Ein Sturm der Entrüstung

Etwa ein Drittel der Bäume neben "Hydraulik Schlögl" sind bereits entfernt. Im restlichen Bestand (rechts) werden nach einen Ortstermin mit dem Forstamt nur noch "durchforstungsartige Eingriffe" gemacht. Bild: Völkl

Anlieger riefen die Polizei, als der Harvester anrückte. Ein Baum nach dem anderen wurde im Wald zwischen Hydraulik Schlögl und der Feistelholz-Siedlung umgesägt. Das Forstamt erwirkte am Freitagabend einen Stopp: Auch bei der wirtschaftlichen Nutzung habe der Eigentümer Vorgaben zu beachten. Rechtlich kann ihm aber kein Strick daraus gedreht werden.

Wernberg-Köblitz. (cv) Das Thema beschäftigte den Marktrat. Die Firma Schlögl möchte am Firmenstandort an der Nürnberger Straße erweitern, machte das publik, stellte aber bei der Marktgemeinde nie einen Antrag. Da sich inzwischen die Waldfläche zwischen Betrieb und Wohnsiedlung im Besitz der Unternehmerfamilie befindet, schrillten bei den Anliegern die Alarmglocken. Der Marktrat setzte ein Zeichen und sprach sich definitiv gegen eine Flächennutzungsplan- oder Bebauungsplanänderung zu Bauabsichten aus.

Fachstellen eingebunden

Dann sprach Gerhard Schlögl bei der Marktgemeinde vor, teilte mündlich mit, dass er den Wald abholzen wolle. Die Marktverwaltung informierte die entsprechenden Fachstellen. Dem Antwortschreiben des maßgeblichen Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war zu entnehmen, dass eine Waldnutzung unter Beachtung der waldgesetzlichen Regelungen möglich sei. Es hieß aber auch, dass flächige Einschläge nicht zulässig sind und kleinere Hiebe innerhalb von drei Jahren wieder aufzuforsten sind. Die Entnahme der Wurzelstöcke wäre eine Rodung und folglich nicht erlaubt. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass Hiebe-Eingriffe mit Blick auf eine mögliche Schutzwaldfunktion mit dem Forstamt abzustimmen seien.

Doch nun kam besagter Freitag und helle Aufruhr bei den Anwohnern: Harvester, Holzrückemaschine fuhren auf, im Wald begann die Fällaktion. Aus dem Kreis der Anwohner wurde die Polizei alarmiert, erzählt Friedrich Thalhofer von der Interessensgemeinschaft. Der Waldbesitzer bezog sich ihr gegenüber auf das Recht der wirtschaftlichen Nutzung. Die Polizei nahm Kontakt mit dem Forstamt auf. Kein leichtes Unterfangen: Am Freitagnachmittag ist geschlossen, der zuständige Revierförster befand sich im Urlaub. Ein Bediensteter aus dem Schwandorfer Raum bestätigte, dass die Waldgesetzgebung eine wirtschaftliche Nutzung abdecke.

Der Leiter der PI Nabburg, Polizeihauptkommissar Günter Vierl, erreichte gegen Abend telefonisch Amtsleiter Wolfhard Wicht. Er bat die Polizei, die Maßnahme noch am Abend zu stoppen. Wicht betont, dass sein Amt den Waldbesitzer im Vorfeld über die erlaubte wirtschaftliche Nutzung informiert habe. Er dürfe jedoch "keinen Kahlhieb machen", mit dem die Sichtschutz- und Lärmschutzfunktion beeinträchtigt würde. Das Forstamt sei mit dem Unternehmer so verblieben, dass in der ersten Märzwoche in einem Ortstermin abgesprochen werde, "wo man was darf". Das, was Schlögl begonnen habe, sei keine sachgemäße Waldbewirtschaftung und entspreche nicht den Vorgaben der bayerischen Waldgesetzgebung.

Am Samstag kam es zu einem klärenden Ortstermin zwischen Gerhard Schlögl, seinem Rechtsanwalt und Wolfhard Wicht. Etwa 30 Prozent der knapp zwei Hektar großen Fläche sind eingeschlagen. Man verständigte sich darauf, in der noch bestehenden Kiefernfläche "durchforstungsartige Eingriffe" vorzunehmen. "Einen verkrüppelten, angeschobenen Baum entfernen, zwei stehen lassen", lautet die Maßgabe. Was Förster Hubert Amode gestern vormittag markiert hat, darf raus, "mehr nicht", so Wicht. Es werde eine Beweissicherung geben. Ein Augenmerk liege im Sinne der Sturmsicherheit auf der Gestaltung des Waldstreifens an der angrenzenden Wohnbebauung.

Keine Ordnungswidrigkeit

"Die geschlagene Fläche muss innerhalb von drei Jahren wieder Wald werden", so Wolfhard Wicht. Er fasst zusammen: Die Aktion sei unsachgemäß gewesen und widerspreche den Vorgaben des Waldgesetzes. Sie stelle aber keine Ordnungswidrigkeit dar. Wicht findet es "bedauerlich", dass der Eigentümer dem Hinweis des Amtes, dass eine flächige Nutzung nicht in Frage komme, nicht nachgekommen sei.

Hätte der Bürgermeister, der am Freitag ebenfalls vor Ort war, die Aktion verhindern können? "Das ist eine Sache zwischen Schlögl und Forstamt", betont Butz zu Vorhaltungen aus Anliegerkreisen. Die Kommune "hat kein Recht, in Privatbesitz einzugreifen". Die wirtschaftliche Nutzung des Waldes sei Schlögls Recht. Das ändere aber nichts daran, dass es für die Fläche nach aktueller Beschlusslage des Marktrates "kein Baurecht gibt".
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