Ein Vollblut-Politiker im "Un-Ruhestand"

Es war kein bequemer Weg, aber ein erfolgreicher. Das galt auch bei der Regelung meiner Nachfolge.

Otto Zeitler wird heute 70. Der Staatssekretär a.D. aus Nabburg-Perschen feiert seinen runden Geburtstag mit langjährigen Weggefährten. Im Vorfeld sprach er mit NT-Ressortleiter Wilhelm Amann über 35 Jahre Berufspolitik und neue Visionen im Ruhestand.

Wie schwer ist Ihnen denn der Umstieg auf den politischen Ruhestand gefallen?

"Der Tag des Abschieds kam ja 2013 nicht überraschend, sondern sehr wohl vorbereitet und auch so gewollt. Bis März habe ich mich noch aktiv am Kommunalwahlkampf beteiligt und war stark eingebunden. Die CSU war sehr erfolgreich, und die SPD hat, man könnte scherzhaft sagen, den Weightwatchers-Preis mit Stern gewonnen, sie hat abgenommen, ohne sich anstrengen zu müssen. Ich bedauere es aber, dass derzeit keine ernsthafte Opposition auftritt. Denn es ist wichtig, unterschiedliche Meinungen zu diskutieren und wenn möglich gemeinsam was durchzusetzen. Auf dieser Klaviatur habe ich auch gerne gespielt".

Wie weit ist es also eher doch ein 'Un-Ruhestand'?

"Meine Themen habe ich ja nicht alleine abgearbeitet. Mein Nachfolger Alexander Flierl war in den letzten Jahren schon gut eingebunden, und auch der CSU-Kreisverband hat zielführende Beschlüsse, zum Beispiel zur Verkehrsinfrastruktur, gefasst. Es gibt schon noch einige Baustellen, ich denke da vor allem an den direkten, umsteigefreien und fernverkehrstauglichen Bahnanschluss an den Flughafen München. Die zielführende Zeitler-Kurve ist ja von Bayern für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet, hier muss aber noch mehr Gas gegeben werden. Der Flughafen FJS ist einer von nur sieben Hub-Flughäfen in Europa, die wirtschaftliche Schwerpunkte bilden. Wir müssen es schaffen, dass dieser von der mittleren Oberpfalz innerhalb von 60 Minuten auf der Schiene zu erreichen ist. Damit sind wir nach internationalen Standards enges Flughafen-Einzugsgebiet. Hier gründen Weltfirmen neue Niederlassungen, die neuen zukunftsorientierten Arbeitsplätze entstehen auch bei uns, wir können einen idealen Standort mit hoher Wohnqualität bieten".

Aber der Landtag hat zunächst einmal die Neufahrner Gegenkurve beschlossen...

"Aber mit ihr geht das nicht, es ist auch festgestellt, dass es sich um ein Provisorium mit Umweg und nicht um den geforderten Anschluss von Nord-Ostbayern handelt. Man muss aufpassen, dass nicht die Volksweisheit Recht bekommt - nämlich, dass es nichts Beständigeres als ein Provisorium gibt".

Erleichterten der Ausgang der Landtagswahlen und auch der Landratswahl den berufspolitischen Abschied?

"Ja, denn wir haben da große Ziele erreicht. Man muss zurückdenken: Die CSU war vor und nach der ersten verlorenen Landratswahl 1972 zerstritten, ziemlich am Boden. Unser Manko war es außerdem, dass die beiden Stimmkreisabgeordneten Alfons Goppel und Franz Sackmann durch ihre Aufgaben als Ministerpräsident bzw. Staatssekretär und ihre Wohnsitze außerhalb der Stimmkreise nicht voll verfügbar waren. Als sich die CSU nach 1978 neu orientiert hatte, kam die Auseinandersetzung um die WAA mit voller Wucht. Wir haben den damaligen Stimmkreis Schwandorf im Landtag und im Bezirkstag an die SPD verloren. Das hat uns um eine Generation zurückgeworfen. Nach dem Aus der WAA haben wir als Einzige die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und haben Ausgleichsleistungen eingefordert. Wir haben die später als 'Wunder von Wackersdorf' bezeichnete Entwicklung auf den Weg gebracht. 1,5 Milliarden D-Mark an Ausgleichsförderung haben wir erstritten. Das war der Schub. Heute hat allein Wackersdorf mehr Arbeitsplatzeinpendler als Einwohner. Erst dadurch haben wir als CSU wieder Boden unter die Füße bekommen.

