Enttäuschte Bürgerinitiative, zufriedener Investor

"In jedem Fall wird geklagt", reagiert Dr. Siegfried Burger , Vorsitzender der Gleiritscher "Bürgerinitiative Gegenwind", auf den Bescheid des Landratsamtes. Mit dem Rechtsanwälten der BI werden die Modalitäten festgelegt. Für Dr. Burger handelt es sich beim geplanten Windpark "definitiv um keinen vollständigen Antrag", da bis Oktober Gutachten "nachgebessert" worden seien. Folglich greife die Altantrags-Frist nicht. Dr. Burger führt "schwere fachliche Fehler" ins Feld, Gesichtspunkte, "die nicht so bewertet wurden, wie wir gehofft haben". Das Landratsamt habe den Bescheid "über die Interessen der Gleiritscher Bürger hinweg" noch vor der am 21. Dezember in Kraft tretenden, gesetzlichen 10-H-Regelung mit größeren Abstandsflächen erlassen. Mit Blick auf die Klage hofft er, "dass wir den Wald da oben noch retten können".

Der Gleiritscher Bürgermeister Hubert Zwack möchte im Gemeinderat darüber befinden, ob die Kommune auch Klage erhebt. Er sieht die Einwände der Kommune nicht berücksichtigt. Aufgrund der von der Gemeinde monierten "Fehler in den Antragunterlagen" hätte man den Antrag als nicht vollständig ablehnen müssen, meint er. Statt dessen würden Argumente wie Ortsbild, Denkmal- und Artenschutz vom Tisch gewischt. Für die Bürger von Gleiritsch und die zu den Windrädern hin ausgerichtete Wohnbebauung sei das ein herber Schlag. Hier gebe es "keine Terrasse und keinen Balkon, von wo aus man die fünf Dinger nicht anschauen muss".

Der Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler ist froh, dass eine Entscheidung auf dem Tisch liegt. Mit Blick auf die neue 10-H-Regelung muss die Stadt die Ausweisung der Konzentrationsflächen überdenken, mit der sie die Verspargelung der Landschaft vermeiden wollte. Eventuell erübrige sich das Verfahren mit dem Gesetz. Mit dem Bescheid des Landratsamtes werde deutlich, dass es sich um zwei getrennte Verfahren handle, meint Tischler zu dem Umstand, dass die Gleiritscher der Stadt den schwarzen Peter zugeschoben hatten. Seine grundsätzliche Meinung: "Wir können auf regenerative Energien nicht verzichten".

Dr. Christian Deglmann hat den Bescheid gestern um 12.30 Uhr am Landratsamt erhalten. "Wir haben alle Fachstellen befragt, Sachverständige hinzugezogen". Sie seien zu dem Schluss gekommen, dass der Standort für Windräder geeignet sei. "Das Landratsamt hat nach Recht und Gesetz gehandelt", ist er sicher. Die 20-Millionen-Investition der Management GmbH soll "Ende 2015, Anfang 2016" in Betrieb gehen. Einer Klage sieht Deglmann gelassen entgegen. Dann würde sich der Bau zwar verzögern. Der Geschäftsführer der Investor-Firma geht aber davon aus, "dass die Klage erfolglos bleibt".

In Zusammenarbeit mit dem Trausnitzer Wasserpumpspeicherkraftwerk der GDF-Suez entwickle sich ein "Vorhaben mit Pilotcharakter". Deglmann und GDF arbeiten auf eine Partnerschaft hin, "um für die überschüssige Energie das nahe liegende Speichermedium zu nutzen". Und auch die Bürgerenergiegenossenschaft (Bemo) könne von der Anlage partizipieren. (cv)
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.