Ein heißer Stein fürs kalte Bett

"Lichtmess um a ganze Stund" sagt eine Wetterregel, denn der 2. Februar verspricht schon längere Tage. Im bäuerlichen Brauchtum standen in dieser Zeit besondere Namenstage und Arbeiten an, die zum größten Teil vergessen sind. Damit will sich Josef Schmaußer nicht abfinden.

An so einer Brauchtums-schwangeren Zeit kann der Goglhof nicht vorbeigehen. "Öitz göiht's wieder af Löichtmess zou" hieß denn auch das Motto der Sitzweil mit Heimatpfleger Josef Schmaußer. Er war dabei nicht allein: Hans Dittrich und Josef Ertl musizierten und sangen; Gäste trugen eigene Erinnerungen bei. Und Hausherrin Margarete Jäkel lud zum Federn schleißen ein.

Fördervereins-Vorsitzender Hermann Gnahn war baff: "So vül homma no nie äizwängt", staunte er, als die Besucher aus der Kälte in die warme Stube drängten.

"Ein Esser weniger"

Josef Schmaußer ist Konrektor in Hirschau, Mundartforscher und Autor. "Derft's ruhig mitredn", fordert er seine Zuhörer auf, als er mit dem Gedicht "Vom Büblein auf dem Eis" an alte Winterzeiten erinnert. Und wie sie mitreden! Von ihren kinderreichen, oft bitterarmen Bauernfamilien erzählen die einen, von harten Erlebnissen als blutjunge Knechte bei fremden Bauern die anderen. "Ein Esser weniger am Tisch" erleichterte vielen Familien den Alltag.

Alte Begriffe lebendig

Alte Begriffe wie "Schlenkerltag" für Lichtmess, dem "Ziehtag" für die Dienstleute, werden lebendig. Und auch, dass für den Bauern der Winter vorbei ist, wenn das Geräucherte zu Ende geht. Das haben der Werner Luber, der Sepp Ertl und andere in ihren Erinnerungen gespeichert.

Auch Josef Schmaußer weiß vieles aus eigener Erfahrung. Seine Eltern schafften erst Mitte der 60er Jahre einen Traktor für ihren Hof in Hohenkemnath an. Die Schlafstuben waren im Winter eiskalt, so dass ein heißer Ziegelstein oder schon mal auch einer der kleineren Brüder als Wärmflasche ins Bett geholt wurden. Dass er mit zehn Jahren "Höidabou" im Dorf war, lässt seine heutigen Schüler staunen, schmunzelt er.

Aber der "Lehrer aus Passion" weiß noch viel mehr. Zum Beispiel, dass vor dem Zweiten Weltkrieg für die 40 Brauereien in Amberg in der Januarkälte aus Bächen und Weihern Eis gesägt wurde. Über den damit gekühlten Bierkellern pflanzten die Brauer Kastanienbäume für zusätzlichen Schatten - der Anfang der Biergärten.

Auszeichnung oder Strafe

Dass er als "junger Dutterer" sich geehrt fühlte, wenn "gstandne Bauern" ihn im Wirtshaus an ihren Tisch einluden, berichtet der Heimatpfleger. Sie meinten es als Auszeichnung, wenn sie ihn aus ihren Bierkrügen trinken ließen. Er empfand es allerdings eher als Strafe, wenn sie kurz zuvor dem Schnupftabak kräftig zugesprochen hatten.

Immer das passende Stück

Hans Dittrich mit seiner Ziehharmonika, Sepp Ertl mit Saxofon und Klarinette sowie beide zusammen mit ihren Stimmen umrahmen die einzelnen Beiträge mit passenden Stücken. Zum Beispiel das "Bankerl unterm Baam" oder "In meiner Hoimat". Auch die Gäste singen mit.

Abgerundet wird der harmonische Abend durch das Federn schleißen. Hausherrin Margarete Jäkel hatte von der Familie Pirner aus Fichtenhof Gänsefedern erhalten und getrocknet. Ihre Gäste lassen sich nicht zweimal bitten, zupfen und zerren mit Geduld und Ausdauer, bis ein kleines Säckchen mit flaumigem Inhalt gefüllt ist.

Josef Schmaußer macht da nicht mit, trinkt lieber ein Bier. Ein paar Arbeiten gebe es, verrät er, für die er sich schon in seiner Jugend absichtlich dumm angestellt habe: "Das Feder-Schleißen gehört dazu."
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