Ein Mönch als Freund

Die "Licht für Tibet"-Vorsitzende berichtet immer wieder von der Herzlichkeit der Tibeter. Die Bilder, die sie auf ihren Reisen macht, vermitteln einen Eindruck davon.

Simone Gradl ist Buddhistin. Das ist für sie aber kein Grund, aus der Kirche auszutreten. Ansonsten trägt die Sulzbach-Rosenbergerin am liebsten Dirndl, wenn sie auf die Kirwa geht und besucht tibetische Patenkinder in Nordindien.

Für Tibet hat sich Simone Gradl (53) schon immer interessiert. Sie hat nicht nur zahlreiche Bücher verschlungen, sondern vor 18 Jahren auch eine Patenschaft für einen an offener TBC leidenden Mann übernommen. Außerdem sagt die Sulzbach-Rosenbergerin, dass Tibet sie im Herzen erwischt habe. Dass aus diesem Interesse einmal ein in der Region einzigartiges Engagement erwächst, hätte sie vor ein paar Jahren dennoch nicht geglaubt.

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Denn eigentlich ist sie mit ihrer Familie - sie hat zwei Kinder und einen Ehemann - sowie einem Geschäft, das sie betreibt, ausgelastet. Trotzdem investiert die Sulzbach-Rosenbergerin viel Zeit in ihren Verein "Licht für Tibet", deren Vorsitzende sie seit der Gründung 2009 ist.

Die Wurzeln für diese liegen noch ein Jahr länger zurück. "Ich war immer an tibetischer Pulsdiagnose interessiert", berichtet Gradl. Deshalb reiste sie nach Freiburg zu einem tibetischen Arzt. Über den Puls ließ die 53-Jährige ihre Konstitution ermitteln. "Innerhalb von einer Viertelstunde hat er mich gehabt. Ich war so begeistert. Alles was er gesagt hat, hat gestimmt." Aus dieser Begegnung hat sich eine Freundschaft entwickelt - und Gradl lernte einen tibetischen Lama (Mönch) kennen. Lama Tendar, so heißt er, kam schließlich 2008 zur Tibetwoche ins LCC (Landkreis Kulturzentrum). Er bat darum, Bilder auszuhängen. Der Lama suchte 13 Paten, die tibetische Kinder unterstützen. Gradl sicherte ihre Hilfe zu. Es dauerte nicht lange und die Sulzbach-Rosenbergerin reiste nach Dharamsala. Dorthin fliehen Tibeter, die sich von Chinesen bedroht fühlen. Sie kommen über die Pässe, oft unter lebensbedrohlichen Voraussetzungen. Laut Gradl werden sogar Kinder und Nonnen dabei erschossen und Tibeter nach wie vor gefoltert.

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72 Patenschaften

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Nach ihrer ersten Reise zu den Kindern stand für Gradl fest: "Ich mache weiter." In den vergangenen sechs Jahren hat sich viel getan. Gradl war bereits achtmal in Nordindien. Auf Schloss Neidstein veranstaltete sie einen Tibettag. In Sulzbach-Rosenberg wurde das erste Steinmandala in Europa gelegt. 2010 folgte die zweite Tibetwoche. Den Dalai Lama bat sie um einen Segen für diese. Es hieß damals, dass dafür keine Chance bestehe. Gradl blieb hartnäckig. Sie schaltete ihren befreundeten Arzt ein und schrieb einen Brief. Mit Erfolg. Die Sulzbach-Rosenbergerin erhielt ein Schreiben auf Englisch.

Aktuell gibt es außerdem 72 Patenschaften im Verein. Jeder Pate unterstützt einen Tibeter. Die Gründerin orientiert sich dabei an dem Spruch: "Es gibt keine Fremden, nur Freunde, die man noch nicht getroffen hat." Die Gelder, die gespendet werden, bringt Gradl persönlich zu den Tibetern. "Es kommt eins zu eins an", versichert sie. Flug, Fahrer und Unterkunft zahle sie aus eigener Tasche. Um die Arbeit vor Ort in Nordindien kümmert sich der befreundete Lama. Gradl selbst hat auch ein Patenkind. Tashi-Lhamo heißt es. In zwei Jahren ist das Mädchen mit der Schule fertig. Dann will die "Licht für Tibet"-Gründerin einen Deutschland-Besuch organisieren.

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Katholische Buddhistin

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Über Politik und Religion will sie nicht so viel sprechen. Vielmehr legt sie ihren Fokus auf die Unterstützung der Flüchtlinge. Trotzdem verrät sie, dass sie Buddhistin sei - und trotzdem katholisch. Denn aus der Kirche ist sie nicht ausgetreten. Für Gradl ist das vereinbar. Dazu zitiert sie den Dalai Lama: "Bleibt bei eueren Wurzeln." Die 53-Jährige sagt, dass jede Religion ihren Wert habe. Gradl ist offen, das beweist ihr Engagement. Aber sie ist auch auf ihre Herkunft stolz. Der beste Beweis: Zum Kirwa-Besuch trägt sie immer noch am liebsten Dirndl.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/meinvereinundich
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