Ein Haus im sicheren Hafen

Wird derzeit saniert: Das geschichtsträchtige Haus am Marktplatz 23.

Was haben der Innenausbau einer Jacht und die Sanierung eines Jahrhunderte alten Hauses gemeinsam? Schreinermeister Christian Eichinger. Beruflich erfüllt er als Projektleiter in der Möbelmanufaktur Arnold erlesene Kundenwünsche, privat saniert er mit der Familie ein Kleinod.

Pfreimd. (cv) Doch bis die Entscheidung fiel, das Haus am Marktplatz 23 zu sanieren, mussten viele Klippen umschifft werden. Die ganze Familie zieht bei dem Projekt an einem Strang: Christian und Silvia Eichinger, Sohn Michael, Tochter Maria und selbst Nesthäkchen Katharina sind auf der Baustelle. Maria und Michael werden die beiden Wohnungen im "Kramerhaus" beziehen. Christian Eichinger ist ein Mann, der gründlich überlegt, statt sich in Abenteuer zu stürzen. Er schätzt "kalkulierbare Projekte".

Drei Anläufe

Es dauerte, bis das Konzept für die Sanierung stand. Die Anfänge des Hauses am Marktplatz liegen im 15/16. Jahrhundert. Der erste nachweisliche Besitzer war 1660 der Tuchknapp Ludwig Lex. Christian Eichinger ist in den alten Mauern geboren. Die Stiefoma war "eine herzensgute Frau", doch für den Umgang mit Geld war sie nicht geboren. Sie vermachte das Haus dem Enkel - samt Schulden. Der erste Sanierungsversuch wurde vor 20 Jahren, 1995, gestartet und scheiterte. "Ich war einfach zu unerfahren", sagt Eichinger rückblickend. Und wo sollte die Familie während des Umzugs wohnen? Die Eichingers entschieden sich 1997 für einen Neubau und versuchten im Jahr 2000 das alte Haus zu verkaufen. Vergeblich. Ein Jahr später wagte man einen zweiten Anlauf. Nutzungskonzept, verformungsgerechtes Aufmaß, Befunduntersuchung mit dendrochronologischer Altersbestimmung des Dachstuhls - aus dem Jahr 1800 -, Archivalienforschung und Kostenschätzung. Schätzung - genau das war der Pferdefuß. Ämter, Behörden, Berater: Es gab viele Kontakte, aber keinen Ansprechpartner, um "zu wirklich belastbaren Zahlen zu kommen", so Eichinger.

Nägel mit Köpfen wurden 2010 gemacht, als Helmut Friedl, der bei der Stadt das Geschichtsarchiv betreut, eine runden Tisch organisierte: Mit dem damaligen Bürgermeister Arnold Kimmerl, Verwaltungsleiter Bernhard Baumer, dem städtebaulichen Berater Günter Naumann, Kreisheimatpfleger Leo Berberich und Raimund Karl, "der Mann" beim Landesamt für Denkmalpflege. Endlich wurde eine konkrete Kostenanalyse erstellt. Basis war die statische Untersuchung des Büros ALS Amberg und die richtige Architektin: Petra Hofmann aus Högen bei Weigendorf. Ein Nutzungskonzept für eine Haussanierung mit zwei Wohnungen entstand, Hofmann zeigte Fördermöglichkeiten auf, half bei der Beantragung und bat "um viel, viel Geduld". Wie wahr. Der Hausherr, der beruflich schon auch mal für den Innenausbau einer Jacht schnell ins Ausland fliegt, um den Termin zu halten, lernte die langsam mahlenden Mühlen einer Sanierung kennen. Sie mahlten zwei Jahre. Entschädigungsfonds, Landesamt für Denkmalpflege, Landkreis, Bezirk und Stadt in Form des kommunalen Förderprogrammes - man versuchte alle in Frage kommenden Stellen ins Boot zu holen. Die Eichingers gingen ans Werk, brachten, wo möglich, Eigenleistung ein: PVC, Fliesen, mehrlagige Boden- und Wandschichten mussten raus. Im Juli dieses Jahres begann dann die aufwendige Dachstuhlsanierung.

Verständnisvolle Nachbarn

Christian Eichinger ist froh, dass er nach Überdenken der eigenen finanziellen Situation, der Förderung des denkmalschützerischen Mehraufwandes und nicht zuletzt angesichts der niedrigen Zinsen mit dem Projekt begonnen hat. "Die Sanierung einer Ruine wollte ich auch meinen Kindern nicht aufbürden". Für ihn ist das Haus "etwas Besonderes". Es hat Atmosphäre, könnte so nicht mehr gebaut werden. "Das ist was anderes als die oft gesichtslosen Neubauten, die Toskanahäuser". Die Sanierung macht der gesamten Familie auch Spaß. "Und ich habe ein Alibi Bulldog zu fahren", lacht der Hausherr.

Er ist froh,das Projekt nach der langen Durststrecke "mit der Unterstützung der Familie, einer kompetenten Architektin, guter Begleitung durch Reinhold Karl vom Landesamt und der Stadt Pfreimd" stemmen zu können. Das Bewusstsein habe sich geändert. Es sei mehr Elan dahinter, die Leerstände in der Altstadt zu beseitigen. Selbst die Nachbarn sagen dankenswerterweise nichts, wenn sie Lärm und Staub schlucken müssen. Sie legen sogar mit Hand an, wenn Hilfe gebraucht wird. Voll des Lobes ist Eichinger über seine guten Handwerker, die - wenn es die Ausschreibung zulässt -, aus dem Ort und der Region kommen. Das wiege die vielen Behördengänge auf. Auch, dass mancher Wunsch sich dem Denkmalschutz beugen musste. Doch dafür haben Christian Eichinger und Ehefrau Silvia auch die Option auf einen möglichen bequemen Alterssitz zentral in der Stadt.
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