Einst typische Geschenke zu Weihnachten
Dogga und Hetschergàl

Puppen bringt das Christkind noch immer, auch wenn sie Material, Aussehen und Kleidung betreffend dem Wandel der Jahrhunderte unterliegen, denn Puppen sind sehr alt. Was nur noch wenige Kinder hinter den Ofen hervorlocken dürfte und auf der Wunschliste nicht mehr ganz oben steht, ist das Schaukelpferd. "Früher gab's Weihnachten zwei Sachen für die Kinder - a Dogga und an Hetschergàl," sagt Alois Gillitzer. Das war auch in der Nachkriegszeit noch so. Gillitzer sind die beiden Dialektwörter bestens bekannt.

Schon im antiken Rom spielen Mädchen mit Puppen. In Nürnberg sind um 1400 laut Kleinem Bayerischen Sprachatlas Dockenmacher belegt. Die Puppen wurden meist aus Holz oder Leder gefertigt. Das einst in ganz Süddeutschland vorherrschende Wort ist Docke. Es ist schon im 10. Jahrhundert als althochdeutsches "tocka" in dieser Bedeutung bekannt. Das Oberpfälzer Wort Dogga ist eine dialektale Spielart des Begriffs Docke.

Dieser war einst in Bayern deutlich weiter verbreitet als Puppe, denn in Johann Andreas Schmellers Wörterbuch findet sich kein Stichwort für Puppe wohl aber für Docke. Auch ein Blick auf den Sprachatlas zeigt, die Docke war geläufiger als die Puppe. Inzwischen kennt das Wort nur noch die ältere Generation.

Die Dogga wurde von der Bupn (Puppe) verdrängt. Sie kommt im Deutschen erst im 15. Jahrhundert auf und ist aus dem lateinischen pûpa entlehnt. Erst später wiederum wird eine Insektenlarve als Puppe bezeichnet. Hatten die Mädchen endlich ihre Dogga zum Spielen, bekamen sie sowieso Vornamen und waren einfach die Anni, die Bärbel oder die Heidi.

Mit der Dogga ist auch der Hetschergàl verschwunden. Das Verb hetschern findet sich ebenfalls schon bei Schmeller. Es bedeutet soviel wie wackeln, zum Beispiel mit dem Kopf oder beim Gehen. Eine Hetsche ist aber auch eine Schaukel. Wer einen Säugling im Stubenwagen hetscherd, der wiegt ihn sanft hin und her.

Hetschern bedeutet ein gleichmäßiges, rhythmisches Hin- und Herschwingen. Dem Kleinen Bayerischen Sprachatlas zufolge ist das Substantiv Hetsche aus dem Verb hetschern entstanden. Im Altbairischen ist das Wort Hutsche geläufig. Damit eng verwandt ist laut Sprachatlas das in der Oberpfalz und in Oberfranken verbreitete Hetsche. Für Alois Gillitzer drückt hetschern behütet sein und Wohlgefühl aus, etwas Angenehmes allemal. Und auch an das Wort Hetschergàl knüpft er nur positive Erinnerungen. (ihl)
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