Erinnerungen aus Fuhrmannsreuth an den Zweiten Weltkrieg - Zeitzeugen berichten auch über ...
"Schon bald kamen erste Todesmeldungen"

Männer, die die Zeit des Zweiten Weltkriegs in Fuhrmannsreuth verbrachten, berichteten von ihren Erinnerungen. Das Gespräch leitete Vorsitzender Reinhard Bauer (links). Bild: ld
Männer, die noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs über das Leben in Fuhrmannsreuth berichten konnten, erzählten bei einem "Hutzerabend" der KSK von ihren Erinnerungen. Ehrenvorsitzender Alois Praller hatte den Krieg noch erlebt, wurde selbst 1942 eingezogen. Er konnte sich daran erinnern, dass nach dem Überfall auf Polen plötzlich alle Männer eingezogen waren. "Die kommen schon wieder", hat man sich gegenseitig zugeredet in der Vermutung, dass der Krieg nicht lange dauern wird.

Männer waren weg

Später habe man erfahren, dass alle in Grafenwöhr sind. Die Stimmung auf dem Weg dorthin, um die Männer zu besuchen, sei gut gewesen, auf dem Heimweg nicht mehr. "Die Männer waren alle weg." Mit den Männern hätten auch die Arbeitskräfte gefehlt, die Jugend musste aushelfen, und schon bald kamen erste Todesmeldungen. Die erste betraf Karl Lautenbacher aus Brand. Das Leben habe sich nun geändert. Die Zahl der Toten stieg, die Arbeit konnte nicht mehr geleistet werden. Junge Leute mussten zur Feuerwehr, was auch etwas Gutes hatte, wusste Alois Praller. Denn nach der Übung durften sie ins Wirtshaus, was ihnen sonst verboten war. Der Sprecher erinnerte sich auch noch, dass Weißrussen in der Firma Schiettinger waren und Franzosen in der Firma Goetz.

Im vierten Kriegsjahr kam dann auch für Praller die Einberufung. Erich Schlicht, Willi Englmann, Engelbert Schreyer und Hans Hofmann konnten dann noch Bruchstücke aus ihrer Kinder- und Jugendzeit beitragen. Der Beschuss der Bahnlinie Fichtelberg - Neusorg war eines der Themen. Dabei sei eine Lok zerschossen worden, die dann in den Steinbruch gezogen worden sei. Von zwölf Flugzeugen wurden berichtet, die am Horizont erschienen und dann insgesamt 44 Schüsse abgaben. Ursache des Beschusses sei wohl die SS gewesen, die zuvor auf die Flieger gefeuert hatte. Als Jugendliche hätte sie bis 23 Uhr auf dem Hardt wachen müssen, um zu beobachten, was sich um sie herum ereignet. Von einem sogenannten "Fieseler Storch" war die Rede, der kurz vor dem Einmarsch der Amis über Fuhrmannsreuth seine langsamen Runden gedreht habe. Er habe wohl auskundschaften und den Einmarsch der Amis vorbereiten sollen.

Panzersperre aus Holz

Auch eine Panzersperre aus Holz muss es Richtung Ebnath gegeben haben, die Frauen abgerissen hätten. Es sei aber eine neue gebaut worden. Beim Einmarsch der Amerikaner seien Männer mit weißen Tüchern ihnen entgegen gelaufen. Problemlos offenbar, denn jemand ergänzte, dass es nach mehreren Tagen auch Kaugummi gegeben habe.

Zwei Soldaten aus Fuhrmannsreuth seien bei der Luftwaffe gewesen, wussten die Männer. Mit zwei Flugzeugen seien sie über Fuhrmannsreuth gekreist, bevor sie bei der Schlacht gegen England eingesetzt wurden und dort starben. Hans Hofmann berichtete, dass sein Vater nach Hause gekommen sei, weil ein naher Verwandter gestorben war. Ein Fuhrmannsreuther habe gegen ihn gehetzt. Er sei wieder abkömmlich und könne eingezogen werden. Sein Vater habe es jedoch geschafft und musste nicht mehr zum Militär.

1945 kamen dann die Heimatvertriebenen; unter ihnen war Manfred Schmelter. "Eigentlich habe ich eine schöne Kindheit gehabt", stellte er am Ende seiner Geschichte fest, die mit dem Januar 1945 begann, als alle aufgefordert wurden, innerhalb von 48 Stunden das Dorf zu verlassen. Seine Familie habe etwa 50 Kilometer von Breslau entfernt gewohnt.

Richtung Tschechei war das ganze Dorf auf Achse, über Königgrätz kamen sie nach Prag und schließlich nach Brand. Von der Schule seien die Flüchtlinge abgeholt worden; die Leute hätten sich die Familien ausgesucht, die sie aufnehmen wollten. Seine Familie habe zuerst getrennt gewohnt, sei dann für ein Jahr zu einer Familie nach Fuhrmannsreuth gezogen und schließlich im Ort umgezogen zum "Schöller Michl". Hier blieben sie 13 Jahre. Und da war die Familie offenbar gut untergebracht. "Ich bin heute noch dankbar," sagt Schmelter und ergänzt mit Blick auf die heutige Flüchtlingswelle: "Das sind alles ganz arme Leute."
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