Erdung in einer Zeit der Ikonen

Für Dekan Michael Hoch hat das Landleben durchaus Zukunft.

Kirche und Gemeinschaft auf dem Land sind kein Auslaufmodell: Dekan Michael Hoch entwickelte beim Landfrauentag in der Nordgauhalle tragfähige Zukunftsperspektiven.

Nabburg, (cv) Lieder des Landfrauenchors, 50 "Kuchenunikate", Modenschau und jede Menge Ehrengäste, die der Arbeit der Landfrauen Respekt zollten: Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, Landtagsabgeordneter Alexander Flierl, Landrat Thomas Ebeling, des Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Reinhold Witt, und Bezirksbäuerin Stilla Klein wurden von Kreisbäuerin Barbara Hanauer ans Mikrofon gebeten. Bürgermeister Armin Schärtl sprach humorvoll von einer "Feuertaufe" für den Dekan: Der letzte Gast, der evangelische Landesbischof, habe einen Karrieresprung zum deutschen EKD-Ratsvorsitzenden gemacht: "A weng a Regionalbischof wird scho drin sein". Dekan Michael Hoch schilderte launig, wie er zu der Einladung kam: Nämlich als BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann "das Wasser bis zum Hals stand" - bei einer zufälligen Begegnung im Schwimmbad. Der Kirche und der Land-Gemeinschaft gibt Hoch auch in Zukunft gute Chancen. Er verkennt nicht: Betriebe lassen sich schwer halten, Vereine haben Nachwuchssorgen, das Arbeitsleben ändert sich, Ehrenämter sind zäh zu besetzen und "auch in der Kirche trifft man längst nicht mehr alle".

Wie können die Dorfbewohner dieser Entwicklung begegnen? Hoch appellierte an die Frauen "das Diktat der Zahlen" nach dem Motto "immer höher, schneller, weiter" zu vergessen, um nicht am Kern und Wert des Lebens vorbei zu leben. Vielmehr sollte sich jeder fragen, was er auf dem Dorf und in der Kirche schätze: "Wenn mir die Gemeinschaft, die Tradition, wichtig ist, hat das Folgen: Gemeinschaft ist nur durch das persönliche Einbringen möglich". Hoch riet auch, sich dabei "von unrealistischen Erwartungen zu verabschieden und wertzuschätzen, was wir haben". Leben auf dem Land sei keine heile Welt und die Familie entspringe keinem Rosamunde-Pilcher-Roman.

Eine Mitte und Werte

"Beginnen wir, den Wandel nicht zu bejammern", meint Hoch mit Blick auf den Bevölkerungsschwund. Jedes Jahr schrumpft die Gemeinschaft im Dekanat Nabburg um ein, zwei Prozent. Das waren im Vorjahr 600 Menschen. "Doch wenn etwas gehe, entstehe Neues: "Wir sind vom heiligen Geist begabte Menschen, haben eine Mitte und Werte". Aus dieser Mitte heraus "müssen wir die Initiative ergreifen. Werden wir als Kirche auf dem Land wieder einladender, setzen wir Impulse". Der Appell des Dekans: "Leben Sie Solidarität aus dem Glauben heraus" - und nicht nur mit denen, die einem "zur Nase stehen". In einer Zeit austauschbarer Ikonen schätzt Hoch die ungeschminkte, geerdete Persönlichkeit der Landbewohner: "Man lebt auf dem Land mit dem Land, der Natur und der Schöpfung. Man lebt bewusster. Das ist das, was heute so viele suchen".
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