Elisabeth Pähtz ist 30
Frauenpower

Die unangefochtene Nr. 1 der deutschen Frauenrangliste, Elisabeth Pähtz, vollendete am 9. Januar ihr 30. Lebensjahr. Grund genug, ihre Vita näher zu beleuchten. Von Anbeginn wurde sie von ihrem Vater Thomas Pähtz, selbst Schachgroßmeister, trainiert und gefördert. Welchen Nutzen gezieltes Training zeitigt, ist an ihrem Beispiel deutlich ablesbar. Mit fünf Jahren (!) nahm sie erstmals an einer deutschen Damenmeisterschaft teil.

Ihre erste deutsche Meisterschaft gewann sie mit neun Jahren bei der U-11. 1995 wurde sie sowohl Vize-Europa- als auch Vize-Weltmeisterin der U-10. 1999, mit 14 Jahren, wurde sie Deutsche Jugendmeisterin. Höhepunkte im Jugendbereich waren ihre beiden Damen-Weltmeistertitel, 2002 bei der U-18 und 2005 bei der U-20.

___

Ein Höhenflug

___

Bei diesem jugendlichen Höhenflug ließen Fide-Titel nicht lange auf sich warten: 1998 weibliche IM, 2001 weibliche GM und 2004 Internationale Meisterin. In 1998, also mit 13 Jahren, wurde sie in die deutsche Frauen-Nationalmannschaft berufen und nahm seither an allen Schacholympiaden und Europameisterschaften teil.

Seit 1994 - als jüngste jemals eingesetzte Spielerin - ging Elisabeth Pähtz in der Frauen-BL für verschiedene Vereine ans Brett, seit 2009 für den unterfränkischen SC Bad Königshofen, mit denen sie fünfmal Meisterin wurde. Mit aktuell 2482 Elo-Punkten liegt sie auf Platz 26 der Frauen-Weltrangliste. Eine beeindruckende Schachkariere der jungen schönen Frau, die seit 2009 in Berlin Journalistik studiert.

Unsere Partie haben wir dem heute vorgestellten Schachkalender entnommen. Sie wurde 1909 in Stuttgart bei einem Blindzweikampf, also ohne Ansicht des Schachbretts, gespielt.

Weiß: Carl Schlechter

Schwarz: Jaques Mieses

1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.d4 Sf6 4.Sc3 Da5 5.Sf3 Sc6 6.Ld2 Lg4 7.Sb5 Db6 8.a4 Lxf3 9.Dxf3 a6 10.a5! axb5 11.axb6 Txa1+ 12.Lc1 Txc1+ 13.Kd2 Txc2+ 14.Kd1 Txb2 15.Da3 Tb1+ 16.Kc2 Txf1 17.Da8+ Kd7 18.Txf1 Sd5 19.Dxb7 Sxb6 20.Kb1 e6 21.Tc1 Sc4 22.Da8 g6 23.d5 exd5 24.Td1 d4 25.Txd4+ Sxd4 26.Dd5+ Ld6 27.Dxd4 Te8 28.Dd5 c6 29.Dxf7+ Te7 30.Dg8 Te1+ 31.Kc2 Te2+ 32.Kd3 Txf2 33.Dxh7+ Kc8 34.Kc3 Le5+ 35.Kd3 Td2+ 36.Ke4 Td4+ 37.Kf3 b4 38.Ke2 Td2+ 39.Kf1 b3 40.Dg8+ Kc7 41.Df7+ Td7 42.Dxc4 b2 43.Db3 Td5 44.Dc2 Tc5 0-1

Tagesnotizen:Mit Aufgabe Nr. 88abieten wir Ihnen eine Studie des bedeutenden, 1997 verstorbenen Problemkomponisten zum Lösen an, die im Problemturnier mit dem ersten Preis bedacht wurde. Weiß wird nur gewinnen können, wenn ihm sein Bauer erhalten bleibt. Die entscheidende Frage: Wie kann Weiß dies erreichen?

