Es läuft seit 1554

Schnell, schnell geht in diesem Gasthaus nichts: Mindestens 460 Jahre gibt es die Wirtschaft, 188 Jahre stellt dieselbe Familie den Wirt, das Bier kommt seit 120 Jahren vom selben Brauer. Beim Veigl von Tradition zu sprechen, ist beinahe untertrieben.

Wie das Gasthaus in Hausnummer 7 tatsächlich ist, kann Heimatforscher Werner Veigl gar nicht sagen, bis 1554 lässt es sich urkundlich zurückverfolgen. "Wahrscheinlich ist es noch deutlich älter." Ganz sicher zähle es zu den ältesten Wirtshäusern zwischen Bayreuth und Kemnath. Für den Bruder des heutigen Wirts Heribert war es deshalb Ehrensache, die Geschichte zu erforschen.

Seit 188 Jahren steht ein Veigl an der Schenke, seit 120 Jahren zapft er dort das Bier der Bayreuther Maisel-Brauerei. 1823 ersteigerte ein Vitus Feigl das hoch verschuldete Anwesen 1823. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb sich die Familie mit einem "F". Der neue Wirt war zuvor Kutscher beim kurfürstlichen Forstmeister Graf Theodor von Morawitzy in Kulmain. Drei Jahre vor dem Kauf war Vorbesitzer Johann Stich an "Abzehrung" gestorben.

Sechs Veigl-Generationen überbrückten dann die folgenden 188 Jahre. Immer übergab der Vater an den Sohn: Auf Vitus folgten Leonhard (1832), Georg (1859), Johann (1900) und Adolf (1946). Seit 1978 bewirtschaftet Heribert mit seiner Frau Rita die Gaststätte. Die Kinder Andreas, Martin und Kerstin unterstützen sie.

Für das Dorf ist die Gastwirtschaft der gesellschaftliche Mittelpunkt. Zahlreiche Vereine fanden hier eine Heimat. Der erste war der Veteranenverein (heute Krieger- und Soldatenkameradschaft), der 1899 das Gasthaus zum Vereinslokal wählte. Bis zur Auflösung traf sich dort auch der Burschenverein. Bis heute tun es die Fußballer des ASV, die Hutzaweiber und die Feuerwehr.

Zwischen 1911 und 1928 gab es sogar einen Pfeifenclub. Hauptlehrer Ignatz Huber hatte ihn in der Gastwirtschaft gegründet, einmal in der Woche kamen die Mitglieder beim Veigl zusammen, spielten Karten, tranken Bier und genossen ihr Pfeifchen. Bis Mitte der 1960er Jahre gab es einen Tanzsaal. Bei Mai-, Faschings- und Kirchweihtanz oder bei Theateraufführungen des Burschenvereins ging es hoch her.

Heute ist vieles anders, erzählt Wirt Heribert Veigl. Stammtische wie früher gebe es heute kaum mehr. "Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt zum Großteil mit Familienfeiern und dem Mittagstisch am Sonntag." Ehefrau Ritas bürgerliche Küche hat dem Gasthaus einen guten Ruf eingebracht. Nur für einen Dämmer- oder Frühschoppen komme kaum mehr ein Gast. Am Bierpreis liege es nicht, versichert der Wirt, sein Gasthaus zähle zu den günstigen in der Region. Sein Bruder Werner weiß aber, dass sich in den letzten hundert Jahren doch einiges beim Preis getan hat: "1895 bezahlten die Wirtsleute im Einkauf für den Liter Lagerbier 15 und für Exportbier 17 Pfennige."
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