"Ende eines Lebensabschnitts"

Samuel Koch ist seit seinem Unfall als Kandidat bei "Wetten, dass..?" querschnittsgelähmt. Vor gut vier Jahren stürzte er während der Livesendung, als er mit Sprungfedern über mehrere Autos sprang. Bild: dpa

Samuel Koch: Sein Name ist seit seinem Unfall bei "Wetten, dass..?" vor vier Jahren eng mit dem Schicksal des ZDF-Unterhaltungsklassikers verbunden. Der querschnittsgelähmte 27-Jährige kommt am Samstag als Gast zum Finale.

Es war ein ganz gewöhnlicher Fernsehabend, ein Show-Samstag, wie er sich seit fast drei Jahrzehnten mehrfach im Jahr ereignete. Millionen Menschen hatten es sich in Deutschland an jenem 4. Dezember 2010 zu Hause gemütlich gemacht, als das Unfassbare geschah. Ein "Wetten, dass..?"-Kandidat blieb nach seinem missglückten Versuch, mit Sprungfedern über entgegenkommende Autos zu hüpfen, regungslos liegen.

Auftakt zum Rücktritt

Der Name des damals 23-Jährigen, der fortan querschnittsgelähmt blieb, wurde später zu einer tragischen Symbolfigur im deutschen Unterhaltungsfernsehen. Denn Samuel Koch ist eng mit der Geschichte der berühmtesten deutschen Fernsehshow, "Wetten, dass..?", verknüpft und gleichzeitig mit dem Schicksal des ewigen Sonnyboys Thomas Gottschalk (64), der Samuel Kochs verhängnisvollen Unfall in Düsseldorf zum Anlass nahm, um im Februar 2011 seinen Rücktritt zu erklären.

Ein Jahr danach war es soweit. Gottschalk ließ sich mit glänzenden Augen und unter minutenlangem Applaus des Saalpublikums für fast 25 Jahre "Wetten, dass..?" feiern. "Ich habe es für Sie gemacht", sagt er nach drei Stunden Show. "Und ich habe es gern gemacht." Die Sendung werde weitergehen, auch ohne ihn. "Wir alle sind nur Spuren im Sand. Es läuft Wasser drüber und es kommen andere Spuren. Es kommen andere, und mit denen wird das Publikum auch Spaß haben."

Sein Nachfolger, der glücklose Markus Lanz (45), hielt nur gut zwei Jahre durch, die Quoten brachen ein. Jetzt ist Schluss mit der Show. Und der Mann, der Deutschlands größten TV-Entertainer zu seinem Rückzug bewegte, sitzt zum Abschied bei Lanz. "Das Ende von 'Wetten, dass..?' ist auch das Ende für einen Lebensabschnitt von mir. Wir verabschieden uns voneinander", sagte Koch der "Bild"-Zeitung. Auf Gottschalk wird Koch nicht treffen. Der hatte schon vor Monaten signalisiert, dass er nicht beim Finale des Klassikers mitmachen werde.

Als "Prinz von Homburg"

Auch bei Koch war es wohl nicht so ganz klar. Er habe "eigentlich am Samstag eine Theatervorstellung gehabt", sagte der 27-Jährige, inzwischen Schauspieler geworden. "Doch die ist auf Sonntag verlegt. Damit gingen mir die Ausreden aus." Koch ist gerade im Staatstheater Darmstadt in einer Kleist-Inszenierung als kriegsversehrter "Prinz von Homburg" auf der Bühne zu sehen. Er habe mit sich gerungen und mit seinem Vater darüber gesprochen, sagte Koch über die letzte "Wetten, dass..?"-Sendung. Der Vater hatte bei dem missglückten Stelzensprung den Wagen gefahren, über den er sprang.

Er habe sich an seine Zeit als Kunstturner erinnert. Bei einem Sturz könne man den Wettkampf wegen der Punktabzüge eigentlich vergessen. "Aber Ehrensache: Man sammelt sich, meldet sich erneut an und turnt seine Übung zu Ende."

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