Es war kein bequemer Weg aber ein erfolgreicher. Das galt auch bei der Regelung meiner Nachfolge. Mit einer kleinen, überschaubaren Risikobereitschaft ist es uns gelungen, trotz Stimmkreisreduzierung in der Oberpfalz, für den Landkreis Schwandorf zwei CSU-Abgeordnete in den Landtag zu bringen und eine Ministerin im Kabinett zu haben. Was wäre denn, wenn wir den Stimmkreisabgeordneten Alexander Flierl jetzt nicht hätten? Ministerin und MdL Emilia Müller muss sich aus aktuellem Anlass mit ganzer Kraft um Asyl-Politik und um ganz Bayern kümmern".

Wie zufrieden sind Sie denn nun mit den jungen Hoffnungsträgern der Partei?

"Sehr zufrieden. Alexander Flierl als Stimmkreisabgeordneter und Thomas Ebeling als Landrat machen ihre Sache ausgezeichnet. Sie haben beide eine hervorragende berufliche Ausbildung und gehen ihre Aufgaben mit Herzblut an. Man muss ja froh sein, dass es gelungen ist, zwei junge, qualifizierte Menschen für die Politik zu begeistern".

Geben Sie ihnen auch noch Ratschläge?

Wenn ich gefragt werde, warum nicht. Es gibt auch immer noch Bürgerinnen und Bürger, die sich noch leichter tun, zuerst einmal bei mir anzurufen".

Ist es mit 70 an der Zeit, sich noch einmal neue Ziele im Leben zu setzen?

"Selbstverständlich! Ich bin jetzt in einer sehr komfortablen Situation und möchte mit niemandem tauschen, auch wenn er jünger wäre. Ich fühle mich pumperlgesund und werde nicht mehr vom politischen Tagesgeschäft beansprucht. Die Kinder sind aus dem Haus, und die Enkel machen Freude. Ich kann meinen Tag frei gestalten und stehe nicht unter Erwartungsdruck. Ich habe viele Ideen, die mit meiner Ausbildung zum Diplom-Ingenieur zusammenhängen. In jungen Jahren habe ich mich schon mit technischen Entwicklungen beschäftigt, Patente entwickelt und angemeldet. Da habe ich heute auch neue Ideen".

Aus dem Wissen von heute heraus: Würden Sie manche Weichen anders stellen in Ihrer politischen Laufbahn?

"Ja, man hätte bestimmt manches anders machen können. Große Eckpunkte fallen mir da allerdings nicht ein. Es hat vieles, ich will sagen, das Wesentliche hat funktioniert in meinem Leben".

Welche politischen Erfolge erfüllen Sie mit besonderem Stolz?

"In den vielen Jahren bleiben Erfolge nicht aus. Spontan fällt mir ein: Da war gleich am Anfang der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinde Diendorf, in der ich CSU-Vorsitzender und Gemeinderat war, mit der Stadt Nabburg. Daraufhin hat Nabburg eine unwahrscheinlich gute Entwicklung mit Betriebsansiedlungen wie Hertel, Strubl oder Hanauer genommen, die jetzt leider abrupt zu Ende gegangen ist. Ja, dann natürlich das schon genannte 'Wunder von Wackersdorf'. Und dann die Nachfolge für die BGS-Abteilung mit der Polizeischule und den jetzt drei festgeschriebenen Seminaren. Nach der Grenzöffnung haben wir mit einer unbürokratischen Sonderregelung den Schwerlastverkehr schnell aus den Orten wie Wernberg-Köblitz oder Schwarzenfeld heraus bekommen. Oder auch den Feuerwehrführerschein haben wir nach fünfjährigem Kampf hinbekommen, ohne dass in Brüssel auch nur ein Buchstabe einer Verordnung geändert werden musste. Ganz wichtig war auch die Sicherung unser eigenständigen Sparkasse im Landkreis, ebenso die Sicherung der stationären ärztlichen Versorgung in Kooperation mit den Asklepios-Kliniken. Leider kam die Lösung für die Krankenhäuser Nabburg und Neunburg zu spät. Das habe ich jedoch nicht zu verantworten".

Welche Eigenschaften muss ein erfolgreicher Politiker denn überhaupt haben?

"Da muss viel zusammenkommen: Engelsgeduld, aber auch Durchsetzungsfähigkeit und - auch wenn es nicht überall gern gesehen ist - Konfliktbereitschaft, nicht zu verwechseln mit Streitsucht, ist sie eigentlich das Allerwichtigste. Sie schützt vor Bequemlichkeit. Wer nicht konfliktbereit ist, wird zwar als netter Mensch gesehen, kann aber nichts bewegen".

Worüber würden Sie sich im nächsten Jahrzehnt besonders freuen?

"Wenn es weiterhin so bleibt wie es ist, bin ich zufrieden". (am)
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