Ein starkes Signal

Einige Flüchtlinge berichteten von ihrem Schicksal. Staatsministerin Emilia Müller und zweiter Bürgermeister Robert Feuerer hatten sie dazu ermuntert. Dr. Abdulaf Ismail aus Oberviechtach (links) fungierte als Dolmetscher. Bild: Mayer

Das Schicksal hat sie mit voller Wucht getroffen. Der Grund: berechtigte Angst um das eigene Leben und das der Angehörigen. Millionen Menschen sind auf der Flucht, sie kommen auch in unsere Gegend. Doch nicht nur staatliche Hilfe ist angesagt, Bürger vor Ort kümmern sich.

Es sollte ein denkwürdiger Abend werden. Am Freitag hatten die kirchlichen Vereine von Bruck zu einer Begegnung mit Flüchtlingen und Asylsuchenden eingeladen. Beim "Bergerwirt" bleibt kein Platz frei. Das dringende Anliegen von Staatsministerin Emilia Müller, selbst eine Bruckerin, den Blick auf die dramatische Situation zu lenken, findet eine große Resonanz.

Mitmenschlichkeit

Zusammen mit zweitem Bürgermeister Robert Feuerer moderiert sie die Veranstaltung, bei der zunächst Bürgermeister Hans Frankl das Wort ergreift. Derzeit sind 38 Asylbewerber in Bruck untergebracht, darunter 26 Syrer. Sechs weitere Personen werden noch kommen. Nach Schwandorf beherbergt der Markt damit momentan die zweitmeisten Flüchtlinge. "Ich habe noch keine negative Stimme in Bruck gehört. Wir wollen alles tun, damit dies so bleibt", sagt Frankl. An Schule und Polizei appelliert er, eventuell einen Radfahrunterricht für die Kinder anzubieten.

Auf die große Unterkunft zur Erstaufnahme in Teublitz mit 110 Plätzen verweist Landrat Thomas Ebeling. Eine weitere mit 150 sei in der ehemaligen Kaserne Neunburg vorm Wald in Planung. Er dankt den Einheimischen im Landkreis für die gute Aufnahme der Asylsuchenden und bittet, möglichst viele private Quartiere zu melden.

Über 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, berichtet Emilia Müller, die gerade von der Bayern-Kaserne in München kommt. Die Situation sei eine "gesamtgesellschaftliche Herausforderung" und nur gemeinsam könne sie gemeistert werden. Mit Toleranz, Transparenz und Mitmenschlichkeit. Besonders wichtig ist ihr die Akzeptanz: "Ich möchte nicht, dass rechte Pausbacken wieder auftreten." Auch dafür bekommt die Ministerin großen Beifall.

Die Traumatisierung

"Wir Brucker begrüßen die Flüchtlinge", unterstreicht Robert Feuerer. Die Beweggründe für die Flucht seien absolut nachvollziehbar. Nicht verhehlen will er ein grundsätzliches Problem, das sich aber schnell beseitigen lässt: "Viele haben Angst vor den Asylbewerbern, aber diese Menschen haben noch mehr Angst vor uns." In Betracht gezogen müsse auch deren Traumatisierung, was sich besonders schlimm auf Kinder und Jugendliche auswirke.

Und dann erzählen einige Flüchtlinge über ihr Schicksal. Dr. Abdulaf Ismail vom Krankenhaus Oberviechtach dolmetscht die Ausführungen. Die Gäste können sich ein Bild von den schlimmen Wochen und Monaten machen, in denen die Flüchtlinge schließlich unter dem Diktat von Schleusern Länder und das Meer passierten. Ein Englisch-Lehrer, dessen Vater von der Miliz getötet wurde, ergreift das Wort, ebenso ein Schneider und Modedesigner. Ein Gynäkologe behandelte in Damaskus Regimegegner, auch ihm blieb nur die Flucht mit der Familie.

Deutsche Sprache lernen

Dass vor Ort Einheimische die Initiative ergreifen, macht Mut. Birgit Sperl ist ein Beispiel dafür. Sie geht auf die Asylsuchenden zu, hilft ihnen in verschiedener Hinsicht und bittet vor allem um Unterstützung beim Erlernen der Deutschen Sprache. Emilia Müller appelliert an die Lehrer, auch an die Pensionisten. Der Unterricht könne ein- oder zweimal in der Schule stattfinden. Die Spielvereinigung ermöglicht Kindern die Teilnahme am Fußballtraining. Ebenfalls ein Schritt zur Integration.

Nach dem offiziellen Teil kommen die Gespräche mit den Flüchtlingen in Gang, werden Pläne geschmiedet und konkrete Aktionen ins Auge gefasst. Das starke Signal, das von diesem Abend ausgeht, ist deutlich spürbar.
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