Expertin für Hauskrankenpflege gibt Einblick in Praxis und Theorie der Pflegeversicherung
"Zwei Minuten müssen reichen"

Über die Pflegeversicherung informierte BRK-Kreispflegedienstleiterin Tina Hösl beim Katholischen Landvolk in Preißach. Bild: bjp
"Was heute gilt, kann in zwei Jahren überholt sein." Als "schnelllebig" charakterisierte Tina Hösl das Pflegeversicherungsrecht in ihrem Vortrag über "Pflegebedürftigkeit und Pflegeversicherung" für das Katholische Landvolk im Schützenheim. Doch spiegele es damit nur die Lebenswirklichkeit wider, meinte die Leiterin des Hauskrankenpflegedienstes beim Rotkreuz-Kreisverband: "Denn auch Pflegebedürftigkeit kann sehr schnell eintreten."

Umso wichtiger sei es, über das Leistungsspektrum informiert zu sein, das umfassender sei, als viele glaubten: "Die jüngsten Reformen haben sogar einige Verbesserungen gebracht." Schon seit 2013 gebe es die Pflegestufe 0 für körperlich rüstige Demente, die Pflegestufen 1 und 2 seien jeweils um eine "Plus"-Zwischenstufe mit erweiterten Leistungen für Demenzkranke ergänzt.

In welche Pflegestufe man eingruppiert werde, entscheide auf Antrag ein Gutachter. Richtschnur sei der Zeitaufwand für pflegerische Hilfe. Nichts geändert habe sich an den teils praxisfremden Zeitvorgaben, die die Gutachter zugrundelegten: "Ein Toilettengang wird mit zwei Minuten veranschlagt." Nicht berücksichtigt würden auch bloße "Präsenzzeiten": "Selbst wenn ein Angehöriger aufpassen muss, dass sich ein dementer Patient ordentlich die Zähne putzt, wird diese Zeit nicht eingerechnet." Umso wichtiger sei, dass Patienten und Angehörige die Hilfsbedürftigkeit nicht schönredeten: "Beschreiben Sie ehrlich, wobei Hilfe benötigt wird, denn hier zählt jede Minute." An neuen Leistungen habe das neue "erste Pflegestärkungsgesetz" unter anderem einen Aufschlag für "Betreuungs- und Entlastungsleistungen" von 104, bei Demenz 208 Euro in allen Stufen gebracht. Hiervon könnten etwa eine Reinigungskraft oder eine Aufsichtsperson für Demente bezahlt werden.

Müssten oder wollten pflegende Angehörige "Auszeiten" nehmen, so stehe die Versicherung für die Kosten der "Ersatzpflege" bis zum Betrag von 1612 Euro für maximal sechs Wochen pro Jahr ein. Der gleiche Betrag werde für höchstens vier Wochen stationäre Kurzzeitpflege gewährt. Während einer sechsmonatigen "Pflegezeit" trage die Pflegekasse die Sozialversicherungsbeiträge pflegender Arbeitnehmer, die allerdings für die Dauer dieser Arbeitsfreistellung in der Regel keinen Lohn beanspruchen könnten. Besonders hob Hösl hervor, dass "Pflegestufenpatienten" für einen pflegegerechten Wohnungsumbau "ohne Offenlegung der Vermögensverhältnisse" 4000 Euro beantragen könnten.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/demenz
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