Ein Tag, den sich die Welt spart

Der kleine Korbinian spart noch mit Spaß. Bild: stg

Mit Weihnachten konnte er nicht mithalten, aber besonders war der letzte Werktag im Oktober einst schon. Kinder brachten ihre Sparbüchsen zum Ausleeren, dafür nahmen sie kleine Geschenke von der Bank mit heim. Heute kennen junge Leute den Weltspartag kaum mehr - warum nur?

(wüw) An die Hoch-Zeit der Weltspartage denkt Edmund Kopp mit gemischten Gefühlen. 1982 trat er seine Stelle bei der Raiffeisenbank am Kulm an, damals war die letzte Woche im Oktober eine der arbeitsreichsten im Jahr. "Für die Zeit galt Urlaubssperre und trotzdem kamen wir nie unter 12 Stunden aus der Bank", sagt der heutige Vorstandsvorsitzende. Schaudernd denke er an zig Sparbüchsen, die er öffnen musste, den Inhalt zählten er und seine Kollegen zum Teil noch per Hand. Das habe aber auch zusammengeschweißt. "Wir sind nach der Arbeit noch zusammengesessen und haben ein Bier getrunken. Das gibt's heute nicht mehr."

An die Großkampftage kann sich auch Joachim Sertl erinnern. Jahrzehnte war er das Gesicht der Sparkasse in Pressath, vor zwei Jahren trat er den Vorruhestand an. "Wenn ich an den Weltspartag denke, sehe ich unsere Schalterhalle vor mir, in der sich 60 Leute drängen." Für die Kinder waren die Geschenke wichtiger als der Zinssatz. "Ich kann mich noch an Spezialisten erinnern, die an dem Tag vier mal kamen, immer mit 1,50 in der Büchse, nur, damit sie vier Mal das Geschenk mitnehmen konnten", sagt auch Kopp. Auch für die Erwachsenen habe es Aufmerksamkeiten gegeben. Allerdings waren die Großen wählerischer: "Einmal hatten wir Tonteller, die überhaupt nicht ankamen. Noch heute liegen welche in der Geschäftsstelle rum", sagt Kopp.

Weshalb und wann der Weltspartag an Bedeutung verlor, das können beide Bank-Veteranen nicht beantworten. "Das war ein schleichender Prozess." Formell hat sich nichts geändert, noch immer ist die letzte Oktober- die Weltsparwoche mit dem Weltspartag als Höhepunkt. Nur wird das Angebot heute kaum noch angenommen. Das Interesse sei einfach immer weniger geworden. "Los ging es, als wir nicht mehr in die Schulen durften, um die Sparbüchsen zu leeren", sagt Sertl. Die private Konkurrenz habe sich über das Privileg der öffentlichen-rechtlichen Kassen immer beschwert, letztlich erfolgreich. Dabei habe sich der Aufwand für die paar Mark nie gerechnet. "Aber wir haben Kindern das Sparen nähergebracht, die im Elternhaus wenig davon gehört haben."

Wie Kopp glaubt aber auch Sertl, dass vor allem der sich wandelnde Zeitgeist am Bedeutungsverlust schuld ist. Bei manchen spiele Sparen eine untergeordnete Rolle, andere legen Geld zurück, bringen es aber nicht in der Büchse zur Bank. Aktien, Rentenfonds und Staatsanleihen spielen eine wichtigere Rolle. Edmund Kopp gibt auch zu, dass Banken den Sparen derzeit wenig zu bieten haben. "Beim heutigen Zinsniveau bringt ein klassisches Sparbuch praktisch nichts."

Obwohl die Banker wissen, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt und trotz der vielen Arbeit: Etwas trauern sie dem guten alten Weltspartag hinterher. Der Tag habe Kindern wie Erwachsenen gelehrt, dass man etwas zurücklegen muss, um sich später etwas leisten zu können. Etwas mehr von der Einsicht würde heute nicht schaden.
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