Einfach zu wenig Patienten

Schon wieder: Was Eschenbach 2012 mit dem Krankenhaus im Großen passierte, wiederholt sich gerade im Kleinen. Dr. Monika Attinger schließt ihre Praxis, geht nach Weiden - und das System verhindert einen neuen Internisten für Eschenbach.

(wüw) Die Praxis am Karlsplatz ist für immer zu, Dr. Monika Attinger nimmt eine Auszeit bis September, weil Fachpersonal fehle, begründet sie. Dass auch finanzielle Gründe eine Rolle beim geplanten Umzug nach Weiden spielen, ist aber kein Geheimnis. Wie beim Krankenhaus: Es kommen zu wenig Patienten. Den Eschenbachern rät die Medizinerin dann auch, nach Weiden zu fahren, wenn sie einen internistischen Facharzt brauchen. "Das haben die meisten doch bisher schon gemacht."

"Hände gebunden"

Weil die Internistin ihre Zulassung behält, gibt es für Eschenbach keinen Ersatz. Dabei war sich Bürgermeister Peter Lehr mit der Kliniken Oberpfalz Nord AG einig (wir berichteten). Der Krankenhausbetreiber sollte die Zulassung kaufen und einen Arzt im früheren Krankenhaus beschäftigen, der die Patienten übernimmt. Rita Stadler bestätigt die Pläne, aber auch das Scheitern. "Uns sind die Hände gebunden", sagt die Kliniken-Sprecherin. Nach wie vor sei die AG gesprächsbereit, ohne Zulassung gebe es aber keine Möglichkeiten.

Dass die Wege zum Arzt künftig weiter werden, sei ärgerlich, aber rechtlich absolut in Ordnung, erklärt Birgit Grain von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB). Die Organisation regelt, wo es wie viele Ärzte gibt. "Für jeden bayerischen Bezirk unterhalten wir einen Zulassungsausschuss", so Grain. In dem Gremium entscheiden je drei Ärzte und Kassenvertreter, wie viele Mediziner welcher Fachrichtung in einer bestimmten Region arbeiten dürfen.So sollen in einer Planungsregion 1700 Einwohner auf einen Hausarzt kommen. "Innerhalb der Planungsregion können Ärzte ihren Sitz aber frei wählen", sagt Grain. Als "fachärztlich tätige Internistin" kann sich Attinger in der gesamten nördlichen Oberpfalz niederlassen. Weil auf dem Gebiet das vorgesehene Verhältnis von Arzt zu Einwohner um mehr als das Doppelte übertroffen wird, gibt es keine Genehmigung für zusätzliche Ärzte.

Das gilt auch während der "Auszeit", die sich Attinger gönnt. Die musste die Ärztin zumindest von der KVB genehmigen lassen. "Mit ihrer Zulassung übernehmen Ärzte nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zu praktizieren", sagt Grain. Ein Arzt muss jeden Urlaub melden. Dauert die Pause über drei Monate, muss die KVB zustimmen.

Vertreter unbekannt

Zu konkreten Fällen gibt es von der KVB keine Auskunft. Attinger selbst sagt, dass ihre Pläne mit der KVB abgestimmt sind. Unklar ist allerdings, wer für Attinger während der Auszeit die Vertretung übernimmt. Ein Arzt muss bereits ab dem ersten Abwesenheitstag für Vertretung und "geeignete Bekanntgabe der Vertretung" sorgen, wie es in einem KVB-Merkblatt heißt. In der Regel verrät ein Aushang an der Praxistür, wer die Arbeit während der Abwesenheit übernimmt. Bei Attinger findet sich kein Hinweis. Auch das Personal konnte am Donnerstag nicht sagen, an wen sich Patienten wenden können.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.