Entsorger für ganz Westböhmen

1992, kurz nach der Grenzöffnung, begann das Engagement der Kraus Container GmbH aus Windischeschenbach in Tschechien. Der Vater der Brüder Christian und Markus übernahm einen Betrieb bei Pilsen. Inzwischen erledigt die Firmengruppe die Abfallentsorgung für Gemeinden in ganz Westböhmen.

Windischeschenbach/Planá. (bgm) 1995 gründete Kraus senior die "Igro" in Tachau, 100-prozentige Tochter der Kraus GmbH. Die Expansion startete mit dem Kauf eines landwirtschaftlichen Anwesens in Planá. Dieses 30 000 Quadratmeter große Areal besichtigten jetzt die Kreisverbände der Mittelstandsunion Neustadt und Tirschenreuth.

125 Mitarbeiter

Mittlerweile gliedert sich der tschechische Ableger von Kraus in drei Betriebe: die Igro in Planá, Ekosepar in Nyrany und Doos in Zruc. Mit Eko-I-Recycling in Cernosin gehört noch ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem kommunalen Betrieb dazu. 125 Beschäftigte arbeiten in den vier Unternehmenseinheiten, die allesamt Abfälle sortieren und aufbereiten.

Die Abfallentsorgung in Tschechien laufe mittlerweile so wie in Deutschland, erklärte Markus Kraus, der seit 15 Jahren auch in Tschechien wohnt. Nur Holzabfälle werden erst seit jüngerer Vergangenheit separat erfasst. "Bis vor kurzem war es noch interessant, Holzabfälle auf Deponien zu fahren." Knapper werdende Rohstoffe veranlassten den Gesetzgeber zum Umdenken.

In Deutschland dürfen thermisch verwertbare Abfälle seit 2005 nicht mehr gelagert werden. In Tschechien soll diese Regelung ab 2022 gelten, doch schon jetzt ziehen die Deponiepreise an. Igro schreddert die Holzabfälle. Daraus entstehen Werkstoffe oder Spannplatten. Auch Altpapier wird dem Produktionskreislauf zugeführt und vorwiegend zu Papierfabriken in Bamberg, Rudolfstadt oder Hof geliefert. 45 000 Tonnen Papier und Wellpappe gehen im Laufe eines Jahres durch die Sortieranlagen von Igro. 40 bis 50 verschiedene Sorten Kunststoffe werden in den Hallen der alten Kolchose in Planá geschreddert. "Die Mühle muss dabei immer sauber sein", erklärte Christian Kraus, der die über 20 Besucher der Mittelstandsunion um die beiden Kreisvorsitzenden Harald Gollwitzer und Leonhard Zintl über das Betriebsgelände führte.

Arbeitslosenquote bei 4,5

Unzählige Gitterboxen mit leeren CD-Hüllen, Kleiderbügeln oder Kunststoffteilen aus der Kfz-Produktion lagern auf dem Gelände. Erst wenn 50 bis 100 Gitterboxen einer Kunststoffsorte vorhanden sind, kommen sie in den Schredder, an dessen Ende feines Granulat für die Kunststoffproduktion herausrieselt.

"Man muss suchen, dass man loyale Leute findet", sagte Christian Kraus zur Arbeitsmarktlage. Die Arbeitslosenquote im Kreis Tachau liege bei rund 4,5 Prozent. Viele junge Tschechen gehen zum Arbeiten lieber nach Deutschland. Dabei sind die Unterschiede beim Lohn, insbesondere in Anbetracht der Fahrzeit, nicht mehr so groß. "Ich persönlich bin mir sicher, dass die Löhne in zehn Jahren von Deutschland nicht mehr weit weg sind", prognostizierte Kraus.

Das Gebiet, in dem die Kraus-Firmengruppe die Abfallentsorgung für die Gemeinden übernimmt, erstreckt sich bis 50 Kilometer südlich von Pilsen und 50 Kilometer westlich von Prag beziehungsweise über den Pilsner und Karlsbader Bezirk. Dabei müssen die Firmenchefs mit jeder Gemeinde eigene Verträge aushandeln. Nach der Besichtigung lud Markus Kraus die Gäste in seine Jagdhütte bei Planá ein. (Im Blickpunkt)
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