Er möchte milde davonkommen

Der Mann hätte gerne eine Verurteilung wegen Totschlags im Affekt. Denn darauf, so erzählte es der wegen Mordes angeklagte 47-Jährige einer Klinik-Bediensteten, gebe es "drei bis vier Jahre". Die Frau berichtete das am vierten Prozesstag vor dem Schwurgericht.

Amberg. (hwo) Damit, dass der aus Weiden stammende Angeklagte erneut ausfällig und beleidigend werden würde, war gerechnet worden. Deswegen saßen vier Uniformierte in unmittelbarer Nähe des Mannes. Dann kamen Zeugen, die ihm nicht passten. Zunächst die beste Freundin seiner Frau. Die 32-Jährige ließ wissen: "Schon im Dezember hat sie gesagt, dass sie nicht mehr kann." Ab dann hagelte es zügellose Beschimpfungen. "Miststück" wurde die Zeugin genannt. Sie ließ sich zunächst nicht beeindrucken. Die Zwischenrufe gingen weiter. "Du hast mit ihr unter einer Decke gesteckt", wurde der Frau von dem 47-Jährigen vorgeworfen. "Wenn Sie jetzt nicht ruhig sind, werde ich Sie ausschließen", kündigte deshalb die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber und tat es an diesem Tag noch insgesamt fünf Mal. Doch zu einem Ausschluss kam es nicht, stattdessen gab es Beruhigungspausen.

Drohung im Gerichtssaal

Als dann ein heute 29-Jähriger gehört wurde, bestätigte er, mit dem späteren Opfer eine intime Beziehung unterhalten zu haben. Er hatte das Ehepaar gekannt, war auch in der Schnaittenbacher Wohnung gewesen und bekam wohl mit, dass manches aus den Fugen geraten war. Als der Zeuge ruhig und sehr gefasst seine Angaben machte, schäumte der Angeklagte. Er schrie: "Es kommt der Tag, an dem ich mich von Mann zu Mann mit dir unterhalten werde." Wieder blieb es nur bei Ermahnungen und Zeuge bekam sogar zu hören: "Ich hätte besser dich umbringen sollen." Vor der Bluttat, bei der die 38-Jährige 53 Stiche und Schnitte versetzt bekam, hatte sie mit ihrem Liebhaber per Handy kommuniziert. Sie schrieb, "der spinnt wieder" und erhielt zur Antwort: "Frag ihn, was der Sch... soll." Kurz danach kam es zu dem gewaltsamen, tödlichen Übergriff im ersten Stock des Anwesens an der Rosenbühlstraße.

Die Aussagen der Zeugen formten den Eindruck, dass die Mutter dreier Kinder weg wollte von ihrem Mann. Das hatte sie einigen ihrer Bekannten gesagt und auch einer Stieftochter aus der ersten Ehe ihres Partners mitgeteilt. Die heute 20-Jährige war damals kurz vor der Tat gerade zu Besuch in Schnaittenbach. Sie berichtete: "Man weiß nie, was er gerade denkt."

Kann es sein, dass die Richter sehr bewusst in Richtung eines Totschlags im Affekt gelenkt werden sollen? Der 47-Jährige war Wochen nach der Festnahme in seiner Zelle gefunden worden. Er zeigte Ausfallerscheinungen, hatte mehrere Abschiedsbriefe mit Entschuldigungen für die Tat geschrieben. Unter anderem an seine tote Frau. "Warum musste es so kommen, mein Engel?", fragte er darin. Auch das wurde vorgelesen: "Ich liebe dich so sehr, dass ich nun den Tod verdient habe, weil ich dein Leben dir nahm."

Bloße Inszenierung?

Die Anstaltsärztin ging von einem Suizidversuch aus und ordnete eine Überstellung ins Klinikum an. Tatsache war: Der Mann hatte in der JVA über Tage hinweg Medikamente gesammelt und sie dann auf einmal eingenommen. Hätten sie tödliche Wirkung haben können? Eher nicht, ließ ein Sachverständiger verlauten.

Im Krankenhaus gab es dann ein Gespräch zwischen dem Angeklagten und einer Bediensteten. Sie erinnerte sich jetzt, dass er sinngemäß sagte: "Ich habe meine Frau getötet. Quasi im Affekt. Da kommt man mit drei bis vier Jahren davon." Die Klinikums-Angestellte offenbarte ihre Gedanken nun dem Schwurgericht. Sie war damals der Ansicht: "Jetzt macht er einen auf psychisch."
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