Ein großes Packerl für den Papst

So sieht das Päckchen aus, das am Donnerstagmorgen ab 7 Uhr auf dem Petersplatz in Rom erwartet wird. Der Tieflader mitsamt Baum ist 30 Meter lang. Am Freitag wurden in der Halle der Familie Wiesgickl in Massenricht die letzten Vorbereitungen für die Fahrt getroffen. Bild: Steinbacher

Es riecht nach Kuhstall. Aber von den braun-weiß gefleckten Nachbarn schert sich niemand um den prominenten Baum, der in einer Halle der Familie Wiesgickl in Massenricht liegt und um den so viel Aufhebens gemacht wird. Seit zwei Tagen verpacken und verschnüren viele fleißige Helfer die Zweige der 25-Meter-Fichte - weil bald Weihnachten ist.

Gut möglich, dass in Rom erst einmal ein gutes Gschmackl Amberg-Sulzbacher Luft über den Petersplatz weht, wenn der Christbaum für den Papst ausgepackt wird. Allerdings liegt dazwischen ordentlich Asphalt.

Lichter und Banner

Am Dienstag wurde der stattliche grüne Bursche von Baumwart Bernhard Wiesgickl gefällt. Am Mittwoch und Donnerstag verpackt, gestern rückten Mitarbeiter der Firma Markgraf, die für den Transport zuständig ist, an, um die letzten Lichter, Warnschilder und Banner mit der Aufschrift "Post für Papa" anzubringen. Morgen gibt es die feierliche Verabschiedung, bevor sich in der Nacht zum Montag der Tross inklusive Polizei-Begleitung in Bewegung setzen wird. Markgraf-Verkehrsleiter Martin Suttner schätzt, dass das 30-Meter-Gefährt mitsamt Begleitfahrzeug rund 25 Stunden reine Fahrzeit auf dem Buckel haben wird, wenn es am Donnerstagmorgen über den Petersplatz rollt.

Über 16 Leute, zum Großteil aus Massenricht, aber auch aus Schnaittenbach und Freudenberg, halfen die vergangenen zwei Tage mit, fünf Meter Durchmesser auf 3,20 Meter zu schnüren. So viel Breite wurde für die Fahrt über Dorfstraßen und Autobahnen nach Rom unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt. Überhaupt diese Vorschriften: "Dass wir den Baum für den Papst bringen, hat uns nicht automatisch die Türen geöffnet", sagt Suttner. Seit Juni weiß der 33-Jährige von seinem Sonder-Einsatz, genauso lange kümmert er sich um entsprechende Papiere, die für den Sondertransport benötigt werden: Deutschland, Österreich und Italien wünschen die unterschiedlichsten Anforderungen. "Umso breiter und höher wir werden, umso mehr Auflagen haben wir", bringt es Suttner auf einen Nenner. Sollte beispielsweise auf dem Brenner Nebel die Sicht vermiesen, müsse der Tross sofort den Pass verlassen.

Sieben Meter Überhang

Die Firma Markgraf begleitet den Tieflader, der von Lkw-Fahrer Thomas Langsteiner gesteuert wird, mit einem Werkstattfahrzeug. Darin werden Martin Suttner und Werkstatt-Mitarbeiter Michael Bothner sitzen. Sie transportieren Ersatzteile, um auf der Strecke bei Pannen sofort reagieren zu können. Es folgen ein Wohnmobil mit Elisabeth und Bernhard Wiesgickl sowie ein Stadtmobil aus Hirschau mit vier Personen.

Auf dem Tieflader wurden Schalen angebracht, die den Baum an Ort und Stelle halten sollen. Besonderes Detail bei diesem Transport ist der lange Überhang von sieben Metern. "Dafür haben wir eine Teleskopstange zum Herausziehen konstruiert." Sobald keine Engstellen und Kreisverkehre mehr zu passieren seien, könne so die Spitze des Christbaumes stabilisiert werden. Baumwart Wiesgickl hat sogar zusätzliche Äste mit eingepackt. Ob bei der Fahrt etwas schief gehen kann? Suttner lacht laut. "Und ob." Aber Bernhard Wiesgickl gibt gleich kontra: "Immer positiv denken. Das Umlegen lief schon optimal. Jetzt wird das Runterfahren auch optimal laufen." Ein paar Stunden Luft seien im Zeitfenster definitiv eingeplant. Die gute Luft.

Das Schmücken vor Ort übernimmt dann die Vatikanische Gärtnerei. Gleich am Donnerstag werden die Baum-Begleiter wieder die Heimfahrt antreten. Allerdings ist der Abschied von ihrem grünen Freund nur von kurzer Dauer. Am Mittwoch, 16. Dezember, möchten sie und viele andere aus der Region zur feierlichen Illumination wieder vor Ort sein. "Der ist mir schon ans Herz gewachsen", sagt Bernhard Wiesgickl, der eigentlich Industrieschlosser ist und extra für das Herrichten des Papstbaumes Urlaub genommen hat. Ein kleines Andenken von seinem prominenten Baum hat er sich auch abgezupft und dem Zweig einen Ehrenplatz zu Hause gegeben. Schließlich verbindet sie ein kleines Detail: "Er ist genauso alt wie ich: 52 Jahre."
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