Ein Frühling reicht für 1000 Eier

Tausende von Ostereiern hat Agathe Schriml schon kreiert, vor allem für gute Zwecke. Sie schmücken Haus und Garten. Bilder: swt (2)

Osterzeit ist Eierzeit. Auch im Hause von Agathe Schriml. Große Sträuße mit bunten Eiern, Körbe, ja sogar Gläser und Schalen sind gefüllt mit den kunstvollen Objekten. In den Wochen vor Ostern wäre das für die 56-jährige Realschullehrerin gar nicht zu schaffen.

Der Christbaum steht noch im Wohnzimmer, da beginnt Agathe Schriml bereits, Dutzende Eier für Ostern vorzubereiten. Das ganze Jahr über bläst sie weiße Hühnereier ohne Aufdruck aus. Jeder Kuchen und jede Mahlzeit mit Eiern liefert Rohstoff für ihre Objekte.

Mittlerweile hat sich ihre Kunst herumgesprochen. Freunde und Bekannte bringen immer wieder ausgeblasene Eier vorbei. Anfang Januar holt die dreifache Mutter dann ihre Marmorierfarben, bunte Servietten, Batikfarben, Stifte, Klarlack und unzählige Schüsseln und Gläser hervor.

Das Geheimnis der Spiralen

In den Schüsseln mischt sie in Wasser verschiedene Marmorierfarben. Die ausgeblasenen Eier werden auf Holzstäbchen gesteckt, mit Knetgummi fixiert und mit einer drehenden Bewegung durch das bunte Wasser gezogen. So entstehen die bunten Spiralen rund um die weiße Schale. Zum Trocknen stellt Agathe Schriml die Eier in Marmeladengläser. 24 Stunden lässt sie ihnen Zeit dazu.

Weit aufwendiger ist das Verzieren der zarten Schalen mit Serviettentechnik. In kleinen Margarinebechern liegen fein säuberlich zurecht geschnittene Serviettenmuster bereit. Bei jedem Einkaufsbummel sieht sich die Lehrerin nach schönen und auffälligen Mustern um. Das müssen nicht zwangsläufig Ostermotive sein. Blumen, Gräser, grafische Muster und vor allem Objekte aus der Musik dürfen die Servietten haben. Die passionierte Chorleiterin und Musiklehrerin beklebt die Eier auch mit Notenschlüsseln, Notenlinien oder kleinen Instrumenten.

Zunächst trennt Agathe Schriml das oberste Blatt einer Serviette, auf dem sich meist das Muster befindet, ab. Dann schneidet sie die Objekte passend aus. Anschließend ordnet sie ein erstes Muster auf das Ei, bestreicht dieses mit einer speziellen Klebepaste für Serviettentechnik und legt es zum Trocknen in die Eierkartons. Während die ersten Muster trocknen, nimmt sich Agathe Schriml weitere Eier vor und beklebt sie mit einer anderen Serviette. Und so weiter, bis mehrere Paletten voll sind. Nach dem Trocknen werden die Eier mit Klarlack bestrichen. Und schließlich bekommt noch jedes Ei eine Schlaufe zum Aufhängen.

Dazu schneidet Agathe Schriml etwa 35 Zentimeter lange Seidenbänder unterschiedlicher Farben zurecht. Sie werden auf die Hälfte zusammen gelegt und mit einer Häkelnadel durch die Löcher im Ei gezogen. Knoten am unteren Ende, oben sieht die Schlaufe raus - fertig!

Osterstrauß gab Anstoß

Rund 1000 Eier schmückt Agathe Schriml jeden Frühling, und das bereits seit 20 Jahren. Begonnen hat alles mit dem Besuch einer Veranstaltung in der Hauptschule in Auerbach. "Dort sah ich einen bunten Osterstrauß stehen, mit vielen selbst verzierten Eiern. Das gab den Ausschlag, ich wollte es selbst versuchen." Mit Erfolg, wie man sieht.

Immer braucht jemand Hilfe

Der Leser wird sich nun fragen: Was macht sie mit all den Eiern? Agathe Schriml fertigt die Osterboten für einen guten Zweck. Der alljährliche Ostermarkt der Frauenunion wird beliefert, die Verkaufsstände der Grundschule am Palmsonntag, und in der Raiffeisenbank werden die Eier zugunsten der Arche verkauft. "Es findet sich immer jemand, dem man helfen kann", sagt sie. Natürlich verschenkt Agathe Schriml auch immer wieder mal ein Körbchen Eier. In ihrem Haus hat sie etwa 300 Stück verteilt. Sie hängen an Haselnusszweigen, schmücken Schalen, hohe Einmachgläser oder Weidenkörbchen.

Ans Aufhören denkt Agathe Schriml noch nicht. Fürs nächste Jahr hat sie bereits eine neue Spielart entdeckt. Dann wird sie "Fimoeier" machen. Na denn, frohe Ostern!
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