Erste Messe nach 68 Jahren

Der Wert des Gotteshauses in der Waidhauser Partnergemeinde Roßhaupt (Rozvadov) lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Es ist die wechselvolle Geschichte, die das Kleinod zur Besonderheit in der tschechisch-deutschen Beziehung macht.

Roßhaupt. (fjo) Nach 68 Jahren Stillstand waren am Wochenende fünf Geistliche aus drei Ländern zusammengekommen, um erstmals wieder eine Messe in dieser Kirche zu zelebrieren. Der Abschluss einer über neunjährigen Außenrenovierung machte dies möglich.

Den tschechisch-deutschen Festgottesdienst feierte Dekan Vladimir Born aus Bor mit Ruhestandspriester Josef Holesovsky, Pfarrer Georg Hartl und Pater Sergej Ienytsky (Ungarn). Mit dabei waren außerdem Pfarrer Alfons Forster aus Michldorf und Kirchenpfleger Siegfried Zeug aus Waidhaus. Die Orgel spielte Ortsbetreuer Heribert Kett.

589 Einwohner zählt Rozvadov. Davon sind 119 katholisch. Die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger liegt lediglich bei acht Personen, welche die Gottesdienste im Ortsteil St. Katarina mitfeiern. Dort findet jeden zweiten und vierten Samstag im Monat um 15 oder 17 Uhr ein Gottesdienst statt. Für die Renovierung der einstigen Pfarrkirche Rozvadov warf Dekan Born sein ganzes Gewicht über mehrere Jahre hinweg in die Waagschale. Er hatte sich immer wieder vehement gegen den Verfall gewehrt.

Beim Festgottesdienst erinnerte er an den Beginn der Sanierungsmaßnahme im Oktober 2005 und an die wechselvolle Geschichte des Gebäudes: Immerhin mussten die Roßhaupter schon im 18. Jahrhundert genau 100 Jahre auf die Genehmigung eines eigenen Gotteshauses warten.

Zunehmender Verfall

Nur 100 Jahre hatten sie etwas davon, denn mit dem Zweiten Weltkrieg begann der Verfall der Kirche und eine erneut aufreibende Zeit. Während viele Gotteshäuser ringsum nach und nach verschwanden, konnte sich die Roßhaupter Kirche behaupten. Freilich nicht als Kirche, vielmehr als Lager für die landwirtschaftliche Kolchose oder als eine Art Abenteuer-Spielplatz für Kinder und Jugendliche.

Zuletzt erhielt der Sportverein das Areal und baute sich Umkleidekabinen an die Ruine an. Nach dem Mauerfall wollten etliche ehemalige Bewohner und Heimatvertriebene die Reste als Mahnmal erhalten. Doch Dekan Born trieb die Sanierungsmaßnahmen beständig voran, mit dem Grundgedanken "die erste Kirche nach der Grenze unbedingt zu retten". Nun ist die Kirche im Eigentum der Gemeinde Rozvadov. Durch den Einbau von Fenstern, Dach und Türen ist die Außenhaut jetzt fest geschlossen. Zwei Drittel der rund 70 000 Euro teuren Maßnahme brachte die Gemeinde Rozvadov mit einer Förderung durch die EU als Eigenleistung auf. Eine vierstellige Summe steuerte der Waidhauser Marktrat über die Jahre hinweg bei; rund 17 000 Euro kamen durch kleinere Spendenbeträge in der Pfarrgemeinde Waidhaus zusammen. Vor allem die ehemaligen Roßhaupter um das Ortsbetreuer-Ehepaar Helga und Heribert Kett aus Vohenstrauß zeigten sich spendabel.

Auf tschechisch und deutsch informierte Born die Besucher der Festmesse. Auch die Lesung und viele Lieder waren zweisprachig, inklusive der Ansprache von Margit Kirzinger. Die Waidhauser Bürgermeisterin betonte den Wert der tschechisch-deutschen Freundschaft..

Wenzelsfest gefeiert

Bereits eine Woche zuvor nutzte die Gemeinde Rozvadov den Raum für einen Teil des Programms ihres Wenzelsfestes. Ein Konzert mit Violoncello und ein Auftritt des Chores aus Tachov zählten hierzu. Das ist gut so, denn in einer Nutzung als Gedenkstätte sehen die Verantwortlichen drüben nun eine "lebendige Zukunft" dieses Kirchengebäudes.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.