Einfach nur zum Wiehern

Auf großes Unverständnis stößt die Pferdesteuer bei Reitvereinen, Ponyhöfen und Pferdeliebhabern. Viele Einsteller haben Angst, wegen ihr Hobby nicht mehr ausüben zu können. Bild: lli

Auf Eis gelegt hat der Gemeinderat am Donnerstag die geplante Pferdesteuer in Eckersdorf bei Bayreuth. Dort gibt es fünf Reiterhöfe mit mehr als 200 Tieren. Da würde sich so eine Sondereinnahme schon rechnen für das klamme Gemeindesäckel. Und wie steht's im Stiftland?

Tirschenreuth.(lli)Reiten ist für viele der Sport schlecht hin. Gerade junge Mädchen wünschen sich oft nichts sehnlicher als ein eigenes Pony, das sie umsorgen können. Urlaub auf den Reiterhof ist bei vielen Familien daher sehr beliebt.

Rosalinde Wegmann, die Mitbesitzerin des Ferien- und Ponyhofs Wegmann in Rodenzenreuth bei Waldershof, ist nicht begeistert: "Ich bin strikt gegen die Einführung einer Pferdesteuer." Am Ferienhof haben unter anderem acht Pferde und viele weitere Tiere ein schönes Zuhause gefunden. "Wir bekommen ja auch keine näheren Informationen wie viel die Pferdesteuer letztendlich betragen würde", beklagt die Pferdeliebhaberin. "Wer wie wir einen Ferien- und Ponyhof betreibt, hat grundsätzlich schon hohe Unkosten. Und jetzt sollen auch noch die Pferde extra besteuert werden - davon halten wir alle hier gar nichts." Im Falle einer Einführung würde sie sich auch sofort an einer Unterschriftenaktion beteiligen, betont Rosalinde Wegmann.

Auch der Vorsitzende des Waldsassener Reitvereins, Theo Bergauer, hält die Einführung einer solchen Steuer für fragwürdig. "Reiten ist ein anerkannter Sport, der zudem noch die Gesundheit fördert. Und dafür sollen jetzt Steuern gezahlt werden?" Sollte es tatsächlich dazu kommen, sieht er auch den Fortbestand des Reitvereins kritisch. "Da die Kommunen selbst entscheiden können, könnte es passieren, dass beispielsweise Waldsassen die Pferdesteuer erhebt, Mitterteich aber nicht. Dann würden alle unsere Einsteller ihre Tiere anderweitig unterbringen." Der Verein besitzt zudem vier eigene Pferde. Neben den üblichen finanziellen Ausgaben würde also noch eine zusätzliche Belastung entstehen, was der Reitverein nur schwer stemmen könnte.

Der Reiterhof Heindl in Münchsgrün ist ähnlicher Ansicht: "Dass der Reitsport nur ein Privileg der reichen Leute ist, kann man so nicht sagen. Es stimmt, dass Reiten ein sehr zeit- und kostenintensiv Hobby ist", erklärt Johann Heindl. Aber anders als einen Tennisschläger kann man ein Pferd nun mal nicht einfach nach dem Gebrauch in eine Ecke stellen." Die Tiere müssten betreut werden, was wiederum mit hohen Kosten verbunden sei - sei es für Ausrüstung, Tierärzte, Hufschmiede oder Impfungen.

Demnach würde die mit dem Reitsport verwobene Industrie zudem unter der Pferdesteuer leiden. "Während andere Leute ihr Geld für teure Urlaube ausgeben, stecken es Pferdeliebhaber in ihr Tier." Ein weiterer positiver Aspekt des Hobbies ist für Heindl, dass Kinder - die heutzutage vermehrt vor den Spielekonsolen und Fernsehern sitzten - aus dem Haus kommen. Außerdem lernen sie Verantwortung zu übernehmen. "Mit so einer Steuer sind wir meiner Meinung nach wieder im Mittelalter angelangt, wo Wegezoll und Zuckersteuer die Großfürsten finanzierten." Was die Pferdesteuer anbelangt so sollte die Politik umdenken, betont Johann Heindl. Er selbst sei strikt gegen eine Einführung.

Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Lothar Müller, gibt Entwarnung: "Bis jetzt war die Pferdesteuer noch nicht im Gespräch", berichtet der Plößberger Bürgermeister. "So lange die Reiter beispielsweise auf die Sauberkeit der Wege achten, ist sie nach meiner Meinung nicht nötig." Für Kommunen sehe er andere Einnahmequellen als ergiebiger und sinnvoller an.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.