Ein neuer Rattentod

Oliver Hofmann (Mitte) erklärt Andreas von der Grün (rechts) vom städtischen Bauhof die Schlagfalle. Bürgermeister Joachim Neuß lauscht aufmerksam.

Man sieht sie nicht, man hört sie nicht, und dennoch hat wohl jede Gemeinde die unterirdischen Mitbewohner - Ratten. Sie laufen auch in Auerbach durch die Kanäle und sind manchmal nur mit Gift zu bekämpfen. Bis jetzt.

Seit fünf Wochen ist Auerbach die erste Stadt in Bayern, die in einer Testphase eine neuartige Hightech-Bekämpfung der Schädlinge probiert. Und der Erfolg ist durchschlagend, im Wortsinn. Die elektronische Rattenfalle, Smart-Trap genannt, hat in dieser Zeit 43 der unerwünschten Nager giftfrei erledigt.

Getestet wurde die Falle in Welluck, in der Unteren Bergstraße und am Siechen. Dort hatte jüngst ein Straßeneinbruch auf einem Quadratmeter für Aufruhr gesorgt. Eine - wie früher üblich - mit Holz abgedeckte Kanalschachtendstelle in 1,80 Meter Tiefe war von Ratten angenagt worden und hatte nachgegeben. Zeitgleich kam das Angebot der Firma Anticimex und ihres Vertriebsbeauftragten Thomas Braun aus Sulzbach-Rosenberg, die Smartfalle zu testen. Die Stadt Auerbach zeigte sich dafür aufgeschlossen - als einzige in der Region, wie Braun betonte.

14 schnelle Stäbe

Die Rattenfalle sieht aus wie ein Zylinder und wird in den Kanalschacht gehängt. Oberhalb ist eine elektronische Einheit installiert, die mittels Sensoren auf Wärme und Bewegung reagiert. Sie ermitteln das durch den Kanalschacht laufende Tier und lösen die 14 Kunststoffstäbe im Zylinder mit einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern aus. Diese erschlagen die Ratte schnell und effizient. Fünf Millimeter über dem Boden stoppen die Stäbe, um den Kanal nicht zu verletzen.

Damit kann auf das bisher eingesetzte Gift verzichtet werden, dessen Spätfolgen für Gewässer und weitere Tiere nicht unerheblich sind. Auch leiden die Nager nicht unnötig. Die Stempel werden nach dem tödlichen Schlag hochgezogen und die tote Ratte wird mit dem Abwasser in die Kläranlage gespült.

"Ein ganz entscheidender Punkt bei den Fallen und bei der effizienten Bekämpfung ist es, dass Rückmeldungen aus der Kanalisation erfolgen können. In der Smart-Trap ist eine Steuerungseinheit integriert, die dem zuständigen Schädlingsbekämpfer über Computer den Überblick über Status und Betrieb der Falle gibt. So kann dieser ständig mitverfolgen, wie viele Ratten getötet wurden. Ist eine Stelle rattenfrei, kann die Falle umgehängt werden", erklärte Markus Gaßmann von Anticimex.

Die App meldet Vollzug

Hat es eine erwischt, wird ein elektronischer Bericht mittels einer App an den zuständigen Schädlingsbeauftragten übermittelt. In der Testphase war dies Thomas Braun von der Firma Anticimex. Geschult werden können aber die städtischen Kläranlagenmitarbeiter, die mit der Schädlingsbekämpfung betraut sind.

Schädlingsbekämpfer Oliver Hofmann erklärte vor Ort in der Siechenstraße die Wirkungsweise der Falle und zeigte die schlagkräftigen Bolzen. Allein 30 Ratten wurden in der Siechenstraße erledigt. Bürgermeister Joachim Neuß zeigte sich überrascht von der Menge. "Auerbach hat keine Rattenplage, das sind die in vielen Gemeinden vorkommenden Populationen, die von Nahrung angelockt werden."

Wie schnell sich ein Rattenpärchen vermehren kann, erklärte Oliver Hofmann. Ein Pärchen hat pro Jahr bis zu 200 Nachkommen. Getestet wurde übrigens auch eine Falle in einer Umgebung, wo vermehrt Nahrungsmittelrückstände auftauchen. Dort wurde ein besonders fettes Exemplar getötet.

In Auerbach sollen nun zunächst zentrale Kanalpunkte erfasst werden, danach werden die Abzweigungen in den einzelnen Gebieten mit Fallen versehen. Vier Systeme werden ab 15. Dezember eingesetzt, die Kosten dafür liegen jährlich bei unter 5000 Euro, wie Neuß erklärte.
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