Einbruch in vier Sekunden

Symbolbild: dpa
 
Dieter Melzner: "Die Nachrichten über Einbrüche und Überfälle rütteln die Menschen auf."

Kriminalhauptmeister Dieter Melzner hat zur Zeit viel zu tun. In der Nordoberpfalz gibt er Tipps gegen Einbrüche. Er macht klar: Die meisten Häuser sind ungesichert. Besitzer können selbst einfach vorsorgen.

Die Frage "Wie kann ich mich effektiv gegen Einbrecher schützen?" beantwortet der Berater heute um 19.30 Uhr in Weihersberg im Gasthof Schreyer.

Herr Melzner, haben Sie gerade mehr Arbeit durch die Einbruchserien?

Dieter Melzner: Ja. Die Leute in der Region sind sehr sensibilisiert. Die Nachrichten von Einbrüchen und Überfällen rütteln die Menschen auf. Der Herbst ist generell die Hochzeit der Beratungen. Es wird dunkler und auch die Presse macht verstärkt auf die Thematik aufmerksam.

Wie beraten Sie?

Melzner: Besonders gefragt sind Beratungen, bei denen ich die Immobilien vor Ort begutachte. In der Polizeidirektion Weiden bin ich zuständig für die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt und für Weiden. Da bin ich schon jetzt bis Ende des Jahres ausgebucht. Ich halte zudem wie in Weihersberg Vorträge zum Einbruchsschutz, aber auch zu Enkeltricks und Kaffeefahrten.

Warum steigt die Zahl der Einbrüche bei uns?

Melzner: Fakt ist: Mehr als 90 Prozent der Täter sind Gelegenheitseinbrecher. Das heißt, ihnen geht es nicht um millionenschwere Kunstwerke an der Wand, sondern um die 30 Euro, die in jedem Haushalt herumliegen. Deshalb brechen sie auch meist in Einfamilienhäuser ein. Außerdem: 90 Prozent aller Objekte sind ungesichert.

Also sind die Hausbesitzer selbst schuld?

Melzner: Das würde ich nicht sagen, aber oft sparen Hausbauer im falschen Bereich. Brandschutz und Lärmschutz sind im Baurecht verankert, Einbruchsschutz nicht. Und 20 Jahre alte Fenster enthalten nun mal keinen Einbruchsschutz und sind sehr leicht zu öffnen.

Wie lange brauchen Einbrecher, um ein Fenster zu öffnen?

Melzner: Also mein persönlicher Rekord bei einem normalen abgeschlossenen Fenstergriff liegt bei vier Sekunden. Solch ein Fenster ist für die meisten Einbrecher kein Hindernis. Innerhalb von Sekunden machen sie jedes ungesicherte Fenster auf und sogar so, dass sie es danach wieder ganz normal schließen können.

Wie ist die Aufklärungsquote bei Einbrüchen?

Melzner: Sehr niedrig, bei knapp 20 Prozent. Einbrecher werden immer professioneller, hinterlassen oft keine DNA-Spuren und Fingerabdrücke. Natürlich ist auch der Aufwand der Ermittlungen nicht so hoch wie beispielsweise bei Mordfällen, bei dem die deutschlandweite Aufklärungsquote bei über 95 Prozent liegt.

Wie kann ich mich schützen?

Melzner: Das geht schon sehr effektiv mit gesicherten Fenstern und Türen. Es gibt Fenster, in die nach der Europanorm DIN EN 1627 ein Einbruchschutz integriert ist. Diese Fenster kann ein normaler Einbrecher nicht so einfach knacken. Alarmtechnik kommt meiner Meinung nach erst nach der Mechanik. Denn selbst wenn die Alarmanlage losgeht, haben Einbrecher trotzdem Zeit, bis die Hausbewohner realisieren, was los ist. Das größte Problem ist ja oftmals nicht der Sachschaden. Schwerer wiegen psychische Probleme nach einem Einbruch, wenn man sich im eigenen Haus nicht mehr sicher fühlt.
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