Erzieher, Lehrer, Dichter, Künstler

Der Pleysteiner Ehrenbürger Anton Wurzer starb vor 60 Jahren. Ihm zu Ehren errichtete die Stadt eine Gedächtnisstätte und benannte eine Straße nach ihm.

Pleystein. (tu) Am 5. Januar jährte sich der Todestag von Anton Wurzer, einer bedeutenden Persönlichkeit der Oberpfalz, die auch im Rosenquarzstädtchen Geschichte geschrieben hat, zum 60. Mal. Am 1. August 1893 kam Wurzer in Altenstadt/WN zur Welt. Sein Vater, Eisenbahnbeamter, wurde 1895 nach Weiden versetzt. Wurzer verbrachte seine Kindheit in der Max-Reger-Stadt und besuchte dort die Volks- und die Präparandenschule. 1909 kam er nach Amberg an die Lehrerbildungsanstalt, wo er die erste Lehramtsprüfung ablegte. 1912 kehrte er nach Weiden zurück, im Oktober 1914 zog er als Freiwilliger in der Ersten Weltkrieg.

Tod mit 62 Jahren

Es folgten Einsätze des jungen Offiziers unter anderem in Flandern, Verdun und nach einer Verwundung an der Westfront. In Rumänien entstand sein erstes unveröffentlichtes Gedicht "Müder Ritt", eine Elegie auf das Kriegsgeschehen. Nach Kriegsende trat Wurzer seinen Dienst als Volksschullehrer an. Seine erste Anstellung erhielt er 1919 in Pleystein. Zwei Jahre später heiratete er die Apothekerstochter Emma Ebenauer.

Die zwei Jahrzehnte in seiner zweiten Heimat im Zottbachtal waren die fruchtbarsten seines Schaffens. Die ersten Veröffentlichungen seiner Gedichte erfolgten in norddeutschen Blättern und im "Fränkischen Kurier" und der "Bayerischen Staatszeitung". Eine Sammlung seiner Werke erschien 1932 im Erich-Lichtenstern-Verlag in Weimar unter dem Titel "Zwischen Sternen und Steinen".

Als Angehöriger des Bamberger Dichterkreises brachten 1939 "Die Tafelrunde bei E.T.A. Hoffmann" neun Gedichte von Wurzer. In seinem bekanntesten Werk, dem "Steinpfälzer Schelmenspiegel", erzählt er in 48 Kurzgeschichten und 6 Mundartgedichten aus seiner Heimat, deren Eigenheiten, Natur und hier lebenden Menschen. Auch sein künstlerisches Talent als Maler und Schauspieler ließ er aufblitzen.

Über sich selber schreibt Wurzer 1939 unter anderem: "Soweit ich dem Blutstrom meiner Ahnen folgen kann, bin ich Ostmärker und in allem dem geheimnisvollen Waldgebirge an der bayerisch-böhmischen Grenze versponnen. Das Schicksal dieser vielfach unbekannten Landschaft hat mein Wesen gespeist und geformt. Die Stunden, die mir belassen sind, in mich zu horchen, gehören dem Dienst im Heiligtum meiner Geliebten - der Dichtung." Verbunden mit den Pleysteinern beeinflusste er nachhaltig das kulturelle Leben. Sein Wirken im Oberpfälzer Waldverein und als Dirigent des Männergesangvereins fanden Beachtung. Er organisierte Frühlingsfeste, war Wegbereiter des Fremdenverkehrs, regte den Bau des Freibades an und machte den Entwurf zum Kriegerdenkmal.

Die Gemeinde verlieh ihm 1939 für seine Verdienste als Erzieher, Pfleger des deutschen Volkstums und Heimatdichter die Ehrenbürgerwürde. Im gleichen Jahr übersiedelte er nach Amberg, wo er an der Luitpoldschule unterrichtete. 1945 bis 1948 verbrachte er in Internierungslagern. Nachdem seine Frau 1949 gestorben war, heiratete er Else Edith, die aus Weiden stammte.

Die Max-Reger-Stadt ehrte den Dichter 1953 mit der Reger-Medaille. Amberg ernannte ihn zum Ehrenbürger. Am 5. Januar 1955, auf dem Weg zu einer Dichterlesung, brach Wurzer in der Schalterhalle des Amberger Bahnhofes zusammen und starb. Am 8. Januar 1955 wurde ihm auf dem St.-Katharinen-Friedhof in der Vilsstadt die letzte Ehre erwiesen. Allerheiligen 1980 wurden seine sterblichen Überreste in seinen Geburtsort überführt und in einem Ehrengrab nahe der alten Pfarrkirche beigesetzt.

Die Stadt Pleystein hütet die Erinnerung an den Ehrenbürger durch eine Gedächtnisstätte im Stadtmuseum, die Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 11 Uhr besichtigt werden kann. Außerdem wurde Wurzer vor 40 Jahren eine Straße im Siedlungsgebiet gewidmet.
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