Fahrrad elektrisch machen

Neue Materialien in alter Form: BASF stellte ein Hochradkonzept aus Carbonfasern mit LED-Technologie aus.

Seit das Fahrrad das Hochrad vor fast 150 Jahren abgelöst hat, wurde es stetig weiterentwickelt und verbessert. Innovationen für die nächste Saison sind vor allem bei den Mountain- und E-Bikes zu finden. Auf der Eurobike, der größten Fahrradmesse der Welt, waren diese Neuheiten zu sehen.

In dem im Vergleich zur Geschichte des Fahrrads noch sehr jungen Segment der E-Bikes tut sich in der kommenden Saison einiges. Kaum verwunderlich, denn E-Bikes erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. "Es gibt bei E-Bikes keine klare Zielgruppe. Das können ältere Menschen sein, die nicht mehr so viel Kraft haben, aber auch viele junge wollen aus gesundheitlichen oder Umweltschutzgründen auf ihr Auto verzichten, haben aber einen weiten Arbeitsweg. Da bietet sich ein E-Bike natürlich an, wenn man nicht total verschwitzt in der Arbeit ankommen möchte", erklärt der Fahrradverkäufer Nils Trumpke aus Hoya.

"Der Trend für das kommende Jahr sind automatische Schaltungen. Durch die Unterstützung des Motors bemerken viele E-Biker nicht mehr, wenn sie in einen zu niedrigen Drehzahlbereich kommen. Dadurch werden die Motoren viel ineffizienter und die Reichweite der Batterie verringert sich. Die Automatikschaltung misst die Trittfrequenz und übernimmt das Schalten, um die Drehzahl im optimalen Bereich zu halten. Dadurch kann die Batterie optimal ausgeschöpft werden", informiert Trumpke. Die Hersteller verwenden dafür Nabenschaltungen, teilweise mit stufenlosen Schaltungen. Dadurch steigt der Fahrkomfort.



Wer sein Fahrrad zu einem E-Bike umrüsten möchte, musste dies bislang teuer in einer Fachwerkstatt machen lassen. Superpedestrian bietet bald ein einfacheres System an: Die gesamte Technik für das E-Bike steckt im Hinterrad, dem "Copenhagen Wheel" (Bild). "In der roten Scheibe, die um die Nabe angebracht ist, befindet sich der Akku, der Motor und verschiedene Sensoren. Diese stimmen die Unterstützung genau auf den Tritt des Fahrers ab. Der Akku ist fest verbaut, so dass er sich nicht mit dem Rad dreht. Ansonsten wäre das Anfahren ziemlich schwer", sagt Ryan am Stand der Firma aus Massachusetts.

Das "Copenhagen Wheel" wird einfach statt dem alten Hinterrad in das Fahrrad eingebaut und unterstützt dann den Fahrer. Die Steuerung übernimmt ein Smartphone, das über Bluetooth mit dem Hinterrad verbunden werden muss. Auf der Testfahrt konnte das "Copenhagen Wheel" durchaus überzeugen - im Vergleich zu herkömmlichen E-Bikes war kein Unterschied zu bemerken, bis beim Test am Berg die Bluetooth-Verbindung abbrach und die Fahrunterstützung komplett ausfiel. "Da war wohl der Akkustand zu niedrig", lautet Ryans Erklärung, "aber insgesamt kann man mit dem Copenhagen Wheel 50 Kilometer weit fahren".

Das "Copenhagen Wheel" kostet 950 US-Dollar und wird bald auf dem deutschen Markt sein. Auch im Mountainbike-Segment werden mehr und mehr Motoren verbaut. "Problematisch wird das, wenn Ungeübte damit auf hohe Berge und schwierige Strecken fahren. Früher musste man eine gewisse Fitness mitbringen und mit dem Training wuchs auch die Erfahrung. Heute schafft es prinzipiell jeder auf den Berg hoch und dann können Unfälle passieren, wenn sich die Leute überschätzen", meint der Edelsfeldener Cross-Triathlet Jonas Rabenstein.

B+ für Mountainbikes

Im klassischen Mountainbike-Segment gibt es ebenfalls einige Neuerungen. Nachdem in der letzten Saisons Fat-Bikes "en vouge" waren und Laufräder mit 27,5 Zoll als Kompromiss zwischen den 26er- und 29er- Laufräder etabliert wurden, verbindet die kommende Saison die beiden Trends: B+ heißt der neue Standard. Dabei werden auf 27,5-Zoll-Felgen bis zu 3 Zoll breite Reifen aufgezogen. Diese sind nicht nur breiter, sondern auch höher als herkömmliche Reifen. So entspricht der Außendurchmesser eines B+ Reifens dem eines 29-Zoll-Reifens. B+ verspricht dabei mehr Grip und geringeren Rollwiderstand bei niedrigem Luftdruck. Trotzdem ist er relativ pannensicher, denn aufgrund der Höhe des Reifens ist die Wahrscheinlichkeit eines Durchschlags sehr gering. Ein großer Nachteil am neuen B+ Standard ist die Kompatibilität. In breite 29-Zoll-Bikes passen die neuen Reifen meist, in Gabeln und Rahmen, die für 27,5 Zoll ausgelegt sind, ist es zu eng.

Kabellose Schaltung

Im Rennradsegment werden die elektrischen Schaltungen weiterentwickelt. SRAM hat dieses Jahr die erste kabellose Schaltgruppe, die "Red eTAP", vorgestellt. Diese kabellose Schaltung funktioniert über Funk. Am Schalthebel am Lenker wird ein verschlüsseltes Signal zum Elektromotor am Umwerfer gesendet. "Bei mechanischen Schaltungen schleift die Kette, wenn man die äußeren Zahnräder kombiniert. Bei elektrischen Schaltungen kann sich der Umwerfer dem Schaltwerk anpassen. So kann man alle Gänge ausfahren", beschreibt Fahrradhändler Wolfgang Neumüller aus Neukirchen die Vorteile elektrischer Schaltungen.
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