Erinnerungen ans Kriegsende in Michelfeld - Lazarett für viele Verwundete
Bomben während der Messe

Personal des Lazaretts in Michelfeld (1944) mit Militärärzten, Sanitätern und Michelfelder Schwestern, die als Krankenschwestern arbeiteten, und Zivilangestellten. Repros: eb (2)
Heute vor 70 Jahren, am 20. April 1945, war für Michelfeld der Krieg zu Ende. Die Besetzung durch die Amerikaner stieß auf keinen Widerstand. Ortspfarrer Georg Scheder zeigte Mut und ging den US-Soldaten entgegen und zur gleichen Zeit wehte am Turm der Sankt-Leonhards-Kirche bereits die weiße Fahne als Zeichen der Ergebung.

Feuer wütet in Nasnitz

Während im zerschossenen Nasnitz das Feuer wütete und auf Troschenreuth Bomben fielen, kam der Ort Michelfeld heil davon. Es war auch das hiesige Lazarett, das die amerikanischen Kampfgruppen vom Schießen abhielt.

Zur Erinnerung: Am 4. September 1941 wurde das Kloster Michelfeld für das Militär in Beschlag genommen. Die Schwestern und auch einige Bewohner des vormaligen Pflegeheimes wurden nun im Lazarett an verschiedenen Stellen eingesetzt. Doch zuvor veranlasste das Nazi-Regime, dass 220 geistig Kranke in das Vernichtungslager kamen.

Mit vorgehaltener Hand sprachen die Leute von den Konzentrationslagern, besonders Dachau und später auch Flossenbürg fanden Erwähnung. In der Gemeinde mussten immer mehr Bürger zu den Waffen und der Krieg forderte seinen Tribut. Ansonsten war für die Leute auf dem Lande die Front weit weg. Die feindlichen Flieger überflogen die Ortschaft nur nachts. Das änderte sich aber ab Januar 1945, als der Großangriff auf Nürnberg startete. Am hiesigen Kalvarienberg konnten die Michelfelder den feuerroten Himmel mit Angst und Sorge betrachten, viele hatten in der Großstadt Verwandte.

Am letzten Märztag 1945 detonierten während des Gottesdienstes im nahe gelegenen Wald, am Fischsteiner Steig, einige Bomben. Es war Ostersonntag und unter den Gläubigen brach Panik aus. Schnell waren die Sanitäter des Lazaretts zur Stelle. Sie forderten die Leute auf, das Gotteshaus nicht zu verlassen, bis die Gefahr vorüber war.

Angst vor den Tieffliegern

In den kommenden Tagen sorgten Tiefflieger für Aufregung. Trotzdem gab die SS den Kampf nicht auf. Sie verschanzten sich unter anderem auch in der Ziegelhütte und gruben Schützengräben. Der Volkssturm baute zwischen den Anwesen Merkl und Paulus eine Panzersperre. Wehrwolf, Volkssturm und Hitlerjugend sollten das nahende Ende noch verhindern.

Einige Tage bevor die Amerikaner kamen, kreiste ein Aufklärungsflugzeug über Michelfeld. Dann fing die Schießerei aus der Luft an. Auch Züge am Bahnhof wurden getroffen. Die Ortsbewohner trauten sich nicht mehr in ihren Häusern zu bleiben. Sie suchten Schutz im Hammer- und Sonnenwirtskeller, im Guckerloch und in der Neubirg. Bunker, die mehr Erdlöchern glichen, gab es in der Schäfergasse, am Flembach, am Bahnhof, am Pferracher Berg. In der Baumgartensiedlung war ein Splittergraben installiert.

Im Lazarett ging es in den letzten Kriegstagen drunter und drüber. Die Kampfmoral der kranken oder verwundeten Soldaten war auf dem Nullpunkt. Die meisten hatten nur den einen Wunsch, dass der Krieg bald zu Ende geht. Mancher wartete gar nicht darauf, bis das so weit war, sondern suchte schon vorher das Weite. Erst bei der Visite wurde das Fehlen festgestellt.

Am 20. April 1945, etwa um 9 Uhr, nahmen die Amerikaner Michelfeld ein. Im Klosterhof versammelten sich die Befreier. Ärzte im Offiziersrang mussten sich vor der Pforte aufstellen. Nun waren auch sie Gefangene wie Sanitäter, Kranke und Verwundete des Lazaretts. Für sie alle, auch für den Oberstabsarzt, mit dem Titel des Chefarztes, hieß es: Ab ins Lager! Verstummt waren nun die militärischen Töne in den hohen Mauern des Klosters und der normale Alltag zug wieder ein.

Die Amerikaner nahmen zwar momentan sämtliche Gebäude des Konvents in Beschlag, ausgenommen die Klausuren, was ihnen die Schwestern hoch anrechneten.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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