Zum Start in das Jahr 2015 zeigt Aufgabe Nr. 88b eine löserfreundliche Vierzüger-Zwillingsminiatur des renommierten Vaihinger Problemkomponisten, der auch als Kassenwart der "Schwalbe", der deutschen Vereinigung für Problemschach, fungiert. Sowohl in der a-Stellung als auch in der b-Stellung, in der der weiße König von Feld f6 nach c3 versetzt ist, steht der schwarze Eckensteherkönig auf patt. Wie Weiß wohl in diesen beiden Aufgaben das Patt auflöst?

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 87a (Yaibhav-Akhmetov, W: Kg1, Dd2, Ta1, Te1, La2, Lg5, Sh4, Ba4, b2, d4, f2, g2, h2 [13], S: Kg7, De7, Ta8, Te8, Lb7, Sd7, Se4, Ba6, b6, c6, d6, f7, g6, h7 [14]) wurde bei der letztjährigen U-18-WM in Durban/Südafrika gespielt. Der die schwarzen Figuren führende Kasache FM Ayan Akhmetov hatte gerade nach dem Motto "Schlägst du meine Dame, so schlage ich deine!" mit 0...Sf6xe4 den e-Bauern geschlagen. Doch nach 1.Lxe7! Sxd2 2.Tad1! wies der junge indische GM Suri Vaibhav den Springerschlag als Fehler nach. Der Springer d2 sitzt in der Falle. Er hat kein freies Fluchtfeld mehr und wird deshalb erobert. Der Läufer e7 dagegen bleibt Weiß erhalten, da er von Turm e1 ausreichend gedeckt ist.

Das Loch in der kleinen Abtauschkombination bescherte Weiß eine Mehrfigur, die auf diesem Spielniveau zum Partiegewinn ausreicht.

___

Gestalteter Baum

___

Mit diesem Vierzüger-Tannenbaum inAufgabe Nr. 87b (Pauly, W: Ke7, Le8, Sd6, Sf6, Bc3, e3, g3 [7], S: Ke5, De2, Le4 [3]) waren Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest verbunden. Wie geht man nun an die Lösung dieses schön gewachsenen symmetrisch gestalteten Baums heran? Fest steht, dass ein die Symmetrie aufrecht erhaltender Lösungszug stellungstechnisch ausscheidet. Doch mit 1.Ld7! stellt Weiß die Mattdrohung 2.Sf7# auf, nachdem der Läufer die Bewachung des Fluchtfeldes f5 übernommen hatte. Die Mattdrohung kann Schwarz mit 1...Lg6, 1...Ld5 und 1...Da2 parieren.

a) Nach 1...Lg6 setzt Weiß mit 2.Lc6 fort. Dieser Läufer übernimmt die Kontrolle über Feld d5, damit Weiß 3.Sd7# drohen kann. Diese Drohung pariert Schwarz mit 2...Le8 (nicht 2...Lf5 3.Sf7# und auch nicht 2...Dg4 3.Sc4#). Nach 3.Le4!, womit die beiden Läufer gegenüber der Ausgangsstellung ihre Plätze getauscht hätten, befinden sich die beiden schwarzen Figuren in einer Brennpunktlage. Die Dame muss die beiden Mattfelder c4 und g4 bewachen, der Läufer die Felder d7 und f7. Schwarz ist jedoch zum Ziehen gezwungen und muss eines der vier Felder preisgeben.

b) Ähnliches zeigt die Parade 1...Ld5. Dann 2.Lc8! Lg8 3.Sd7+ Kd5 4.Lb7#.

c) Auf 1...Da2, womit die Dame das Mattfeld f7 deckt, unterbricht Weiß mit 2.c4! deren Wirkungslinie und droht doppelt 3.Sf7#/Sg4#. Beide Felder vermag Schwarz nicht gleichzeitig zu decken.

Das spiegelbildliche 1.Lf7? (droht 2.Sd7#) würde an 1...Lc6 2.Lg6 Da2! scheitern.

Eine harte Weihnachtsnuss, dieser schwer nadelnde Weihnachtsbaum des Altmeisters der Symmetrie!
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.