Eine satte Anzahl von Parzellen

Ein Blick auf Freudenberg: Im Vordergrund der alte Ortskern, im Hintergrund die Siedlung. Auch wenn es nicht den Anschein erweckt, es gibt sie doch, die Baulücken zwischen den Bebauungen. Bild: upl

Wie viele Baugrundstücke braucht Freudenberg? Sicherlich eine interessante Frage angesichts des demografischen Wandels. Doch spannender ist die Frage, wie viele Baugrundstücke in der Kommune noch frei sind. Und das sind jede Menge, berücksichtigt man all die Areale, die noch nicht bebaut sind, aber zwischen bestehenden Häusern fast schon untergehen.

Martina Dietrich vom Planungsbüro "Stadt und Raum" in Amberg kann die Frage nach dem Baulandbedarf in der Gemeinde Freudenberg sofort beantworten: Bis 2030 werden es 3,6 Hektar sein. "Die Menschen werden älter und weniger", sagt die Diplom-Ingenieurin. Und dies sei eine Entwicklung, die nicht nur auf Freudenberg zukommen wird, "sondern auf alle Kommunen". Denn alles deutet darauf hin, dass der ländliche Raum hinsichtlich der Bevölkerungszahlen weiter schrumpfen, die Region um München hingegen wachsen wird.

Riesiger Bedarf: Boomjahre

Martina Dietrich blickt zurück auf die 1950 bis 1970er Jahre. In dieser Zeit sei allerorts immenses Bauland ausgewiesen worden. Der Bedarf sei schließlich da gewesen in diesen sogenannten Boomjahren. Das Büro "Stadt und Raum" hat anhand von statistischen Daten errechnet, wieviel Baulandbedarf die Gemeinde bis zum Jahr 2030 haben wird: 3,6 Hektar. Ebenso errechnet wurde, welche Leerstände (ausgewiesene, aber noch nicht bebaute Parzellen) in Freudenberg, Lintach, Aschach und Paulsdorf existieren und welche Fläche diese zusammen ergeben. "Die Bilanz sind 75 erschlossene Bauparzellen", erklärt Dietrich. "Allein das wären schon sechs Hektar."

Doch tätig werden kann die Kommune trotzdem nicht, da sich diese Flächen im Privatbesitz befinden. Bürgermeister Alwin Märkl kennt die Problematik. "Da sind viele Bauplätze dabei, die für die eigene Familie vorgehalten werden." Doch er weiß auch von Fällen, wo Sohn oder Tochter längst irgendwo anders leben und kaum noch zurückkommen werden, um in Freudenberg zu bauen. Und vielleicht denke der eine oder andere Besitzer angesichts dieser Tatsache doch darüber nach, zu verkaufen.

Ein ganz schwieriges Thema ist laut Martina Dietrich die Entwicklung im Innenbereich, sprich dem Dorfkern. Doch auch diesbezüglich müsse das Ziel sein, Leerstände wieder zu besetzen. Deshalb müssten die Innenbereiche gestärkt und entwickelt werden. Denn einen Ort mache nicht nur der Wohnraum aus, sagt sie und zählt weitere Faktoren auf: Tradition und Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Feste und Freizeitmöglichkeiten, neue Wohnformen sowie Mobilität, Energie und Versorgung. "Stadt und Raum" hat berechnet, wie sich die Bevölkerung in der Gemeinde Freudenberg entwickeln wird. Insgesamt werde die Einwohnerzahl sinken. Ausgehend von der Anzahl der Bürger im Jahr 2009 wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2021 um 110 Menschen abnehmen. Abweichungen sind möglich, ist der Zuzug größer, wären es nur 40 Bürger weniger, bei einem verminderten Zuzug wären es 160 Personen. Der Anteil der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, werde in sechs Jahren bei 12,4 Prozent liegen.

Die Gemeinde Freudenberg will sich nach Worten von Bürgermeister Märkl jetzt speziell um die Baulücken kümmern. Dazu sollen in nächster Zeit die Eigentümer dieser Areale angeschrieben werden. Anhand eines Fragebogens soll herausgefunden werden, warum diese Flächen noch nicht bebaut sind. Martina Dietrich gibt auch eines zu bedenken: Je mehr Grundstücke auf dem Markt seien, desto schwieriger werde es in der Zukunft, sie loszubekommen. "Und wenn durch das Flächenmanagement nur zwei Baulücken geschlossen werden, ist das immer noch besser als keine einzige."

Erst die Lücken schließen

Die Nachfrage nach Bauland ist laut Alwin Märkl nach wie vor da. Seiner Meinung nach ist es aber der bessere Weg, erst die bestehenden Baulücken zu schließen statt neue Baugebiete auszuweisen. Stephan Dietrich von "Stadt und Raum" spricht ganz klar von einem Käufermarkt: Denn derjenige der etwas erwerben will, entscheide, wo und in welcher Qualität er wohnen wolle. (Hintergrund)
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