"Eine Bronx namens Auerbach"

Wenn die "Altneihauser Feierwehrkapelln" beim Frankenfasching austeilt, gibt's kein Pardon. Und es kommt in Zukunft noch dicker für die Franken, verriet Norbert Neugirg am Samstagabend den Fans in Auerbach.

Volles Haus, 1000 Zuhörer und gepfefferte Beiträge über Auerbach und seine Bürger: Der Auftritt der "Altneihauser Feierwehrkapelln" in der Helmut-Ott-Halle geriet für viele zum Höhepunkt der Veranstaltungsreihe zur 700-Jahr-Feier der Stadt. Vor ausverkauftem Saal zeigten sich die Altneihauser bestens informiert über Auerbach und seine Ortsteile. Mit viel Insiderwissen zogen sie kräftig vom Leder.

Norbert Neugirg, der dichtende Frontmann der Formation, begann mit einer Lobrede auf Pegnitz, als ob er zu Gast in der fränkischen Nachbarstadt wäre, bis ihm ein Techniker flüsterte, dass er auf einer Oberpfälzer Bühne stand. Wie ein roter Faden zogen sich die Seitenhiebe in Richtung Franken durch den Abend. Zum Beispiel versteht Neugirg nicht, dass der BR die Altneihauser immer wieder zum Frankenfasching einlädt. "Aber wir legen solange eins drauf, bis sie uns bei laufender Kamera von der Bühne verweisen, dann werden wir unsterblich!"

Der eingestrickte Ochse

Unsterblich wird der Abend in Auerbach wohl nicht, aber sicher unvergessen für ein begeistertes Publikum. Neugirg legte an Fahrt zu und nahm die denkwürdige Geschichte mit dem "eingestrickten" Auerochsen vor der Sparkasse aufs Korn - das Publikum brüllte.

"In Auerbach, da steht zur Zier ein Bronzeochs, das Tier ein Stier, was man am Gehänge sieht, das es stark nach unten zieht! Obwohl beim Bankhaus, das daneben steht, der Überziehungszins nicht runter geht. Durch die Gelder, die versackten, kam's zu einem Denkmalochsen mit recht nackten, der Zugluft ausgesetzten Teilen, was bei Damen, die vorm Stier verweilen, mit Blick zum Schritt zu Mitleid führt. Drum hat ein Strickkreis sich formiert, der den Auerochsen einst bestückte und ihm den Weichteilwärmer strickte, bei dessen Anblick Bürgermeister Neuß Humor und das Gefühl im Schritt verlor."

"Des Auerochsen Strickverzierung sah der Bürgermeister als Brüskierung. Er ließ den Bauhof aufmarschieren, den Ochsen sofort demaskieren. Die Wolle vom Gehänge nehmen, der Strickkreis sollte sich was schämen. Mag sein, es war bei Neuß der Neid auf des Ochsen Weichteilkleid!"

Erst zu Beginn der vergangenen Woche hatte sich der Kopf der Formation im Auerbacher Rathaus beim Chef desselben über Vorgänge und Ereignisse, sowie denkwürdige Mitbürger informiert. Und wie unsere Zeitung erfuhr, zapfte der Kommandant der Altneihauser auch das Vorzimmer des Stadtoberhaupts an.

Klar, dass auch die Entstehung der Bergstadt ins Visier des Sprachkünstlers Neugirg geriet. "Auerbach gibt's auf der Welt, nur weil das Kloster Michelfeld die Auffälligen, die man so kannte, aus Michelfeld verbannte. Für das Volk, das man verstieß, ein Elendsviertel gründen ließ, laut der Michelfelder Sprach' nennt diese Bronx sich Auerbach."

"So viel altes G'raffl"

"Drum kann die Stadt gut drauf verzichten, den Ruderstadel herzurichten, der vor 14 Jahren niederbrannte, weil die Feuerwehr zu spät erkannte, es dem Denkmalschutz zur Ehr' sinnvoller gewesen wär', der Feuersbrunst zu applaudieren statt die Schläuche einzuschmieren." Und außerdem: "Die 700 Jahre alte Stadt so viel altes G'raffl hat, das sich gleich, was hier zusammenfällt, der Schaden doch in Grenzen hält."

Aber auch über die Ortsteile und ihre "Beziehungsprobleme" wusste Neugirg Bescheid. In Hagenohe etwa soll das Internet so langsam sein, "dass die E-Mails auf dem Bildschirm bleiben und die Bürger sie von Hand abschreiben, dann in einen Umschlag geben und dem Milchauto mitgeben".

Auch als Musiker "top"

Die Kapelln zeigte sich aber nicht nur von ihrer komischen Seite. Alle neun Mitglieder sind versierte Musiker. Ludwig Schieder etwa, der virtuos die "Steirische" beherrscht. Oder die Schlagzeuger Reinhard Sturmreiter und Dominic Knott. Dass der Queen-Klassiker "We will rock you" eigentlich aus der tiefsten Oberpfalz, nämlich der "Binsnlouh", kommt, erfuhren die Zuhörer ebenso wie die Tatsache, das der Oberpfälzer Urlaut "ou" der Ursprung der amerikanischen Sprache war.

Drei Stunden volles Programm - damit ließen es die sympathischen Musiker nicht bewenden. Nach dem offiziellen Ende spielten sie im Foyer noch einige zünftige Stücke auf.
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