Eine Momentaufnahme
Prinzen

Wenn an dieser Stelle von Prinzen die Rede ist, wird weder die bekannte Leipziger Musikgruppe noch der blaublütige Nachwuchs diverser Königshäuser gemeint. Die Rede ist von der Jugendelite des Deutschen Schachbundes, der Prinzengruppe. Sie wird aus hoffnungsvollen, ambitionierten Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren gebildet mit dem Ziel, dereinst in die Fußstapfen der Schach-Nationalspieler zu treten.

Für sie zuständig ist Bundestrainer Dorian Rogozenco, während die Öffentlichkeitsarbeit der Nachwuchstrainer Bernd Vökler erledigt. Privileg der Gruppenmitglieder ist, von nationalen und internationalen Spitzentrainern betreut und gefördert zu werden. Jährlich wird der Kader sach- und fachgerecht bewertet und einzelne Mitglieder ausgetauscht.

Derzeit umfasst die Prinzengruppe vier Jungen und zwei Mädchen, unter ihnen auch die Erlanger WFM Hanna Marie Klek. Die vier Jungen, Matthias Blübaum (17, SV Werder Bremen), Dennis Wagner (17, SV Hockenheim), Rasmus Svane (17, Hamburger SK) und Alexander Donchenko (16, SC Hansa Dortmund) besitzen allesamt bereits den Internationalen Meistertitel, spielen in der Bundesliga und zeichneten sich im Schüler-/Jugendbereich bereits mehrfach als Deutsche Meister aus.

Zwei von ihnen, Blübaum, der vor kurzem seine dritte und letzte Wertung zum Großmeistertitel erspielte, und Wagner haben zur Jahresmitte mit dem Deutschen Schachbund ein "Schachjahr" vereinbart. Das bedeutet, dass sie nach ihrem Abitur für ein Jahr gezielt für internationale Schachturniere freigestellt werden. So erreichten bei der U-18-WM in Durban/Südafrika die Prinzen Blübaum (7,5 aus 11, Platz 4) und Wagner (7 aus 11, Platz 10) ausgezeichnete Platzierungen. Noch besser schnitt die "Prinzessin" WIM Filiz Osmanodja ab, die bei der weiblichen U-18 mit 8,5 aus 11 Vizeweltmeisterin wurde.

Sehen Sie den Sieg des Prinzen Blübaum gegen die deutsche Nr. 1, Arkadij Naiditsch, vom 2. Grenke Chess Classic, Baden-Baden 2014.

Weiß: Matthias Blübaum

Schwarz: Arkadij Naiditsch

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.b3 d5 6.Lg2 Sbd7 7.0-0 c5 8.cxd5 Sxd5 9.Lb2 cxd4 10.Sxd4 Tc8 11.Lxd5 exd5 12.Sf5 Sf6 13.Dd4 Tc6 14.Sa3 Lc8 15.De3+ Te6 16.Dg5 Tg8 17.Sb5 Txe2 18.Tac1 Le6 19.Df4 Se4 20.Sc7+ Kd7 21.Sxe6 fxe6 22.Sd4 Txb2 23.Df7+ De7 24.Dxg8 Sf6 25.Dh8 Df7 26.Sc6 Sg4 27.h3 Lc5 28.Txc5 bxc5 29.Sb8+ Kc7 30.hxg4 Kb7 31.Dd8 Dc7 32.De8 Dxb8 33.Db5+ Ka8 34.Dxc5 De8 35.Tc1 Dd7 36.Df8+ Kb7 37.Db4+ Ka8 38.Da3 Td2 39.Df8+ 1-0

Tagesnotizen: "Wie du mir, so ich dir", mag sich der Führer der schwarzen Steine in Taktikaufgabe Nr. 87agedacht haben. Die Partie hierzu wurde bei der diesjährigen U-18-Weltmeisterschaft in Durban/Südafrika gespielt. Der die schwarzen Figuren führende Kasache FM Ayan Akhmetov hatte zuletzt 0...Sf6xe4 gespielt in der Meinung "Schlägst du meine Dame, so schlage ich deine". Doch sein Gegner, der junge indische Großmeister Suri Vaibhav, wies diesen Zug als fehlerhaft nach. Was hatte Schwarz bei dieser kleinen Abtauschkombination übersehen?

