Ein Gemälde aus Sprachfarben

Bei den Lintacher Sängern paaren sich Oberpfälzer Sprachmelodie mit sonoren Männerstimmen. Das Ensemble, seit 25 Jahren besteht, ist fester Bestandteil der Volksmusik-Szene im Landkreis. Bild: Steinbacher

"Nix gsagt is globt gnouch" - dieses alte Oberpfälzer Sprichwort beherzigten die Gäste des Mundarttages in Freudenberg ausnahmsweise einmal nicht. Sie zelebrierten den Dialekt und sparten dabei nicht mit Lob.

Anerkennung gab es vor allem für die Mundart-Ecke in unserer Zeitung (Link zur Mundart-Ecke im Obeprfalznetz). Mehr als 30 Folgen sind seit Anfang Februar im Lokalteil erschienen. "Dass die Beiträge jetzt vertont wurden und die Hörstücke im Internet zu finden sind, freut mich besonders", sagte Kreisheimatpflegerin Martha Pruy. "Mundart wandelt sich, geht immer mit der Zeit. Da passt das hervorragend dazu." Andreas Hahn hatte dem Publikum die Audio-Version der Mundart-Ecke von den Lausnigln und Hexerbahnern präsentiert. In dem Stück geht es um niedliche und nicht ganz so nette Schimpfwörter.

Der Dotzlersaal in Freudenberg war gut gefüllt, als Pruy am Samstagabend den 21. Mundarttag des Landkreises Amberg-Sulzbach eröffnete. Der Oberpfälzer Dialekt in all seinen Ausprägungen stand im Mittelpunkt des Abends. Mit der Hirschauer Sprachfärbung bereicherte der ehemalige Rektor Karl-Heinz Knorr den Abend. Er erzählte die Geschichte von einem Buben, der sich auf einer Kirchweih ein Lebkuchenherz gekauft und umgehängt hatte.

Am Samstag fand im Dotzlersaal in Freudenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach) der 21. Mundarttag auf Einladung von Kreisheimatpflegerin Martha Pruy und dem Heimat- und Kulturverein Freudenberg statt. (Bilder: Uli Piehler und Wolfgang Steinbacher)

Als der Kleine zum Biseln musste, weichte er versehentlich den Lebkuchen auf. "Macht nix", tröstete ihn der Vater. "Das Herz geben wir der Tante Gretl, die taucht sowieso alles in den Kaffee ein." Für Heiterkeit sorgte auch das Gedicht von der Zugfahrt. Ein junger Mann fragt am Bahnhof nach einer Fahrkarte für Neumarkt. Als der Schaffner fragt, welches Neumarkt er meine, antwortet der Fahrgast sinngemäß: "Ist doch egal. Ich werde sowieso von meinem Bruder abgeholt."

Knorr, der am Sonntag seinen 70. Geburtstag feierte, hat mehrere Mundart-Bücher geschrieben. Sein aktuelles Werk "A neis Lesebäichl" erscheint in wenigen Tagen. Aus einer anderen Ecke des Landkreises war Kastler Autorin Grete Pickl angereist. "Den Oberpfälzern wird ja oft nachgesagt, dass sie nicht viele Worte brauchen, um etwas treffend auszudrücken", sagte Martha Pruy. "Für dieses Charakteristikum steht Grete Pickl." Aus nur sechs Zeilen besteht ihr Gedicht mit dem Titel Urlaub. Wer es hört, der versteht sofort, warum es manchmal einfach besser ist, in den Ferien nicht wegzufahren.

Mit der Muttermilch

Grete Pickl malt mit Dialektwörtern Bilder. Gemälde, die ein Hochdeutsch-Sprecher durchaus schön finden kann, die aber nur wirklich versteht, wer die Oberpfalz mit der Muttermilch aufgesaugt hat. Einige ihrer Werke kreisen natürlich um das Fest der Fest - die Kirchweih. "Wir können ja manchmal gar nicht genug von ihr haben", sagte sie und verwies darauf, dass Kastl im Jahresverlauf vier Kirchweihen feiert. Die Vielfalt schlägt sich auch in den Bezeichnungen wieder. So gibt es die Rosswampenkirwa (Woppenrieth), die Spotzn- (Rieden), Watschn- (Atzmannsricht), Woiz- (Sulzbach), Roum- (Kastl) und Karpfenkirwa (Kornthan). Pickl hat ebenfalls bereits mehrere Bücher veröffentlicht. In ihrem aktuellen mit dem Titel "Schmeckt's?" dreht sich alles um das Thema Essen und Trinken.

Die Musik zu dem vergnüglichen Abend steuerten die Hirschauer Hausmusik, die Lintacher Sänger und das aus Rieden und Hohenburg stammende Duo Claudia und Sabine bei. Aus Weiden waren die Seebauern Moila gekommen und schließlich durfte Lokalmatador Bifi (Gerhard Köbler) nicht fehlen. Er war eines von 18 Gründungsmitgliedern des seit zehn Jahren bestehenden Heimat- und Kulturvereins Freudenberg, die an dem Abend geehrt wurden.
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