Ein ganz starker Typ

Alexander Narr in seinem Element: Der Gewichtheber aus Weiden stemmt nun für den TB Roding seine Lasten. So schnell wie möglich will der 21-Jährige wieder in den Bundeskader C zurück. Bild: Maier

Athletenclub Weiden bereichert seit Jahrzehnten die Sportszene der Stadt. Die Gewichtheber reißen einiges, holen jede Menge Medaillen und Pokale. Besonders stolz sind sie auf Alexander Narr. Seit gut einem Jahr hebt er in der Bundesliga.

Weiden. (mr) Ihm ist so schnell nichts zu schwer. Das war schon als kleiner Bub so. Alexander Narr aus Weiden strahlt übers ganze Gesicht, wenn er davon erzählt. "Ich hab' den Pokal heute noch", sagt er. Bezirksmehrkampfmeister wurde er. "Mit 8 Kilogramm im Reißen und 8 Kilogramm im Stoßen." Eine starke Leistung für einen Sechsjährigen.

Studium in München

Seine Anfänge als Gewichtheber im Jahr 1999 hat er noch bestens in Erinnerung. Seine Entwicklung natürlich auch. Und in all den Jahren musste er natürlich allzu oft die Fragen aller Fragen bei dieser Sportart beantworten: Wie kommt man eigentlich zum Gewichtheben? "Natürlich kriegt man ab und an einen blöden Spruch", aber das störte und stört den 21-Jährigen überhaupt nicht. Schon immer gehörte Narr zu den talentiertesten Hebern in Deutschland, auch bei den Senioren ist er ganz gut dabei. Wenngleich sich die Prioritäten etwas verschoben haben: Genauso viel Gewicht wie aufs Heben legt er auch auf sein Maschinenbaustudium an der TU München.

Fußball und Volleyball

Dennoch trainiert Narr, der in der Gewichtsklasse bis 94 Kilogramm an den Start geht, weiter sechs Mal wöchentlich. Entweder am Leistungszentrum am Münchner Olympiastadion oder in Weiden. Wie an diesem Abend im Kraftraum des AC im Keller der Max-Reger-Schule in Weiden. Es wird überall geschuftet. Kleine Kerle schinden ihre noch schmächtigen Körper, total durchtrainierte Athleten stemmen und stemmen Gewichte. Immer wieder krachen Hanteln zu Boden. Hier ist Alexander Narr sportlich groß geworden. Hier gibt er auch zu, dass die Entscheidung pro Gewichtheben für einige schwer nachvollziehbar sei. "Irgendwann musste ich mich aber für eine Sportart entscheiden." Er spielte früher Fußball bei der SpVgg oder auch Volleyball.

Vorbelastet war er durch seine Familie. Seine Mutter Hannelore ist eine geborene Schemmel. Und die Schemmels sind in Weiden eine kleine Heber-Dynastie. Die Brüder Lothar, Thomas und Jürgen prägen mit Leuten wie Peter Reichel oder Silvio Tröger den Athletenclub. Jürgen schaut an diesem Abend vorbei und hat ein dickes Lob für seinen Neffen dabei. "Er ist einer, der sich richtig plagen kann." Muckis sind aber nicht alles. Nicht nur der Körper, auch der Geist muss stark sein: "Vieles spielt sich im Kopf ab", sagt Narr. Bei Wettkämpfen muss man auch taktieren, auf Leistungen der Gegner reagieren können. "Er hat diese mentale Stärke", betont Jürgen Schemmel.

Auch diese Stärke hat ihn in die Bundesliga gebracht. Seit Oktober 2013 geht Narr für den TB 03 Roding in der Eliteliga an den Start. Das Städtchen zwischen Schwandorf und Cham gilt als Gewichtheber-Hochburg in Bayern. Narr: "So wie bei uns die Leute in Weiden zum Eishockey, Fußball oder Wasserball gehen, so gehen sie in Roding zum Gewichtheben." 400 bis 600 Fans sind bei Heimwettkämpfen da. Kenner der Szene. "Die sitzen dann mit ihrem Weißbier, aber auch jeder Menge Fachwissen auf den Tribünen", schmunzelt er. Über die Bundesliga will der Athlet auch wieder zurück in den Bundeskader C. Seit Anfang des Jahres wird er dort nicht mehr geführt: "Meine Leistungssteigerungen waren zuletzt nicht mehr so groß."

Für den Leistungssport nimmt er auch deswegen viel in Kauf - inclusive Unannehmlichkeiten. Allein im vergangenen Jahr wurde er sieben Mal von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) kontrolliert. Ständig muss er angeben, wo er zu erreichen ist, falls Kontrolleure anrücken wollen. Genau achtet der Weidener darauf, was er bei einer Krankheit einnimmt. Ein falscher Hustensaft, eine Aspirin können die Karriere kosten. Natürlich schaut er auch auf die Ernährung. Einen Ernährungsplan hat er aber nicht mehr: "Es bringt psychisch mehr, nach einem guten Training auch gut zu essen."

Jagd auf Uralt-Rekord

Auch mit guter Ernährung will Narr seine persönlichen Bestmarken weiter steigern: Die liegen beim 1,82 Meter großen Athleten im Reißen bei 145 Kilogramm, im Stoßen bei 178 Kilogramm. Sein Ziel: "150 Kilo im Reißen und dann es wäre es schön, im Stoßen den Rodinger Uralt-Rekord von 187 Kilo zu knacken." Der Junge hat noch viel vor. Alexander Narr ist so schnell nichts zu schwer.
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