Etsdorf vor Regensburg

Die echten Fans der Asphaltkapelle lassen sich auch von kaltem Regen nicht abschrecken: Die Andacht ums Kirchlein fand wie geplant statt. Das folgende weltliche Fest wurden dann aber doch ins Templemuseum verlegt.

Zuerst sind die Bilder in Etsdorf zu sehen. Erst danach in Regensburg. "Man muss scho a bissl die Hierarchie beachten", scherzte Hausherr Wilhelm Koch gestern bei der Eröffnung einer Ausstellung über die Walhalla in seinem Tempelmuseum.

Zum fünfjährigen Bestehen des Tempelmuseums in Etsdorf hat Koch gleich zwei Sonderausstellungen an Land gezogen, die hier bis Sonntag, 27. September, gezeigt werden - die eine dokumentiert die Walhalla nach ihrer Sanierung, die andere präsentiert eine Auswahl von Vorschlägen für Europa-Fahnen.

"Ein Museum für zeitgenössische Kunst in einem kleinen Dorf", das sei schon etwas ganz Besonderes, betonte Freudenbergs 2. Bürgermeister Franz Weiß - für den die Doppel-Vernissage etwas ganz Besonderes war: Seine erste Ausstellungseröffnung nutzte er, um Initiator Wilhelm Koch und seiner Mannschaft für ihren Einsatz um diese Einrichtung zu danken und ihnen die weitere Unterstützung der Gemeinde zuzusagen. Für die Walhalla-Ausstellung kam die Hilfe allerdings von anderer Seite. Das Staatliche Bauamt Regensburg hat sie ermöglicht. Deren Leiter Hans Weber, der sich als ein Fan des Etsdorfer Museums outete, verwies darauf, dass die Ruhmeshalle dort ja bereits in der Dauerausstellung präsent sei. Dazu gesellen sich nun vorübergehend Bilder des Berliner Fotografen und Architekten Marcus Ebener, die 2014 nach Abschluss der zehnjährigen Sanierung der Walhalla entstanden sind.

Weber verwies auf die zuvor großen Schäden im Inneren hin, entstanden durch feuchtes Klima und unzureichende Wasserableitung, auf statische Probleme im Unterbau und den zunehmenden Verfall des Natursteins, deretwegen 2002 sogar die Treppenanlage gesperrt werden musste: Es habe also dringender Handlungsbedarf bestanden. Ziel der über 13 Millionen Euro teueren Sanierung sei die "Konsolidierung des Bauwerks bei weitestgehender Erhaltung der Originalsubstanz" gewesen, was in vollem Umfang gelungen sei.

Der Fachmann lenkte den Blick der Zuhörer auf die sehr unterschiedlichen Facetten gestalterischer und konstruktiver Prägung dieses herausragenden Zeugnisses klassizistischer Architektur - die dabei aber unter anderem mit einer schmiedeeisernen Konstruktion als innovativem Dachtragwerk überrasche. Dem Fotografen Marcus Ebener sei es gelungen, diese "vermeintlichen Unstetigkeiten" aufzuzeigen und sie gleichzeitig in Bezug zu setzen mit der Geschlossenheit des Gesamtwerkes - und zwar ganz ohne Effekte.

Ergänzt werden die Fotografien durch zwei kleine Modelle, erstellt auf Grundlage von Daten aus einer lasergestützten Erfassung. Eines davon, in größerem Maßstab aus Bronze gegossen, lädt nicht nur sehbehinderte Besucher in der Walhalla ein, dieses Bauwerk im wahrsten Sinne zu "begreifen".

Freunde des Tempelmuseums können dies bei einer für Juni geplanten Exkursion tun.
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