Ende auf der Guillotine

Eine lauschige Sommernacht und das Bühnenbild mit Lichteffekten im Innenhof des Schlosses Burgtreswitz schufen ein tolles Ambiente. Die vier Schauspieler stellten die bewegte Geschichte des bekannten bayrischen Räubers Kneißl vor 100 Jahren dar. Bild: gi

"De Woch' fangt scho guad a", sagte Räuber Kneißl, als ihn die Gendarmen aus dem Gefängnis zur Vollstreckung des Todesurteils abholten. Bis dahin hatte der Räuber wider Willen eine schwere Zeit zu durchstehen.

In einer lauen Sommernacht präsentierte das Landestheater Oberpfalz (LTO) ein Stück bayerischer Geschichte im voll besetzten Schlosshof: "Mein Bruder, der Räuber Kneißl" unter Regie von Till Rickelt. Die Gäste sahen Theater auf hohem Niveau. Der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Burgtreswitz, Peter Garreiss, und LTO-Geschäftsführer Frank Kasch freuten sich über die hervorragende Resonanz. Die Besucher waren restlos begeistert und der Applaus wollte nicht enden.

Die vier Darsteller entpuppten sich als wahre Verwandlungskünstler. Schnell mussten sie ihre Rollen und Kleider in der dramatischen und mitreißenden wahren Geschichte des späten 19. Jahrhunderts wechseln. Dazu sangen sie Lieder von Georg Ringsgwandl in Oberpfälzer Mundart.

Tragische Figur

Die verarmte Gastwirtsfamilie Kneißl geriet, geächtet von den Dorfbewohnern, in eine Spirale aus Armut, Ablehnung, Angst und Verzweiflung. Mathias Kneißl, eigentlich ein grundehrlicher Charakter, wurde zum Täter und Opfer zugleich. Schon in der Dorfschule, von fiesen Mitschülern und dem Lehrer gemobbt, begann sein Weg zur tragischen Figur. Wenn was gestohlen wurde, dann war es der von einer Italienerin abstammende Kneißl. Mit Schwänzen der Schule, Wilderei, Hehlerei und Diebstahl bringen sich Kneißl durch. Der Vater wird von der Polizei erschlagen, der Bruder Alois stirbt nach einer Schießerei im Gefängnis.

Totaler Einbruch

Mit Mathias geht es trotz allem aufwärts. Im Zuchthaus erlernt er das Schreinerhandwerk und findet einen Arbeitsplatz. Aber auch dort wird er von Arbeitskollegen und Kunden gemobbt. So muss ihn der Meister entlassen. Nun träumt er vom Auswandern nach Amerika mit seiner Cousine. Dafür brauchen sie Geld. Kneißl wildert und stiehlt wieder. Nun beginnt der totale Einbruch in Kneißls Leben. Die Bevölkerung liebt ihn zunächst, weil er wie Robin Hood der Staatsgewalt trotzt. Bei einer Schießerei sterben aber zwei Polizisten und er endet schließlich auf der Guillotine.
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