Ex-"Löwe" mit Biss

Ich wünsche jedem 60-Spieler diesen Ehrgeiz und Kampfgeist, den ich noch immer habe mit 60 Jahren, dann könnte es sein, dass sie in die Bundesliga aufsteigen.

Jimmy Hartwig plappert wie eh und je. Schnell wird klar, er brennt für seine Sache. Egal ob es dabei um Fußball, Theater oder um den Commerzbank-Pott geht, für den er Pate steht. Am Sonntag, 12. Juli, kommt er nach Neustadt.

Der Ex-Fußballprofi, der unter anderem vier Jahre für 1860 München gespielt hat, wird den Nachwuchsfußballern und Jugendtrainern Tipps verraten. Im Interview spricht er mit Redakteur Christopher Dotzler über den Pott, die "Löwen" und seine Theaterkarriere.

Es gab zahlreiche Bewerber für den Commerzbank-Pott. Welche Kriterien waren wichtig, um das Zwischenfinale zu erreichen?

Hartwig: Es gab etwa 290 Bewerber. Das Schreiben der DJK Neustadt hat uns gut gefallen. Wichtig waren mir die Themen Integration, Vielfalt, Mittelverwendung und Ehrenamt.

Sie haben einmal gesagt, dass Fußball die größte Integrationsmaschine überhaupt sei. Warum?

Die Vereine machen schon sehr viel. Die Fußballclubs in Sachsen könnten zum Beispiel mehr zusammenarbeiten und den Flüchtlingen die Hand reichen. Beim Fußball brauchst du nicht zu sprechen. Du brauchst einen Ball, vier Klötzel, dann sind die zwei Tore gebaut - und dann geht die Post ab. Die Regeln sind überall gleich, weltweit. Dann lernt man schon untereinander die Sprache und das Verständnis wächst, wie andere Nationalitäten ticken.

Sie haben bereits drei Konkurrenten der DJK besucht. Was war da geboten?

Es wäre jetzt unmoralisch, darüber zu reden. Sie geben sich aber alle sehr viel Mühe. Schauen wir mal, was noch auf uns zukommt.

Was ist am Sonntag, 12. Juli, zu erwarten, wenn Sie in Neustadt sind?

Ich werde kommen und alle werden mich nett begrüßen - auch wenn sie mich nicht gut leiden können. (lacht)

Davon gehen wir jetzt mal nicht aus. Sie sind doch ganz sympathisch.

Ich bin für den Commerzbank-Pott seit fünf Jahren unterwegs. Mit einigen Vereinen habe ich ein freundschaftliches Verhältnis, weil ich sehe, wie sie arbeiten und sich täglich Mühe geben, den Verein über Wasser zu halten und sich mit der Jugendarbeit beschäftigen. Für mich ist es oberste Pflicht, dass jeder Verein einen lizensierten Trainer in der Jugendarbeit hat. Wenn jemand keine Ausbildung hat und dann auf junge Leute losgelassen wird, werde ich sauer. Das geht nicht.

Themawechsel: Vergangenes Jahr haben Sie über die 60er gesagt, als die im Abstiegskampf steckten: "Es tut mit in der Seele weh, 1860 spielen zu sehen. Da bin ich echt erschrocken." Wird es nächste Saison besser?

Gute Frage (lacht). Wie heißt Ihr Blatt, "Der neue Tag"?

Richtig.

Gut, lasst uns von Tag zu Tag schauen. Ich weiß nicht, was da besser werden soll. Letztes Jahr war es keine Mannschaft. Es waren drei Spieler dabei, die ein bisschen Fußballspielen konnten. Es war unterirdisch.

Schade, dass so ein Traditionsverein auseinanderbröckelt.

Ja. Man hat es ja bei den Relegationsspielen gesehen: zwei Spiele, 120 000 Zuschauer. Na, guten Tag! Wenn da der Verein nicht sieht, was da abgeht, dann tut mir das leid. Mit Professionalität hat das nicht viel zu tun. Da werden die Vereine, die ich bereise, besser geführt. Und das sind Amateure.

Harte Worte.

Sie haben jetzt gegen den Schweizer Meister Basel gewonnen. Jetzt denken schon wieder einige: So schlecht sind wir nicht, nächstes Jahr spielen wir Bundesliga. Die sind ja weltfremd. Die Baseler sind in der Vorbereitung. Ob die nun gegen 60 verlieren oder gegen Humbadumbahausen - für die ist das egal, die wollen einfach nur fit werden.

Und was ist nun drin für die "Löwen"?

Schauen Sie sich mal an, wer da mitspielt: Karlsruhe, Freiburg, Paderborn, Bielefeld, Kaiserslautern, Düsseldorf. Es wäre schön, wenn sie oben mitspielen würden. Aber da müssten sie ja eine Traummannschaft haben. Wenn ich allerdings Spieler sehe, die drei Jahre hintereinander nur Bullshit spielen und gebe denen wieder Verträge, dann spricht das für sich selbst.

Eine andere Leidenschaft von Ihnen ist das Theater. Sie waren Hauptdarsteller in Büchners Woyczeck und haben in Brechts Baal mitgespielt. Wie geht Fußball und Theater zusammen?

Ich habe immer gerne Theater gemacht (lacht). Zum Theaterspielen bin ich zufällig durch Thomas Thieme (Theater- und Filmschauspieler; Anm. d. Red.) gekommen. Was ich mache, mache ich immer 100-prozentig. Ich habe mit Baal angefangen, jetzt spiele ich schon Hauptrollen und darf auf den großen Bühnen spielen. Das spricht dafür, dass ich ein ehrgeiziger Hund bin. Jetzt komme ich auf die "Löwen" zurück: Ich wünsche jedem 60-Spieler diesen Ehrgeiz und Kampfgeist, den ich noch immer habe mit 60 Jahren, dann könnte es sein, dass sie in die Bundesliga aufsteigen.

Sie haben einmal geäußert, dass Sie alles erreicht haben, was Sie erreichen wollten. Welche Tipps haben Sie für Jugendliche und Kinder. Im Fußball und im Leben.

Habt Respekt - vor euren Mitschülern, Mitspielern und euch selbst. Außerdem muss ich aufpassen, dass ich in der Schule meinen Weg gehe. Ich sage immer: "Was du in deiner Birne drin hast, kann dir keiner mehr wegnehmen. Es gehört dir alleine. Da kann kein Gerichtsvollzieher und keine Bank kommen und dir das wegpfänden." Du musst auch immer ein Ziel vor Augen haben und es nicht aus den Augen verlieren.
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