Ein Paradies?

Stephan Winkler las aus seinem Buch "P wie Primitiv" und erzählte von seinem Leben auf Bali. Bild: sus

"Probleme okay, aber dann doch besser auf der Sonnenseite des Lebens." Das ist das Credo von Stephan Winkler.

Pfreimd. (sus) Der Pfreimder Weltenbummler las im Bürgersaal auf Einladung der Stadtbücherei aus seinem neuesten Buch "P wie primitiv - Gedanken über das vermeintliche Urlaubsparadies" und erzählte von seinem Leben auf Bali. 26 Episoden enthält der 100 Seiten starke Band. Die Geschichten sind exotisch, lustig und nachdenklich - insgesamt ein Mix, so bunt wie das Leben auf Bali selbst.

Die indonesische Insel ist nur halb so groß wie die Oberpfalz, aber es leben vier Mal so viele Menschen auf ihr, erklärte Winkler am Donnerstag den rund 100 Zuhörern: "Do geht's ganz sche zoua." Der Pfreimder ist Hoteldirektor auf der Insel und hatte die Aufgabe, ein etwas heruntergekommenes Ressort in Schwung zu bringen. Zunächst musste auch er einiges über die Verhältnisse auf der Insel lernen. So etwa, dass die Familie sehr wichtig für Balinesen ist .

Der "Banjar"

Die nächste Stufe der gesellschaftlichen Organisation ist der "Banjar", die "Nachbarschaft" wie Winkler dies übersetzt. Auf Pfreimder Dimensionen übertragen, wäre es so, als ob die Bewohner des "Söllitzer Wegs", des "Dreiecks" oder der "Bahnhofstraße" jeweils einen "Banjar" bilden würden . Der "Banjar" entscheide über alle Belange des jeweiligen Viertels, erläuterte Winkler. Dazu gehören Grundstücksangelegenheiten, Wasserrechte und Geschäftsgründungen genauso wie das Schlichten von Streitigkeiten oder die Organisation von Feiern. Ein Ältester steht dem "Banjar" vor und mitmachen ist Pflicht. Diese Art der Pflichterfüllung wirkt in alle Lebensbereiche hinein und wird von Außenstehenden gerne als Tradition verstanden. Tatsächlich kann sie an Unterwerfung grenzen.

Die Menschen auf Bali sind stark von dieser gesellschaftlichen Organisationsstruktur geprägt und im hinduistischen Glauben verhaftet. Winkler erzählte davon, wie jede einzelne Anlage des Hotels mit großem Brimborium gesegnet wurde. Blumen, Götterfiguren und Räucherstäbchen, wie sie Winkler mitgebracht hatte, spielen dabei eine wichtige Rolle.

Das früher als einmalig gepriesene Paradies Bali ist heute ein Urlaubsziel unter vielen auf diesem Globus, das sich mit anderen messen muss, um jedem Urlaubsgast sein persönliches Paradies zu liefern. Hinter den Kulissen herrschen einfachste Verhältnisse, Korruption, dazu außerhalb der Regenzeit Wassermangel. Beispielsweise muss während der Trockenzeit mit Tankwagen jeder Liter Wasser zu horrenden Preisen in die Dörfer und auch in die Hotelanlagen gebracht werden.

Vorausschauendes Handeln und gesunden Menschenverstand in unserem Sinne vermisst Winkler da oft. Aber schließen sich "Paradies" und "Primitiv" deshalb tatsächlich immer aus? Die Menschen seien stets guter Laune, zumindest erscheine das Fremden so. Sorglosigkeit, das sei der Zustand, der dem Paradies am nächsten komme, findet Winkler. Die kann sich seiner Meinung nach sowohl am weißen Strand auf Bali unter einem klaren Sternenhimmel einstellen aber auch genauso unter einem Kirschbaum in der Oberpfalz.

Erlös für die Bücherei

Stephan Winkler und Bürgermeister Richard Tischler kennen sich seit langem. Aus der Bekanntschaft entwickelt sich die Idee für die Lesung. Tischler bedankte sich bei Winkler mit Wein aus der Partnerstadt Grünsfeld, ehe Winkler in lockerer Runde seine Bücher signierte. Den Erlös der ersten zehn verkauften Exemplare spendete er der Stadtbücherei.
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