Eine ganz besondere Schatzkammer

Pfarrer Prof. Dr. Hans-Georg Gradl zelebrierte den Festgottesdienst zum Patrozinium der Wallfahrtskirche Weißenbrunn. Bild: ü

Deutliche Worte, deutliche Mahnung: "Die Armen sind der wahre Schatz der Kirche", zitierte Pfarrer Prof. Dr. Hans-Georg Gradl beim Patrozinium der Wallfahrtskirche Weißenbrunn den heiligen Laurentius. Und er übersetzte den Satz ins Heute - als Aufruf: "Nicht so vieles in die eigene Tasche wirtschaften, sondern sensibel für die leeren Taschen der anderen bleiben."

Mit dem kirchenmusikalischen Klassiker "Ein Haus voll Glorie schauet", gespielt von Hubert Haberberger auf der Orgel, begann die Messe zum Patrozinium der Wallfahrtskirche Weißenbrunn, die dem heiligen Laurentius geweiht ist. Den sehr gut besuchten Festgottesdienst zelebrierte Pfarrer Prof. Dr. Hans-Georg Gradl. Traditionell pilgerten am Samstag und Sonntag wieder sehr viele Gläubige aus der Oberpfalz und dem Frankenland nach Weißenbrunn.

In seiner Predigt stellte der Theologieprofessor die Frage, "was kann ich lernen von Weißenbrunn?" Zunächst einmal dies, erläuterte er: "Wenn Kirche nicht auch aus lebendigen Steinen besteht, verfällt sie oder verkommt zu einem Museum. So schön das Gebäude sein mag, ohne Menschen, die hier zusammenkommen, die diese Kirche gestalten, die sie zu einem Begegnungsort werden lassen, würde ihm die Seele fehlen. Alle, die hier beten, feiern, nachdenken und heiraten, haben der Kirche Zukunft gegeben."

Weißenbrunn mahne: "Die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit Eurer Kirchen hängt an Eurer Einsatzfreude und Hingabe", sagte Gradl. Die Gläubigen bezeichnete er deshalb als "lebende Steine der Kirche im idyllischen Goldbrunnbachtal".

"Eine stille Mahnerin"

Auch ihm selbst sei "Weißenbrunn eine stille Mahnerin", betonte der Prediger. "Wäre sie nicht da, würde auf dem Weg etwas fehlen. Sie zeigt nach oben, entschleunigt in der Raserei unserer Zeit, steht für Schönheit und Beständigkeit, Glaube und Hoffnung, für alles, was Kirche immer prägte und noch heute prägen sollte."

Dann ging der Geistliche auf den heiligen Laurentius ein, einen Diakon, der für die Armen, Witwen und Waisen im Einsatz gewesen sei. "Wenn man heute nach dem Kirchenschatz fragt, werden vermutlich zuerst Panzerschränke geöffnet und liturgische Gerätschaften vorgezeigt."

Weltliche Feier

Laurentius mahne jedoch, auch die andere Schatzkammer nicht zu vergessen: "Die Kranken, die Asylanten, die Behinderten und die Verzweifelten, die, deren Lebenskonzepte gescheitert sind, die gebrochen sind an Leib und Seele - sie sind der wahre Schatz der Kirche", erklärte Gradl.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von einer Jugendsinggruppe aus Degelsdorf unter Leitung von Hubert Haberberger sowie Solistin Evi Haberberger, die zur Kommunion ein irisches Segenslied sang. Auch die weltliche Feier des Patroziniums kam nicht zu kurz: Zahlreiche freiwillige Helfer aus der "Zirkendorfer Gmoi" sorgten dafür, dass es den Besuchern des Laurenzifestes kulinarisch gut ging. Auf der Speisenkarte standen unterer anderem Schweinebraten und Knödel, Kaffee und selbst gebackene Kuchen.
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