Ein Mythos im Regental

Pfarrer Josef Vogl spendete dem Brunnen auf der Burg Stockenfels den kirchlichen Segen. Bilder: Schieder (2)

Der neu geschaffene Brunnen, der Jahrhunderte zuvor an genau dieser Stelle seinen Nutzen tat, erhielt den kirchlichen Segen. Damit nicht genug: Die Besucher erlebten auf der Geisterburg Stockenfels, was mit Bierpanschern passiert.

Das geheimnisumwitterte Gemäuer ist um eine Attraktion reicher. "Nach Hunderten von Jahren gibt es wieder eine Segnung an einem bisher nicht besonders christlichen Ort", hieß Ferdinand Graf von Drechsel am Sonntagnachmittag die Gäste willkommen. Sein Dank galt allen, die sich um die Stockenfels bemühten. Dass der Brunnen wieder funktionstüchtig sei, das verdanke man der Symbiose von Burgkastellan Franz Joseph Vohburger und Harald Schaller, der für die Ausgrabung verantwortlich zeichne.

"Besondere Kräfte"

Bürgermeister Karl Bley sagte in Richtung Vohburger: "Besondere Kräfte haben eingewirkt, dass er sich in die Burg Stockenfels verliebt hat", Er würdigte damit das besondere Engagement des Burgkastellans. Im Hinblick auf den Theater- und Festspielverein scherzte er, die Hexen des Regentales würden schon dafür sorgen, dass der Brunnen ab und zu auch mal "hochprozentiges Wasser" führe. Pfarrer Josef Vogl aus Ramspau, den Vohburger "den Bischof vom Regental" nannte, spendete dem Brunnen den kirchlichen Segen. Der Brunnen sei ein "Sinnbild der Quelle des Lebens" und Wasser die Voraussetzung für so eine Höhenburganlage gewesen, ließ der Geistliche wissen. Stellvertretender Landrat Jakob Scharf verwies darauf, dass ihn die Burg schon von Kindesbeinen an fasziniert habe, er ein großer Fan von ihr sei. Es freue ihn daher sehr, dass es Leute gebe, die die Burg nicht dem Verfall preisgäben.

Brunnenausgräber Harald Schaller erläuterte, dass es sich um einen Schichtwasserbrunnen mit einer Tiefe von achteinhalb Metern handle. Es sei stets frisches Wasser vorhanden. Im Herbst 2009 habe man angefangen mit der Sanierung. 2011 und 2012 sei schweres Gerät zum Einsatz gekommen. Und auch die Aufmauerung erfolgte nach heutigen Sicherheitsstandards mit einer Höhe von 90 bis 100 Zentimetern. Rein von der Archäologie gesehen sei eine Arbeitszeit von 2009 bis 2014 in Höhe von 590 Stunden angefallen.

72 Sagen zur Stockenfels

"Was macht den Mythos Stockenfels aus?" Burgkastellan Franz Joseph Vohburger sprach von einem ganz besonderen Charakter und einer ganz besonderen Ausstrahlung der Burgruine im Regental. Mit Abstand sei sie diejenige in Deutschland und wohl darüber hinaus mit den meisten Sagen, Geschichten und Märchen. Denn die meisten Burgen und Schlösser brächten es auf nicht mehr als fünf Sagen, die Stockenfels dagegen auf beachtliche 72, was ihr schon ein Alleinstellungsmerkmal verleihe. Die wohlbekannteste Sage sei die der Bierpanscher, aber auch die von der Geisterfrau, der schönen Irmingard. Sein Dank galt allen, die zur Erhaltung der Burg beigetragen haben: den Eigentümern, der Gräflichen Familie von Drechsel, seiner Familie, der Stadt Nittenau, Altlandrat Hans Schuierer, den Verantwortlichen des Landkreises sowie den Gaststätten in Marienthal und Brunn.

Weiter dankte Vohburger Brunnenausgräber Harald Schaller sowie allen Spendern, dem Touristikverein Ramspau, Pfarrer Josef Vogl, dem Bürgermeister des Marktes Regenstauf und Konrad Fendl, der die Wege mit seiner Gartenschere freihalte.

Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung durch den Minnegesang von "Fahrend Volck", Minnesänger Bernd von Ammenberg. Ein Page trug ein mittelhochdeutsches Gedicht von Gabriele Gräfin von Drechsel vor. Interessiert verfolgten die Gäste eine Vorstellung eines kleinen Ensembles des Theater- und Festspielvereins Nittenau: die Bierpanscherverbannung auf Stockenfels.
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