Erichs bitter-böse Geburtstagsfete

Den Schwiegersöhnen Erich, gespielt von Manfred Bruckner, und Hagen alias Peter Maier (rechts) sowie Tochter Eyelyn (Mitte) hat Hetty schräge Kopfbedeckungen verpasst. Bild: Baehnisch

Der Titel ist Programm: Woodpop inszeniert "Genug ist nicht genug" - eine Homestory von Nick Walsh um familiäre Befindlichkeiten - und zelebriert sie auf Erichs Geburtstagsfeier. Das Publikum feiert gerne mit.

Nabburg. (cv) Woodpop hat die Messlatte hoch gelegt: Fünf Sprechrollen, das ist 90 Minuten Bühnenpräsenz. Von Anfang an lebt "die Familie" in ihren Rollen. Manfred Bruckner - mit messerscharfem Haarschnitt und messerscharfer Zunge - verkörpert Erich, den Selfmademan, der sich in der Rolle des egoistischen Zynikers gefällt. Eigentlich wollte er sich seinen nahenden Geburtstag nur mit einer Flasche südafrikanischen Chardonnay schön trinken. Wenn da nicht seine Ehefrau Helga eine Geburtstagsfeier für ihn ausrichten würde. Gastgeber Erich ist in Geberlaune, wenn es um das Austeilen von Gehässigkeiten geht.

Der Abend der Absagen

Erichs Frau, die gertenschlanke Ute Czichon, hat sich optisch um 20 Kilo aufgepolstert, gibt das duldende Hausmütterchen, dem ihr Mann auch den letzten Rest von Selbstvertrauen genommen hat. Dann kommt telefonisch eine Absage nach der anderen. Die einzigen Gäste sind Helgas mondäne Schwester Evelyn und ihr Mann Hagen. Monika Zwack schlüpft in die Rolle der bissig-scharfzüngigen Beobachterin, der Analytikerin menschlicher Schwächen. Nachsicht hat sie nur mit ihrem Ehemann Hagen, gespielt von Peter Maier. Er verkörpert den gutmütig-vertrottelten Beamten, der in seiner linkisch-ungeschickten Art alles zu Bruch gehen lässt. Häme bekommt er von allen Seiten ab - kein Wunder angesichts seines "Schraubenziehermassakers" an einem Handtuchhalter.

Gift und Pointen

Die Giftpfeile werden hin und her geschossen, präpariert mit Pointen, kleinen Gehässigkeiten, den ganz alltäglichen Streitereien. Zwischen Lachshäppchen und Pfifferlingrahmsüppchen gibt es Familienkost: über die bucklige Verwandtschaft, anödenden Smalltalk über das im Urlaub entdeckte "kleine Weingut kurz vor Kapstadt" oder die Röteln der Kinder in den Dänemark-Ferien. Doch es geht auch um so weltbewegende Themen wie den Müllkalender, dem Erich "ungewollt" eine zu Lachtränen rührende Note verleiht. Ein Gag auch Hagens Brillendebakel - Peter Maier ist im richtigen Leben Optiker.

Rechthaberische Kleinkriege werden ausgetragen, heftige Dialoge spitzen sich bis zur Rauferei zwischen Hagen und Erich zu. Dann der Überraschungsauftritt in der letzten Minute des erste Aktes: Hettis Erscheinung macht schon Appetit auf den zweiten Akt. Denn im Familienshowdown taucht überraschend die Mutter von Evelyn und Helga auf: Tine Fiala, laut, schrill und egozentrisch im bonbonfarbenen Kostüm, kündigt den Töchtern den "neuen Daddy" aus Miami an. Sie singt das hohe Lied auf die Familie, hat allerdings vier Ehemänner verschlissen.

Die schonungslose Dramaturgie der Familie, deren äußere Fassade nichts mit der Realität gemein hat, erhält durch Hagen eine versöhnliche Note: Er freut sich, wenn er "nach Hause kommt und nichts Schlimmes passiert ist". Dann erzählen er und seine Frau sich "Kleinigkeiten, die das Leben ausmachen und ich freue mich darüber".

Die Mischung zwischen fein- und grobsinniger Heiterkeit, freche Dialoge, das Aufeinanderprallen exzentrischer Persönlichkeiten prägen das Stück. Fassaden beginnen zu brökeln, Kräfteverhältnisse verschieben sich. Und das alles wird mit Spielwitz und Situationskomik serviert. Um Mitternacht ist dann ein vielstimmiger Gesang der Geburtstagsgäste aus dem Garten zu hören - wo doch Erich gar nicht mehr Anstoßen wollte. Wer noch mitfeiern will: Für die Aufführungen am kommenden Freitag, Samstag und Sonntag gibt es einige wenige Restkarten bei Schreibwaren Westiner und Optik Maier.
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