Ely Eibisch führt am Tag des offenen Denkmals durch Kaibitz
Von Fälschungen und Waffen

Waffenexperte Josef Leypold durchleuchtete die Geschichte des Eisenhammers, aus dem 1712 eine Papiermühle und später eine Kunstmühle wurde. Bild: bkr
Ein kleiner Ort mit viel Geschichte. Ihn machte nicht nur das Fälschen von Dollarnoten im Dritten Reich bekannt. Der Straßenbau im Dorf wurde unter anderem damit finanziert. Einige Jahrhunderte weiter zurück in die Vergangenheit blickten die Besucher beim Tag des offenen Denkmals.

Kaibitz war nach dem 30-jährigen Krieg Teil der Kemnather Waffenschmiede in Fortschau. Bis 1710 wurden im dortigen Eisenhammer aus Eisenplatten Rohre für Gewehre geschmiedet. Rund 150 Besucher, schätzte Ely Eibisch, nutzten den Tag um nicht nur das ehemalige Hammerwerk und seine Geschichte zu erkunden. Einen Schritt zurück in die Vergangenheit führte ebenso der Besuch der Wirtschaftsküche des Gutshofes, die vor dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet wurde und in ihrem Bestand erhalten blieb. Selbst der alte Volksempfänger auf dem Küchenbüfett hat noch seinen angestammten Platz. Rund tausend Jahre trotzt die alte Eiche am Wirtschaftsweg von Kaibitz nach Kemnath Sturm und Wind. Auch ihr galt die Aufmerksamkeit.

3000 Gewehre wurden jährlich in Fortschau gefertigt. Hammerwerke entlang der Naab lieferten dazu die Rohre für das bayerische Kaliber 18,4 Millimeter. Über ihre aufwendige Herstellung führte Waffenexperte Josef Leypold ein. Er verriet, dass jedes siebte Rohr nach der Fertigung den Beschuss mit einer doppelten Ladung und zwei Kugeln nicht stand hielt. Sie zerriss es wegen des spröden Eisens aus Fichtelberg.

Rohre aus Platten zu schmieden war eine hohe handwerkliche Kunst. Schmieden, schleifen, bohren waren die wichtigsten Schritte. Wurden die Rohre dabei zu dünn, konnten sie gleich entsorgt werden. Auf direktem Weg wurden die Rohre nach Fortschau geliefert. Sein Augenmerk richtete er auch auf Kemnath. In jedem zweiten Haus war damals eine Büchsenmacherei. Jeder Bürger war verpflichtet ein Gewehr vorzuhalten und vier Mal jährlich an Schießübungen teilzunehmen. Aus der Fortschauer Waffenfabrik brachte Josef Leypold einige Gewehre und Pistolen mit.

Zwölf bis 15 Personen versorgte die Küche des Gutshofs. Der Speckstein-Boden und die Haken an der Decke lassen den Rückschluss zu, dass in dem Kreuzgewölbe einmal eine Metzgerei untergebracht war. "Eine Besonderheit ist der Kachelofen mit integrierter Heizung", informierte Eibisch. Viele ehrwürdige Küchengeräte gab es zu bewundern. Aufmerksame Blicke wurden belohnt.

Am Straßenrand bei der Schlossgutkapelle steht eine alte Eiche, die seit 1938 unter Denkmalschutz steht. Ein Schild verweist auf 400 Jahre, aber neuere Gutachten schätzen sie um 600 Jahre älter. Sie ist Teil einer alten bäuerlichen Kulturlandschaft, die der industriell geprägten Landwirtschaft in der Nachbarschaft gegenübersteht. Zur alten Kulturlandschaft zählt ein paar Schritte vorher auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Schlossgutkapelle. Ein Weiher umgibt sie von drei Seiten. Der Säkularisation sollte sie zum Opfer fallen. Der Umbau in einen Obstdörr-Ofen aber rettete sie.

"Über ihre Entstehung gibt es eine Sage", wusste Ely Eibisch. Eine Tierpest soll gewütet haben. Alle toten Tiere wurden in den Teich geworfen und auf ihnen wurde die Kapelle erbaut. Auf dem Weg zur Kapelle erblickten die Teilnehmer an einer Eiche noch ein Mahnmal. Dem Mädchen Senta ist es gewidmet. Ely Eibisch erzählte, das Mädchen stammte aus Bayreuth, war in Pferde verliebt und war mit ihren Eltern jedes Wochenende in Kaibitz. Im Alter von zehn Jahren wurde es von einem Auto in Bayreuth überfahren.
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