Enkel halten nicht mit

Wenn Hans Hiermaier mit seinen Inlinern Gas gibt, saust er schon mal an Radfahrern vorbei. Drei Mal in der Woche verausgabt sich der 70-Jährige beim Sport. "Ansonsten bin ich unleidlich", sagt Hiermaier. Diese Leidenschaft für die Bewegung gibt er beim VfB Rothenstadt weiter. Bild: Huber
 
Er liebt Schnee, Skilanglauf und hat das Langlaufzentrum an der Silberhütte mit aufgebaut. Es gibt aber auch Situationen, in denen Hans Hiermaiers Begeisterung für den Sport nicht ganz so offensichtlich ist. Doch genau diese anstrengenden Momente wie hier beim Biathlon sind es, die der 70-Jährige noch derart zu schätzen weiß, dass er zu dem Schluss kommt: "Ohne Sport bin ich unleidlich." Repro: hs

Der Mann hat Ziele, einen langen Atem und ein bisschen "Rücken". So ein Bandscheibenvorfall aber konnte Hans Hiermaier nicht davon abhalten, das Sportabzeichen in Gold zu holen. Zum 50. Mal. Das muss ihm erst mal einer nachmachen.

Ja, es hat nach dem Bandscheibenvorfall gezwickt beim 3000-Meter-Lauf. Auch das Kugelstoßen fiel nicht gerade unter die Kategorie Massage für den Rücken. Aber ein Sportler wie Hans Hiermaier kennt keinen Schmerz. Nur Disziplin und hartes Training. All die Strapazen erwähnt Ludwig Kastl nicht, als er Hiermaier im Vereinsheim zum Sportabzeichen in Gold gratuliert. Dafür betont der dritte Vorsitzende des VfB Rothenstadt, dass der 70-Jährige die Nadel zum 50. Mal erworben hat. Einmalig ist das im Kreis Neustadt/Amberg/Weiden: "Es ist eine Ehre, diesen Mann in unseren Reihen zu haben."

Seit 54 Jahren ist Hans Hiermaier Mitglied beim Verein für Bewegungsspiele Rothenstadt im Süden Weidens. Angeheuert hat er als 16-Jähriger beim VfB. Er spielte dort als Jugendlicher und später 24 Jahre lang bei den Alten Herren Fußball. Bereits mit Anfang 20 leitete er die Abteilung Leichtathletik. Sie existiert heute nicht mehr. An Hans Hiermaier lag's nicht: Er war dort genauso aktiv wie in anderen Sparten. Sogar Tennis hat er im Verein gespielt. Hiermaiers Hauptaugenmerk aber galt schon immer dem Skisport. Er war Mitbegründer der Langlaufgemeinschaft Weiden. 30 Jahre lang leitete er die Skilanglaufgruppe. Aktuell steht der Rothenstädter der Abteilung Skisport und Fitness vor.

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7,5 Kilometer Nordic Walking in 62 Minuten fordert der Leistungsplan des Sportabzeichens in der entsprechenden Altersgruppe bei den Männern: "Das ist jetzt kein Problem", sagt der 70-Jährige. "Sie müssen die Stecken mitnehmen, so machen Sie längere Schritte. Die Stocklänge muss natürlich auch passen ..." Schon ist der ehemalige Stabsfeldwebel der Sportfördergruppe bei der Bundeswehr in seinem Element, erklärt, motiviert - und erinnert sich: "Nordic Walking hatte ich bereits in den 70er Jahren in meinem Trainingsplan bei der Bundeswehr. Damals hieß es halt noch Skigang, und das Powerwalking waren die Schrittsprünge." Heute unterrichtet er auf Wunsch Nordic Walking beim Verein - gratis.

Dabei ist er selbst oft genug auf Achse. Drei Mal pro Woche sportelt der 70-Jährige mindestens. Mit dem Mountainbike ist er viel unterwegs. Mit Vorliebe aber skatet der ehemalige Biathlet mit den Inlinern überall dort, wo die Sicherheit gegeben ist. Auf 20 bis 25 Sachen kommt er im Schnitt. "Wenn ein Radfahrer nicht Gas gibt, überhol ich ihn. Mit 110er Rollen geht schon was." Mit Laufschuhen auch. Wenn Opa zum wöchentlichen Ein-Stunden-Lauf lossaust, bleiben die Enkel Kilian und Korbinian lieber daheim. Beide sind sportlich und wie Hiermaier Träger des Sportabzeichens in Gold. Aber bei Opas Tempo? "Da halten wir nicht mit."

"Sport hält jung", sagt Hiermaier, trinkt im VfB-Vereinsheim von seinem Kristallweizen und erklärt angesichts des skeptischen Blickes lachend: "Früher habe ich immer nach einem Skimarathon eine Halbe Bier getrunken und dazu eine Tafel Schokolade gegessen." Früher war Hiermaier bei der Bundeswehr Biathlet, hat dort achteinhalb Jahre nur Sport gemacht, war im Ski-Zug, hat mit der Sportförderergruppe und dem Rennrad ganz Europa abgefahren. Obendrein hat er das Leistungszentrum an der Silberhütte mit aufgebaut.

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"Da bleib' ich dran"

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"Sport hat bei mir immer dazugehört. Sport lebt von der Regelmäßigkeit. Sport hält jung. Wer über eine gewisse körperliche Fitness verfügt, kann tägliche Belastungen auch leichter schultern." Hiermaier hatte eine Menge an Belastungen. Auch nach der, wie er selbst sagt, "frühen Pensionierung" mit 51 und dem Glück einen Beruf zu haben, in dem er seine Leidenschaft für den Sport ausleben durfte. So wirkte er für den Rothenstädter Gemeinderat und nach der Gebietsreform 1978 als Weidener Stadtrat. Insgesamt 42 Jahre lang. Seit 30 Jahren übt er das Amt des Kirchenpflegers aus. Trotzdem nahm er sich immer Zeit für die Arbeit im Sportverein.

Aktuell geht es immer dienstags unter Hiermaiers Regie mit der VfB-Jugend zum Krafttraining in die Berufsschule. Im Sommer trainiert der 70-Jährige mit allen Interessierten im Verein für das Sportabzeichen, das er auch abnimmt. "Da sind Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination gefragt. Wer regelmäßig Breitensport betreibt, müsste es auf Anhieb schaffen", meint Hiermaier.

"Für mich war das Sportabzeichen immer eine Überprüfung meiner Leistungsfähigkeit." Mit Blick auf das Ergebnis mangelt's daran beim 70-Jährigen nicht. Zumal das Regelwerk 2013 umgestellt wurde. Nun hängt die Farbe Gold mit der Leistung zusammen und nicht mehr - wie einst - mit der Zahl der über die Jahre gesammelten Sportabzeichen.

Übrigens: Bereits mit zarten 20 Jahren nahm sich Hiermaier vor, 50 Mal das Sportabzeichen zu machen. Damals war er Leichtathlet und bei der Bundeswehr. Da hat er irgendwo über diesen älteren Herren gelesen, der genau das geschafft hat. Der junge Hiermaier war beeindruckt. "Ich dachte, das mache ich auch, da bleib ich dran." Es hat geklappt. Doch was nun? "Ich denke jetzt in Fünf-Jahres-Etappen weiter." Wie bereits erwähnt: Der Mann hat Ziele, einen langen Atem - und der Rücken ist nach intensivem Training längst wieder fit.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/meinvereinundich
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