Entweder - oder, Katz oder Koder
Der doppeldeutige Koder und seine Redewendungen

Was für ein Katzenjammer, wenn man nach einer durchzechten Nacht mit einem Koder oder Kodl aufwacht. Bild: Unger
Die Katze ist in vielen Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten präsent: Man bekommt den Hinweis, die Katze "nicht im Sack" zu kaufen, man solle die Katze "beim Schwanz packen", wenn etwas nichts wert oder alles umsonst ist, so ist es "für die Katz". Oft bekommt man auch den Hinweis, eine Katze lasse das Mausen nicht. "Wenn Hund und Katze sich vertragen, so ist Friede im Haus" überliefert schon Schönwerth für Neuenhammer und am liebsten frisst die Katze jene Mäuse, die sie selber gefangen hat, überliefert ebenfalls Schönwerth. Seine Sammlung "Sprichwörter des Volkes der Oberpfalz in der Mundart" bringt über 30 Nachweise unter dem Stichwort "Katze", für den Begriff "Maus" gerade mal die Hälfte. Allerdings findet sich meiner Ansicht nach dort eines der Originellsten: "Is an anders Korn, hod da Müller gsagt, und hod in's Mausdräckl eibissn."

Ein bekanntes deutsches Sprichwörterlexikon weist sogar 1000 (!) Redensarten nach, die mit "Katze" zu tun haben. Sie sind ein Beleg dafür, wie nahe die Stubentiger dem Menschen eigentlich stehen. Ihre Domestizierung erfolgte wahrscheinlich nicht im alten Ägypten, wie bisher angenommen, sondern in Mesopotamien. Die Angst vor schwarzen Katzen übernahmen die Griechen von den Babyloniern und bis heute gilt die schwarze Katze, die einem über den Weg läuft manchen abergläubischen Zeitgenossen als Anzeichen für ein kommendes Unglück. Den Römern war die Katzenverehrung der Ägypter suspekt und sie nutzten zur Mäusejagd statt der Katze lieber das Frettchen.

Mit dem Anwachsen der Bevölkerung im Mittelalter wuchs auch die Bedeutung der Katze als Haustier in Mitteleuropa, vor allem zum Schutz der Vorräte durch ihre fleißige Mäuse- und Rattenjagd. Trotz ihres Nutzens wurden die Katzen im mittelalterlichen Aberglauben zum dämonischen und Unglück bringenden Wesen. Vor allem schwarze Katzen galten als Begleiter von Hexen und als Schüler des Teufels. In der Oberpfalz existierte die Vorstellung, dass aus einer neunjährigen Katze schließlich eine Hexe werde. Während Großkatzen wie der Löwe als Symbol der Macht und der Stärke in vielen mittelalterlichen Darstellungen und Wappen Verwendung finden, wurde die Hauskatze erst in der Renaissance als Kunstobjekt entdeckt: Leonardo da Vinci schuf das erste Katzenbild.

Wenn sich die Katze putzt, kommen Gäste, prophezeien die Oberpfälzer. Bis heute gilt nicht nur die Vorstellung, die Katze habe neun Leben, sondern sie falle immer wieder auf die Füße. Soll ein gewisses Vorhaben nicht gleich hinaus posaunt werden heißt es, wenn die Katz zum Mausen geht, "nou schreits niad Miau". Bekannt ist auch die Tatsache, dass "in an zrrissna Soock neun Katzn koi Maus fanga" würden. "A Katz braucht koan Kalender", wusste schon Schönwerth, "kummt da Mirz, mouß flenna". Er böigt woi a Mirznkodl", heißt es ergänzend, wenn jemand sehr weint, denn der Katzenjammer in der Raunzzeit hört sich eher kläglich an.

Allerdings wird der Katzenjammer eher mit den Folgen einer durchzechten Nacht in Verbindung gebracht, als mit den werbenden Liebeslauten der Katzen. Mit dem Katzenjammer in Zusammenhang steht vermutlich auch der Kodl (medizinisch "Alkoholintoxikation"), der mit der männlichen Katze nichts zu tun hat. Die Wörterbücher sind sich nicht einig, wo der Name Koder für den Zustand eines Kopfes nach exzessivem Alkoholgenuss herkommt. Allgemein wird vermutet, die Bezeichnung stammt aus der Studentensprache als Verballhornung des Wortes "Katarrh". Doch schon Schönwerth wusste das Gegenmittel: "Af an Katznjammer ghört a frische Maß Boia". Ob jetzt die Maß Bier tatsächlich gegen den Kater hilft: Entweder - oder, Katz oda Koder. (hw)

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Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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