Mit dem kleinen Tannenbaum als Vierzüger in Aufgabe Nr. 87b wünschen wir allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest. Wir vermuten, dass der schön gebaute, symmetrisch gewachsene Baum nicht so schnell nadelt. Stellungsbedingt scheidet ein symmetrischer Lösungszug aus. Wer diesen Baum in vier Zügen zum "Nadeln" bringt, sprich das Matt in vier Zügen erkennt, darf sich als großer Problemlöser betrachten. Also nur Mut und frisch ans Werk!

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 86a (Nakamura-Dambacher, W: Kb2, Db4, Te3, Tf2, Lg3, Sb5, Ba4, b3, c2, c4, g2, h4 [12], S: Kb8, Dg6, Ta5, Te8, Le4, Se5, Bb6, b7, c7, f5, g4, h5 [12]) wurde beim diesjährigen Euro-Cup in Bilbao gespielt. Der die weißen Figuren führende US-amerikanische Super-Großmeister Hikaru Nakamura hatte seinen niederländischen GM-Kollegen Martijn Dambacher strategisch überspielt. Insbesondere dessen Turm a5 nimmt nicht am Spiel teil. Mit seinem letzten Zug 0...Sd7-e5? hat Schwarz seinen Springer zentralisiert.

Diese grundsätzlich vorteilhafte Idee ist in der konkreten Partiestellung jedoch fehlerhaft. Schwarz hätte erkennen müssen, dass nun Weiß mit dem Qualitätsopfer 1.Txe4!die Schwäche der schwarzen Grundreihe nachweisen kann. Nach 1...fxe4 2.Lxe5 Txe5 (nach dem Rückopfer 2...Txb5 3.Dxb5 behält Weiß eine Mehrfigur) 3.Tf8+ Te8 scheint alles im Lot zu sein, doch 4.De7! gewinnt den Kampf um die Grundreihe. Weiß greift den gefesselten Turm e8 ein zweites Mal an. Nach 4...Txf8 gibt es gegen 5.Dxf8+ De8 6.Dxe8# nichts zu erfinden. 4...Tc8 gestattet 5.Dxc7+ Ka8 6.D(T)xc8#. Schwarz gab deshalb die Partie auf. Mit geschultem Blick hat der Super-Großmeister die schwarze Grundlinienschwäche erkannt und gnadenlos ausgenutzt.

Im Dreizüger der Aufgabe Nr. 86b aus eigener Werkstatt (W: Kg7, Dc4, Ta1, Th8, Lf1, Lh2 [6], S: Kh1, Db7, Ta8, Tb8, Lc6, Lc7, Bf2 [7]) stehen beide Könige sehr unsicher. Im Satz mit Schwarz am Zug könnte sich der weiße König nach einem Abzugsschach des Läufers c7 den Schachattacken der schwarzen Langschrittler nicht erwehren. Weiß am Zug, der auf der ersten Reihe und auf der h-Linie über jeweils eine Läufer/Turm-Batterie verfügt, muss deshalb zu einem kräftigen Schlag ausholen. 1.Dxc6+!

Der Schach-(Schlag-/Opfer-) Schlüssel lässt Schwarz keine Zeit zu einem Abzugsschach. Dieses gibt vielmehr Weiß nach dem erzwungenen 1...Dxc6 mit 2.Lb5+ unter Nutzung der Grundreihenbatterie. Das Schachgebot des Turms a1 kann Schwarz vierfach mit 2...Txa1, 2...Dc1, 2...f1 Umwandlung beliebig und 2...Kg2 parieren, ist jedoch immer gegen 3.L(x)c6#, zum Teil mit Fesselmatt, machtlos.

Ein Beispiel für die Macht der Batterie!
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