Fahnen sind nicht mehr in

Der Katholische Gesellen- und Burschenverein Au bei Freising hat seine Fahne noch von Regens Wagner in Michelfeld bekommen. Wer nach dem Ende der Paramentenstickerei als selbstständiger Abteilung ähnliche Wünsche hat, muss mit der Leiterin Sabine Küffner (links) absprechen, ob das noch geht. Bild: swt

Die Paramentenstickerei im Kloster Michelfeld war für Vereine, die ihre aufwendigen Fahnen restaurieren lassen mussten, seit Jahrzehnten erste Anlaufstation. Das Problem: Neue Fahnen wollte zuletzt kaum jemand mehr.

Die historische Paramentenstickerei gehört in ihrer bisherigen Form bald der Vergangenheit an. Sie wird in die Werkstatt für behinderte Menschen in den neuen Häusern in Michelfeld integriert (wir berichteten). "Das Vereinsleben hat sich geändert, Fahnen und Fahnenbänder werden eher selten nachgefragt", sagt Peter Miltenberger, der Gesamtleiter von Regens Wagner Michelfeld, als unsere Zeitung nachfragt, warum diese Entscheidung getroffen wurde.

Handarbeit ist teuer

Und auch die sonstigen Angebote der großen Abteilung im zweiten Stock des ehemaligen Benediktinerklosters würden seit Jahren nicht mehr genug frequentiert. Die Konkurrenz etwa bei der Änderungsschneiderei sei groß, die Nachfrage nach liturgischen Gewändern oder Beiwerk gehe zurück. Und echte Handarbeit sei nun einmal teuer.

"Die Gewinnerwirtschaftung ließ nach", fasst Miltenberger zusammen. Es waren zwar Aufträge da im textilen Bereich, dennoch war die Stickerei noch nie die stärkste Abteilung. Schon seit fünf Jahren habe man überlegt, was zu tun sei, sehr wohl im Bewusstsein, dass die Paramentenstickerei in Michelfeld etwas Besonderes sei. Dennoch sei es wie überall in einem Wirtschaftsbetrieb: "Wenn die Zahlen nicht stimmen, muss man handeln." So sei man zusammen mit der Zentrale von Regens Wagner in Dillingen in vielen Gesprächen übereingekommen, die Stickerei in die Werkstatt für behinderte Menschen zu integrieren. "Die Auftragslage in der WfbM ist sehr gut", erklärt Miltenberger. Dort seien die Stickerei und die angeschlossene Schneiderei gut aufgehoben.

Mitarbeiter bleiben

Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, da es sich um einen historischen Bereich handele. Auch galt es zu überlegen, was mit den zehn Mitarbeitern passiert: "Sie wurden sehr früh in die Gespräche mit eingebunden, wir haben für alle einvernehmliche Lösungen gefunden." Der größte Teil der Mitarbeiter zieht laut Miltenberger mit um in die Neubauten, sie würden flexibel eingesetzt. Lediglich eine Mitarbeiterin habe sich entschieden zu gehen, da die Anfahrt zu weit sei. Miltenberger ist froh, dass alle umstellungsbereit waren und sind und hebt das gute Miteinander hervor. Bereits im Januar sollen die Arbeitsplätze umziehen.

Mit der Eingliederung in die Werkstätten kann ein Teil der bisherigen Leistungen weiter angeboten werden. Auch für Menschen mit Behinderung kann die Stickerei somit einen hochwertigen Arbeitsplatz bieten. Trotzdem geht damit eine Ära in den bisherigen Räumen im Klostergebäude zu Ende. Ordensschwestern der Dillinger Franziskanerinnen bauten den Betrieb seit 1885 gemeinsam mit Menschen mit Behinderung auf. Auch als Ausbildungsbetrieb hatte die Stickerei einen guten Ruf. Sie bildet noch eine junge Frau als Textilgestalterin im Handwerk mit Fachrichtung Stickerin aus.
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