Ein "normaler Metzger"

Als einziger Bio-Metzger in der Öko-Modellregion Steinwald besetzt Kajetan Merkl eine Marktnische. Seine Erzeugnisse verkauft er in seinem Bioladl, das er mit Ehefrau Manuela betreibt. Doch für ihn ist es mitunter gar nicht so leicht, an entsprechendes Fleisch zu kommen. Bild: öt

Es hakt irgendwie bei der Fleischvermarktung in der Öko-Modellregion Steinwald. Die Bio-Bauern klagen über zu wenig Abnehmer. Als solcher käme Kajetan Merkl in Frage, doch der sieht das Problem bei den Erzeugern selbst.

Haselbrunn. (luk/öt) Als einziger Bio-Metzger in der Öko-Modellregion bietet er in seinem Bioladl in Haselbrunn (Gemeinde Pullenreuth) neben Fleisch- auch Wurstwaren aus eigener Schlachtung und Herstellung an. "Eigentlich wie ein normaler Metzger auch." Allerdings ist er wöchentlich davon abhängig, "was zur Verfügung steht". Es gebe in der Umgebung nicht viele Bio-Bauern, "das ist erst im Aufbau". Nur drei bis vier seien bio-zertifiziert.

Bei Rotvieh Fehlanzeige

Hinzu kommt laut dem 45-Jährigen, dass die Landwirte oftmals selbst eine reine Fleischpaketvermarktung betreiben. Dem Metzgermeister und gelernten Koch würden dann nur Sachen angeboten, die sie selbst nicht an den Mann bringen könnten. Er selbst komme daher nur schwer an "Edelstücke" wie T-Bone-Steaks und Roulade, Suppenfleisch würde einem dagegen nachgeworfen werden. So beziehe er mitunter Fleischteile von einem anderen Metzger, die er ohne chemische Zusatzstoffe wie Pökelsalz, Phosphat und Geschmacksverstärker weiterverarbeitet: "Da hilft man sich gegenseitig aus." Gerne würde er reines Rotvieh anbieten, doch da "bekomme ich nichts her".

Wurst via Internet

Seit sechs Jahren betreibt Merkl seine Bio-Metzgerei. Und sein Konzept geht auf. Inzwischen beschäftigt er mit Stefan Cavrag einen weiteren Mitarbeiter, den er selbst ausgebildet hat. Wer möchte, kann seine Wurst bei ihm seit etwa vier Jahren auch online ordern.

Von Anfang an ist Merkl regelmäßig zu Wochenmärkten in Weiden, in Grafenwöhr, Bayreuth oder Selb unterwegs. Mit seinem Verkaufsmobil fährt er zudem unter anderem in Tirschenreuth, Grafenwöhr und Waldsassen von Haus zu Haus. An Bord hat er ebenfalls Wurstwaren, die zu 80 Prozent ohne Schweinefleisch hergestellt sind, sowie Grundnahrungsmittel wie Nudeln und Eier.

Vor zwei Jahren kam das Bioladl hinzu, das Merkl mit Ehefrau Manuela betreibt. Zum Sortiment gehören dort neben Kaffee auch Obst und Gemüse, das er vorwiegend von regionalen Zulieferern aus Verbandsbetrieben der Öko-Modellregion bezieht. Bei den Backwaren "gehe ich bislang einen anderen Weg", berichtet der 45-Jährige. Diese kommen halbgebacken und tiefgefroren von einer Bio-Bäckerei aus Bamberg. Ähnlich verfährt er bei den Molkereiprodukten, weil es in der "Region keinen Käser gibt, der Bio macht". Hier müsse er auf den Großhandel zurückgreifen.
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