wurde beim Mitropa-Cup, und zwar zwischen Heimann und FM Luca Moroni Jr. (Italien), gespielt. Weiß hatte zuletzt nicht seinen mit 0...Lh3 angegriffenen Turm f1 in Sicherheit gebracht, sondern mit 1.Tbc1 den schwarzen Turm c2 befragt. Nach Turmtausch hätte sich das Problem des angegriffenen Turms erledigt. Doch Schwarz hat eine bessere Fortsetzung. Sehen Sie, wie er in entscheidenden Vorteil kommen konnte?

Mit einem Matt in acht Zügen als Aufgabe Nr. 103b stellen wir erstmals den renommierten Ulmer Problemkomponisten Wilfried Neef vor, der sich durch Vielseitigkeit auszeichnet: Neben seiner Klasse als Partiespieler trägt er den Titel eines Fidemeisters im Lösen von Schachproblemen. Und zur Aufgabe: Keine Angst vor Mehrzügern, die oft recht leicht zu lösen sind. Es wird eine Antwort darauf zu geben sein, wie Weiß dem schwarzen König die Felder c3, d4 und e4 streitig machen soll.

Lösungen: Mit Aufgabe Nr. 102a (Mitrofanow, Weiß zieht und gewinnt. W: Ka5, Te4, Ba6, b5, d5, g6, h5 [7], S: Ka7, Ld6, Se5, Sg2, Bh2 [5]) hatten wir die "Mutter aller Studien" zum Lösen angeboten, bei der Weiß auf unglaubliche Art und Weise gewinnt: 1.b6+! Ka8 (nicht 1...Kb8? 2.g7 und der Bauer geht mit Mattdrohung zur Dame) 2.Te1! Sxe1. Der Turm opfert sich und zwingt den Springer, die erste Reihe zu verstellen. 3.g7 h1D 4.g8D+ Lb8 5.a7. Nun droht Weiß 6.Dxb8#. Die Drohung pariert Schwarz am besten mit 5...Sc6+ (Nicht 5...Sd7? und Schwarz kann nach 6.Dc8 das Matt 7.Dc6# oder nach 6...Sxb6 7.Dxb8# nicht verhindern), um nach 6.dxc6 (öffnet die fünfte Reihe) 6...Dxh5+ den weißen König mit Damen-(Dauer)schachs zu belästigen. Wer nun das sensationelle 7.Dg5!! nicht in Erwägung zieht, kann die Studie nicht lösen.

Nach 7...Dxg5 8.Ka6!steht Weiß plötzlich auf Gewinn, obwohl er für Dame, Läufer und Springer nur drei Bauern besitzt. Aber was für welche! Weiß droht 9.b7#. Dieses Ende kann Schwarz nur abwenden, indem er den weißen König vertreibt: 8...Da5+!. Es scheint, dass Schwarz nach 9.Kxa5Lxa7 den Verlust abwendet, doch 10.c7!! besiegelt sein Schicksal. Ohne den Springer gäbe es noch die Pattrettung 10...Lxb6+ 11.Kxb6 patt, doch der Springer existiert. Nach 10...Kb7 11.bxa7 geht einer der beiden Bauern zur Dame.

Ein überzeugender Sieg des Geistes über die Materie. Unnötig zu erwähnen, dass diese Studie völlig zu Recht mit dem ersten Preis bedacht wurde!

Mit dem Zweizüger in Aufgabe Nr. 102b (W: Kg5, Db4, Te1, Tf7, Sc7, Sf5 [6], S: Ke5, Dc5, Ld4, Lg8, Bc6, d3, e3 [6]) hatten wir erstmals den 78 Jahre alten Problemschachkomponisten Wolfgang Betzen aus Argenbühl bei Wangen im Allgäu vorgestellt. Die Stellungsanalyse zeigt eine maskierte schwarze König/Dame-Batterie auf der fünften Reihe. Ferner stellen wir fest, dass der schwarze König das Fluchtfeld e4 besitzt. Der Schlagschlüssel 1.Sxe6! ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Er wandelt die maskierte Batterie auf der fünften Reihe in eine König/Dame-Batterie um, gibt dem schwarzen König ein weiteres Fluchtfeld und löst mehrfache Schachprovokation aus. Zudem baut Weiß eine Springer/Turm-Batterie auf und droht 2.Sc4# durch Doppelschach, auch nach 1...Dxb4. Folgende schwarze Antworten wehren diese Mattdrohung ab:

a) 1...Lxe3+ 2.Df4# mit Kreuzschach- und Fesselmatt.

b) 1...Ke4+ (der schwarze König fesselt selbst den Läufer d4) 2.Sed5#, ebenfalls mit Kreuzschach- und Fesselmatt.

c) 1...Kd6+ (Selbstfesselung der schwarzen Dame) 2.Sf5#, nochmals mit Kreuzschach- und Fesselmatt, wobei die Mattfigur als "Siers-Rössel" fungiert.

d) Ferner: 1...De7+ 2.De7#.

Ein herrlicher Zweizüger um die Themen Schachprovokation, Selbstfesselung, Batterie, Kreuzschach und Fesselmatt!
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