Ein Leben vor dem Tod

Leben und nichts auf morgen verschieben, - das ist die Devise von Roland Hefter, der ein Gastspiel im "B 14" hatte. Bild: hfz

Wenn jemand glaubwürdig erzählen will, wie das Leben ist, dann muss er authentisch sein. Echt wie ein ungefiltertes, dunkles Starkbier, bei dem niemand auf die Idee käme, Limo hinein zu schütten oder es mit dem Strohhalm zu genießen.

Wernberg-Köblitz. Echt wie Roland Hefter. Wie er so im Musikcafé "B 14" auf der Bühne steht, möchte man meinen, er sei da schon geboren und aufgewachsen und habe nie was anderes in der Hand gehabt als seine Gitarre, mit deren zeitlos einfacher Unterstützung er aus dem Leben erzählt.

Das Programm "I dad's macha" ist genau genommen ein autobiografischer Zyklus von Liedern. Im Jahr 2015 hat Hefter einen etwas auf die den 70er Jahre reminiszierenden Bläsersound gefunden, der sich durch das Album zieht und die bisweilen anarchischen Texte einbettet. Ein lebendiges Abbild der münchnerisch/bayerischen Lebensart ist dabei herausgekommen. Neu erfinden musste sich Roland Hefter dafür nicht, denn das, was als "Heimatsound" heute als Trend bezeichnet wird, ist bei Roland Hefter schon immer Programm gewesen. Auch bei seinen Floßfahrten auf der Isar, bei Gastauftritten im Bayerischen Fernsehen sowie bei Auftritten auf Oktoberfesten in Kambodscha und Kamerun.

Er geht seinen Weg

Die Inspiration für seine Lieder holt er sich von überall her. Sein Leitbild wird vordergründig durch die unschöne Vorstellung gesteuert, dass morgen schon alles vorbei sein kann. "Sei entspannt, es gibt ein Leben vor dem Tod", singt er im Titelsong "I dad's macha" und schildert über die CD verteilt diverse delikate Lebenssituationen, die man irgendwann zumindest ersehnt, aber aufgrund bestehender Konventionen dann vielleicht doch nicht auslebt. Der Erfolg von Hefters Arbeit basiert auf seiner unbestreitbaren Echtheit. Das Publikum identifiziert sich mit dem 48-jährigen Entertainer, der immer seinen Weg geht.

"Traut's euch"

Hefters Lieder handeln von Frauen und Männern, die dankbar sind für die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens, sich mit ihren Schwächen arrangiert haben und die persönlichen Ziele nicht zu hoch hängen. Deren täglichen Kampf mit modischen Trends, den eigenen Träumen und allzu menschlichen Wünschen, kleinen Wohltaten und die längst akzeptierten Niederlagen beschreibt Roland Hefter humorvoll, mal treffend, mal überspitzt. Er ermutigt, über den Tellerrand hinaus zu leben, "denn es könnt ja schon bald vorbei sein!" Mit "I dad's macha" beginnt der Reigen vergnüglichster Unterhaltung und Roland Hefter transportiert sein durch und durch positives Lebensmotto: "Hey Leute - traut's euch - lasst's nix aus!", betont aber zugleich, dass er trotz allem "ganz normal" geblieben sei.

Er findet "Ein Weißbier in da Sun" immer erstrebenswert - vor allem in Gesellschaft. Mit "Oane für ois" wünscht er sich Partnerinnen und Produkte so multifunktional wie möglich. Er lästert über Anspruch und Wirklichkeit hinsichtlich bewusstem Leben in "Des woaß a Jeder", definiert sich der Frauenwelt ungeniert als "An geilen Typen" und bräuchte sowieso "mindestens zwoa Leben", um alles im Leben unterzubringen, was er sich noch vorgenommen hat.

Roland Hefter bot einen bayerischen Abend ohne Lederhose, aber mit Münchner Esprit, der durchaus auch mal deftig ums Eck kommt.
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