Ely Eibisch aus Kaibitz entsorgt Klärschlamm von 25 Kommunen
Sauberes Geschäft mit Schlamm

Gemeinsam mit Sandra Hörl und Rudi Söllner (rechts) betreibt Ely Eibisch seit 2002 die Klärschlamm-Vererdungsanlage in Kaibitz.

Klärschlamm. Stinkend, unansehnlich und für nichts mehr zu gebrauchen. Falsch. Ely Eibisch aus Kaibitz entdeckte im Jahr 2002 eine Marktlücke und entsorgt mittlerweile für rund 25 Kommunen den Schlamm aus deren Kläranlagen. Er sieht darin eine klassische Win-Win-Situation.

"Mit dem Bau einer Vererdungsanlage habe ich aus der Not eine Tugend gemacht", erklärt Ely Eibisch, wie er im Jahr 2002 die Idee zu der Anlage hatte. Der 47-Jährige ist Landwirt. Eibisch bewirtschaftet rund 100 Hektar Ackerbau und Grünland. "Es gab einfach keine derartige Anlage in unserer Nähe, und somit auch keine Vererdung, wodurch hochwertiger Dünger gewonnen werden kann."

Vier Becken

Im Jahr 2003 nahm der Kaibitzer die ersten beiden Becken in Betrieb. 2005 kam Becken drei dazu, 2008 schließlich das Vierte. "Es war ein harter Weg, aber mittlerweile unterhalte ich mit rund 25 Kommunen eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit."

Eibisch tritt als Dienstleister auf. Vorrangig verfolgt er ein Ziel: den Schlamm als Dünger zurück in die Landwirtschaft zu bringen. Doch das ist nicht immer leicht, die Sicherheitsvorschriften streng: Seit 1992 gibt es eine Klärschlammverordnung, die Grenzwerte für Metalle und giftige Stoffe festlegt. 2012 wurde zudem eine Düngemittelverordnung verabschiedet. "Dadurch sind die Grenzwerte, unter anderem von Cadmium, Nickel und Quecksilber seit Januar erheblich gesunken." Deshalb sei immer mehr Schlamm nicht zur Vererdung geeignet. Seit Januar behandelt Eibisch den Klärschlamm in zwei Stufen: "Ich biete zwei Schienen an. Das geschieht alles innerhalb der zwei Verordnungen. Der ,gute' Schlamm kommt in die Beete, es entsteht hochqualitativer Phosphatdünger. Der ,schlechte' Schlamm wird verbrannt." Lediglich die Schlämme, die den vorgegebenen Werten entsprechen, kommen in die jeweils 30 Meter breiten Becken. Deren Längen variieren zwischen 85 und 145 Meter. Sie sind mit einer Folie und Kies, der sogenannten Filterschicht, ausgelegt.

Durch diese Schicht wird das Filterwasser gesammelt. Es fließt in die örtliche Kläranlage. "Folie und Kies verhindern, dass der Klärschlamm in den Boden gelangt. Zusätzlich wird der Boden mit Schilf angepflanzt. Das hat einen bestimmten Grund: Ohne das Schilf gebe es keine Vererdung. "Es nimmt die Nährstoffe auf und verdunstet das Wasser. Es kommt zu einer Mineralisierung. Das ist nichts anderes als eine biologische Verbrennung."

Manfred Spitzl, Umweltingenieur am Landratsamt Tirschenreuth, war an der Konstruktion der Anlage beteiligt. "Die dicke Folie am Boden ist verschweißt. Das Becken ist somit nach unten abgedichtet, das wurde von uns geprüft. Es ist nicht möglich, dass etwas versickert." Zudem haben die Becken Überlaufrohre. "Steigt das hochbelastete Wasser, wird es über die Rohre zur nahe gelegenen Kläranlage geleitet." Der Umweltexperte hält es für ausgeschlossen, etwas aus den Becken austritt und versickert.

"Ich hole den Klärschlamm selbst mit dem Lastwagen von den Kläranlagen ab. Dort fülle ich den Nassschlamm ab und bringe ihn anschließend in die Beete", erklärt Eibisch. Zuvor ist die Kommune verpflichtet, die Werte der Stoffe im Schlamm zu messen, so dass bereits zu Beginn festgelegt wird, ob der Schlamm den Normen entspricht und was mit ihm passiert. "Ich handle je nach Wert nach Vorschrift."

In dieser Woche wird eines der vier Becken zum ersten Mal geleert - nach zwölf Jahren Vererdungsprozess. Der Klärschlamm, der durch die Mineralisierung zu einem hochwertigen Phosphat-Dünger, auch Klärschlammerde genannt, geworden ist, wird gesiebt und auf die Nachlagerfläche gelegt, so dass er nachtrocknen kann. "Auch hier kommt noch einmal ein Experte ins Spiel. Er misst die Werte und kontrolliert, dass die Grenzwerte innerhalb der Verordnungen liegen."

Reinhard Höcht vom Landratsamt Tirschenreuth ist einer derjenigen, der die Werte im Schlamm abnimmt. "Alles, was in die Anlage von Herrn Eibisch kommt, ist Klärschlamm. Werden die Grenzwerte eingehalten, dann kann dieser anschließend auf die Felder gebracht werden."

Fürs Verbrennen zahlen

Nach dem Vererdungsprozess erreicht die Masse einen Wert von rund 65 Prozent Trockenmasse. "Wenn ich 90 Prozent erreichen würde, könnte ich die Klärschlammerde als Brennstoff nutzen - vergleichbar mit Braunkohle." Vor Kurzem stellte Eibisch eine Trockenhalle mit Fußbodenheizung fertig. "Wegen der Düngemittelverordnung hätte ich viele Schlämme nicht mehr annehmen können, da sie nicht vererdungs-tauglich sind." Der schlechte Klärschlamm wird in der Halle gelagert, die Wärme entzieht ihm die Flüssigkeit. Zuvor wird die Masse in der Kläranlage gepresst, um überschüssiges Wasser zu entfernen. "Für die Verbrennung zahle ich. Deshalb ist es wichtig, möglichst wenig Masse vom ,schlechten' Schlamm zu haben."

Rund 500 Tonnen Klärschlamm bereitete Eibisch alleine in diesem Jahr auf die Verbrennung vor. 1000 Kubikmeter Nassschlamm fanden den Weg in seine Beete. Weitere Becken seien nicht geplant. "Ich hoffe auf hochwertigen Dünger. Ich wäre selbst der beste Abnehmer", lacht Eibisch.

Spitzl und seine Kollegen kontrollieren regelmäßig. "Es ist nach dem Emissionsschutzrecht eine überwachungsbedürftige Anlage. Bislang gab es noch keine Probleme." Es gebe keinen Grund, warum die Bevölkerung beunruhigt sein müsste. "Klärschlamm wird seit Jahrzehnten auf die Felder gebracht", betont Höcht. Bislang lägen keine wissenschaftlichen Nachweise vor, dass durch die landwirtschaftliche Verwendung die Schadstoffanreicherung im Boden zugenommen habe. (Hintergrund)
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